Schulgebäude von außen
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Ein Jahr länger als geplant hat der Neubau der Grundschule Karl-Sittler-Straße gedauert.

Nach drei Jahren Bauzeit

Endlich fertig: Neue Grundschule Karl-Sittler-Straße öffnet wieder

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Ein Jahr länger als geplant hat der Ersatzneubau der Grundschule Karl-Sittler-Straße in Poing-Süd gedauert. Am Dienstag öffnet sie für 260 Schülerinnen und Schüler.

  • Ersatzneubau Grundschule Karl-Sittler-Straße in Poing-Süd ist endlich fertig
  • Ausstattung und Raumaufteilung: Die wohl modernste Grundschule Bayerns
  • Veranstaltungssaal mit bis zu 305 Sitzplätzen

Arbeiter legen Kabel und schließen noch offene Lichtschalter und Steckdosen, es wird gehämmert und geschraubt, manchmal ertönt ein Pfeifton – die Brandmeldeanlage wird getestet. Putzkräfte wischen durch die Zimmer und Gänge, mittendrin, auf einem der langen Flure, tanzt eine junge Frau, dreht sich um die eigene Achse, auf Zehenspitzen, wie beim Ballett. Beschwingt entschwindet sie ins Lehrerzimmer. Dort geht gleich die Konferenz zum Schulstart weiter, die junge Frau ist eine der Lehrerinnen. „Im Kollegium ist die Freude auf das neue Schulgebäude sehr groß“, sagt Rektorin Verena Heigl. Sie trägt wegen der Corona-Regeln einen weißen Mundschutz mit Kirschen drauf, an ihren Augen aber ist deutlich zu erkennen, dass sie lächelt. Am heutigen Dienstag öffnet das neue Gebäude der Grundschule an der Karl-Sittler-Straße in Poing-Süd, ein Jahr später, als geplant.

Bürgermeister Thomas Stark (li.) und Projektleiter Hubert Zingerle in einem der Klassenzimmer.

Als Poings Problembaustelle hatte der ehemalige Bürgermeister Albert Hingerl den Ersatzneubau der Grundschule Karl-Sittler-Straße bezeichnet. Im August/September 2017 wurde das alte marode Gebäude abgerissen, zwei Jahre später hätte das neue fertiggestellt und eröffnet werden sollen. Wegen verschiedener Probleme (das von der Gemeinde als Bauherrin beauftragte Bauunternehmen und das Architektenbüro hatten überraschend Aufträge bzw. Verträge gekündigt) herrschte vorübergehend Stillstand. Außerdem schnellten die Kosten in die Höhe, von ursprünglich geschätzten 21,2 Millionen auf rund 23,7 Millionen Euro. Wie viel es am Ende sein werden, das vermag Bürgermeister Thomas Stark momentan nicht zu sagen. Bei ihm herrscht aktuell Erleichterung und Freude darüber, dass die Schule am heutigen Tag tatsächlich eröffnet werden kann. Zwar werden in den nächsten Wochen noch einige Arbeiten zu tun sein, insbesondere im Außenbereich und im Pausenhof, trotzdem: „Ich bin froh, dass es nun soweit ist“, sagt Stark.

Freie Sicht von der Bühne: die Mensa/Aula kann zum Veranstaltungssaal umfunktioniert werden.

Offizielle Bezeichnung ist weiterhin „Grundschule an der Karl-Sittler-Straße“, obwohl der Haupteingang jetzt an der Rathausstraße liegt. Dort befindet sich ein großer Hof, der auf einer Seite vom Schulgebäude, an den beiden anderen vom Rathaus (Süden) und von der neuen Turnhalle (Norden) umrahmt ist.

Die vergangenen drei Jahre war die Grundschule Poing-Süd in Poing-Nord untergebracht, im Gebäude der 2017 neu gegründeten Grundschule am Bergfeld. Deren Schüler und Lehrer wiederum dürfen am heutigen Tag endlich in ihr eigentliches Zuhause an der Bergfeldstraße – die vergangenen drei Jahren fand der Unterricht in den Räumen der benachbarten Kindertagesstätten an der Gebrüder-Grimm-Straße statt.

Glücklich in einem der neuen Klassenzimmer: Schulleiterin Verena Heigl.

260 Schülerinnen und Schüler, davon 77 Erstklässler, werden ab heute in die Grundschule Karl-Sittler-Straße gehen, informiert Rektorin Verena Heigl. Lehrkräfte seien für alle Klassen genügend vorhanden. Sie alle werden eine Grundschule besuchen, die getrost als die modernste in Bayern genannt werden darf. Nicht nur, weil sie heute frisch eröffnet, sondern weil sie zukunftsweisend eingerichtet ist.

Beispiele: Kreidetafeln gibt es keine mehr, stattdessen sind in jedem Klassenzimmer Multi-Touch-Systeme angebracht: ein riesiger Flachbildschirm in der Mitte, links und rechts davon Whiteboards, Engelsflügeln gleich. In jedem Klassenzimmer steht ein Computer, zusätzlich gibt es Räume mit weiteren PC-Arbeitsplätzen. Jedes Kind hat seinen eigenen quadratischen Tisch, Zweiertische bzw. -bänke gibt es hier keine. Damit jedes Kind seinen eigenen Arbeitsplatz hat und um flexibel zu sein, begründet Schulleiterin Verena Heigl die Entscheidung für diese Form der Tische. Die hatte sie schon vor Corona getroffen, jetzt stellt es sich als idealer Glücksfall heraus, denn: mit den verschiebbaren Einzeltischen kann der Mindestabstand ohne Probleme eingehalten werden.

Die mit Tageslicht durchflutete Turnhalle.

Probleme mit kippelnden oder gar umfallenden Kindern werden die Lehrerinnen und Lehrer keine mehr haben: die ergonomischen Stühle sind kippfest, gleichzeitig reagieren sie auf Bewegungen des Körpers. Ähnlich einem Gymnastikball. „Lernen in Bewegung“, nennt Verena Heigl das. Sie selbst war in den Sommerferien gehörig in Bewegung, stand doch der Umzug von Poing-Nord nach Poing-Süd auf dem Stundenplan. Geklappt habe alles reibungslos, sagt die Rektorin und lobt ihr gesamtes Kollegium sowie die Gemeindeverwaltung für das „stets sehr gute Miteinander“ auch in den stressigen Umzugszeiten.

Klassenzimmer in Themenbereichen

Zurück ins neue Gebäude: Die Anordnung der dank großer Fensterfronten sehr hellen Klassenzimmer erfüllt ebenfalls den modernen Lernansprüchen: Vier Themenbereiche (erkennbar an den Farben Orange, Grün, Gelb und Blau) gibt es im Gebäude, das für insgesamt zwölf Klassen ausgerichtet ist. Zwischen Klassenzimmern befinden sich gesonderte Ruhe-, Lern- und Aufenthaltszonen. Freilich gibt es zusätzliche Zimmer wie Werkraum und Schulküche, hier mit ausziehbaren Podesten unterm Ofen, damit die Kinder zur Herdplatte sehen können.

Veranstaltungssaal mit großer Bühne

Von dem neuen Schulgebäude haben nicht nur die Kinder und Lehrer was, sondern auch der Rest von Poing: Die Mensa/Aula kann zum Veranstaltungssaal (inklusive Küche und Ausgabetheke) mit teilbarer Bühne verwandelt werden, im Zuschauerraum können laut Hubert Zingerle bis zu 305 Sitzplätze (Stühle) eingerichtet werden. Für Veranstaltungen aller Art, wenn diese wieder möglich sind. Beispielsweise für Konzerte der Musikkapelle und Theateraufführungen des Trachtenvereins. Das Schöne: Anders als am bisherigen Hauptveranstaltungsort der Gemeinde Poing, der Aula der Anni-Pickert-Schule, haben die Akteure freie Sicht auf die Zuschauer, und umgekehrt. Keine sichtstörenden Säulen mehr.

Wer ist Zingerle? Hubert Zingerle ist im Bauamt der Gemeinde Poing der verantwortliche Projektleiter für den Schulersatzneubau. Gut fünf Jahre war er damit beschäftigt, ihm dürfte am heutigen Eröffnungstag genauso zum fröhlich-beschwingten Tanzen durch die Gänge zumute sein wie jener Lehrerin, die am gestrigen Tag durch einen der Flure kreiselte.

Bis zum letzten Sommerferientag ist im Neubau gearbeitet worden, lange war unklar, ob das Gebäude rechtzeitig fertig wird.

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