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In der Kirchheimer Allee sollen Fahrradfahrer jetzt auf der Straße fahren - und nicht mehr auf dem breiten Gehweg. 

Neue Regeln für Radfahrer

„Ein Kasperltheater“

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Poing - Es scheint, als habe sich die Gemeinde Poing mit dem Vorhaben, in die Initiative „Fahrradfreundliche Kommune“ aufgenommen zu werden, keinen Gefallen getan. Zumindest gibt es momentan großen Ärger.

Grund: Die neue Regelung für Fahrradfahrer an der Kirchheimer Allee, der Bergfeldstraße und Am Hanselbrunn. Dort sollen die Radler nicht mehr den Radweg benutzen, sondern die Straße. Weil, so die Begründung von behördlicher Seite, das Fahren auf der Straße sicherer sei als auf einem Geh- und Radweg. Dies sei bei einer Fahrradtour Ende 2016 mit Vertretern von Landratsamt, der Polizei, der Gemeinde sowie der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern“ betont worden. Die Neuregelung ist eine von mehreren Vorgaben der Arbeitsgemeinschaft, um in die Initiative aufgenommen zu werden.

In den Weihnachtsferien hat die Gemeinde an den Straßen Schilder mit Verweis auf die neue Regelung aufgestellt, mit dem Ergebnis, dass die Verwunderung groß war und immer noch ist (wir berichteten). In der ersten Gemeinderatssitzung 2017 wurde die neue Regelung von allen Fraktionen kritisiert. Ludwig Berger (CSU) sprach gar von einem „Kasperltheater“. „Die Bürger wundern sich, was wir da machen“, sagte er. Die rote Hinweis-/Warnmarkierungen an den Einmündungen zur Kirchheimer Allee beispielsweise sind wieder weg. Dafür stehen jetzt die Schilder, die für die Autofahrer gedacht sind, wie Hauptamtsleiter Jürgen Rappold bei einem Ortstermin Anfang Januar erläuterte. Sie sollen darauf sensibilisiert werden, dass Radfahrer nun auch auf den Straßen fahren dürfen, ja, dies sogar sollen.

SPD-Fraktionssprecher Peter Maier kann dies nicht nachvollziehen: „Der sicherste Weg für Radfahrer ist immer noch der Radlweg“, sagte der hauptberufliche Polizist in der Januar-Sitzung. „Ich rate jeden Bürger, nicht daran zu glauben, dass die Straße der sicherste Weg für Radler sei.“ Gleicher Meinung ist CSU-Gemeinderatsmitglied Berger (der ebenfalls bis zur Pensionierung Polizist war).

Maier sowie Zweiter Bürgermeister Franz Langlechner (CSU) verwiesen zudem auf die Gefahr für Radfahrer durch parkende Autos auf bzw. an den Straßen. Als Negativbeispiel nannten beide die Blumenstraße, wo es insbesondere frühmorgens immer wieder zu gefährlichen Situationen komme. Beide appellierten an die Gemeindeverwaltung, weniger auf Paragrafen herumzureiten.

Was tun? Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) akzeptierte die Kritik und kündigte an, dass man die nächsten Wochen die Situation auf den betreffenden Straßen beobachten und sich hinterher erneut mit allen Verantwortlichen zusammensetzen und beraten werde.

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