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Es liegt noch einiges im Dunkeln bezüglich der Ursachen für die Erdbeben in Poing und Umgebung. Das Bayernwerk sieht bislang keinen Zusammenhang mit ihren Geothermie-Bohrungen (Archiv-Bild), Experten sehen dies anders.

Neue Messergebnisse

Erdstöße in Poing und Pliening: Nachbeben für das Bayernwerk

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Poing/Pliening - Der Bayerische Erdbebendienst hat nachgemessen: Ein Zusammenhang der beiden leichten Erdstöße am 7. und 20. Dezember in den Gemeinden Poing und Pliening mit der dortigen Geothermie-Bohrung wird immer plausibler.

Der Erklärungsdruck auf das Bayernwerk nimmt zu, was den Zusammenhang zwischen seiner Geothermie-Bohrung und den beiden Erdstößen im Landkreisnorden angeht. Bislang sieht sich das Tochterunternehmen des Energieriesen E.on nicht in der Verantwortung für die Beben.

Nach dem ersten Erdstoß am 7. Dezember hatte der Erdbebendienst mobile Messgeräte in der Region aufgestellt. Dadurch ist es nun wohl gelungen, einen Widerspruch aus der Welt zu schaffen: Erste Messungen gaben das Epizentrum der Beben mit sechs bis sieben Kilometern unter der Erdoberfläche an. Die Geothermie-Bohrungen reichen jedoch nur rund drei Kilometer ins Erdinnere.

Epizentrum: Drei Kilometer unter der Erde - „Genau am Bohrfuß“

Diese „Herdtiefe“ hat der Bayerische Erdbebendienst jetzt aber für das Beben vom 20. Dezember mithilfe der mobilen Messstationen korrigiert. Aktualisierte Tiefe: drei Kilometer. „Genau am Bohrfuß“, sagt der Chef-Seismologe des Erdbebendienstes, Joachim Wassermann, mit Verweis auf die Fördertiefe der Geothermie-Anlage.

Der Grund für die anfängliche Abweichung sei eine Messtoleranz von gut drei Kilometern in der Vertikalen, die mit der großen Entfernung der fest installierten Messgeräte vom Epizentrum zusammenhänge, führt Geophysiker Wassermann aus. Schon zuvor sei den Experten aber klar gewesen: „Das kann nicht so tief liegen, das muss flach sein.“ Die Begründung: Ein derart schwaches Beben wäre für die Anwohner sonst nicht spürbar gewesen. Auch online hat der Erdbebendienst seine Meldung mittlerweile aktualisiert.

Besorgte Immobilienbesitzer im Landkreisnorden kann der Experte zunächst beruhigen, angesichts der geringen Bebenstärken von 2,1 und 1,8: Die Beben bleiben erfahrungsgemäß im niedrigen Bereich. „Wirkliche Schäden“ verursachten die kleinen Erschütterungen nicht. „Auch bei den Spitzenschwing-Geschwindigkeiten sind wir noch weg davon“, so der Seismologe im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung.

Bayernwerk reagiert mit Einladung zum Runden Tisch

Derweil hat das Bayernwerk angekündigt, einen Runden Tisch einzuberufen: Im Januar soll ein Treffen mit kommunalen Vertretern sowie Vertretern des Bergamts, des Umweltamts und des Erdbebendienstes sowie geologischen Experten stattfinden.

Zu den neuen Messdaten, die das Beben genau in der Bohrtiefe der Geotherme verorten, äußert sich der Betreiber wie folgt: „Das Bayernwerk wird jede neue Datenlage und alle neu vorgelegten Indizien betrachten, prüfen und selbstverständlich in die eigene Ursachenbewertung für die jüngsten Beben in Poing einbeziehen.“ In der Kürze der Zeit habe man bisher weder die eigenen Messergebisse ausgewertet noch könne man auf die Schnelle fundierte Aussagen zu den Ergebnissen des Erdbebendienstes treffen.

Betreiber will bis Januar prüfen

Dieser sieht das bisherige Gebaren des Betreibers kritisch: Nach zwei Jahren habe das Bayernwerk es endlich geschafft, die vorgeschriebenen eigenen Messgeräte zu installieren, so Chef-Seismologe Wassermann. Die Daten daraus habe er bislang nicht erhalten. „Noch befindet sich das System in der Einführung“, so das Bayernwerk, das aber am Donnerstag auf Anfrage der Ebersberger Zeitung ankündigte, „dass Visualisierung, Weitergabe und Interpretation der Messdaten voraussichtlich ab heute möglich sind.“

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