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Viele Angebote, viel Arbeit, zu viel Verantwortung fürs Ehrenamt - der Vorstand des Familienzentrums sagt: „Wir können nicht mehr“.

Familienzentrum schlägt Alarm

„Wir können nicht mehr“

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Der Vorstand des Familienzentrums Poing schlägt Alarm: Ohne hauptamtliche Kraft sei die Vereinsarbeit nicht mehr machbar. Jetzt soll die Gemeinde helfen.

Poing – Es sind drastische Worte, die Susanne Knott und Bärbel Kellendorfer-Schmid am Donnerstagabend immer wieder gewählt haben: „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ „Wir können nicht mehr.“ „Wir sind am Ende.“ Mit „wir“ meinen sie den ehrenamtlichen Vorstand des Familienzentrums Poing, im Endeffekt die komplette ehrenamtliche Arbeit des Vereins. Ob und welche Zukunft der hat, das war der einzige Tagesordnungspunkt der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Max-Mannheimer-Bürgerhaus.

Die Vorstandsmitglieder Susanne Knott (hinten), Bärbel Kellendorfer-Schmid (li.) und Elvira Schlögl sehen den Verein an der Grenze des Machbaren. 

Susanne Knott ist seit 26 Jahren im Familienzentrum aktiv, seit 2015 als Vorsitzende. Vorstandsmitglied Bärbel Kellendorfer-Schmid seit knapp 30 Jahren, hinzu kommt Elvira Schlögl, die ebenfalls seit 30 Jahren im Vorstand arbeitet. Vor drei Jahrzehnten ist das Familienzentrum Poing (heute: rund 1500 Mitglieder) gegründet worden. Jetzt aber sei der Verein an seine Grenzen angelangt, sagten Knott und Kellendorfer-Schmid in der Mitgliederversammlung. Allein mit einem ehrenamtlichen Vorstand seien die vielfältigen Aufgaben und das Angebot des Familienzentrums nicht mehr zu stemmen. „Wir brauchen mindestens eine hauptamtliche Kraft, die uns unterstützt“, erklärten Knott und Kellendorfer-Schmid. Deshalb werde der Vorstand an die Gemeinde Poing und den Gemeinderat einen Antrag stellen mit der Bitte, eine hauptamtliche Kraft zu finanzieren.

Der Verein selbst habe hierfür kein Geld, wie die Vorsitzende erläuterte. Dies verdeutlichte Knott beispielhaft anhand der Einnahmen (208.810 Euro) und Ausgaben (208.460 Euro) des Vereins aus dem Jahr 2017. Darin enthalten sind auf der Einnahmenseite unter anderem Mitgliedsbeiträge sowie Kursgebühren und öffentliche Zuschüsse, auf der Ausgabenseite Löhne/Gehälter (Miniclub, Putzkraft, Büro), Einkauf und Aufwandsentschädigung für den Offenen Treff im Familienzentrums-Café, Honorare für Kurs- und Gruppenleiter sowie Miet- und Nebenkosten. In dieser Bilanz nicht inbegriffen ist die Kindertagesstätte (insgesamt 250 Plätze), die das Familienzentrum seit 2006 im Zauberwinkel betreibt. Hierfür gibt es mit Ingrid Kastner eine eigene Geschäftsleitung.

Der Vereinsvorstand ist laut Knott und Kellendorfer-Schmid Arbeitgeber von 225 Mitarbeiten – aufgeteilt in neun bezahlte Angestellte und 25 Honorarkräfte sowie 146 ehrenamtliche Mitarbeiter (Projekt bezogen) im Familienzentrum selbst und 45 Angestellte in der Kindertagesstätte. Eine Personalverantwortung, die ein ehrenamtlicher Vorstand nicht mehr tragen könne. „Wir sind kein kleiner Verein mehr, bei dem man sich zum Kaffeetrinken trifft“, sagte Knott mit Blick auf die vielen Angebote. Hinzu komme ein in den vergangenen Jahren stetig gestiegener, enormer Bürokratie- und Verwaltungsaufwand, der zeitlich nicht mehr zu schaffen sei. Schon gar nicht in der Freizeit bzw. neben des eigentlichen Hauptberufs. Deshalb, so Knott und Kellendorfer-Schmid, sei es auch schwer, Nachfolger zu finden, die künftig die ehrenamtliche Vorstandsarbeit übernehmen wollen.

Die einzige Lösung, aus dem Dilemma herauszukommen, ist nach Ansicht der beiden Vorstandsfrauen die Einstellung einer hauptamtlichen Kraft. Bürgermeister Albert Hingerl, der neben etwa 25 Mitgliedern ebenfalls in der Sonderversammlung war, sagte: „Eigentlich müsste sich das Familienzentrum professionell aufstellen.“ Er werde den Antrag unterstützen, kündigte er an. Der Verein habe seit seiner Gründung Poing mitgestaltet und „der Gemeinde viel Arbeit abgenommen. Ich kann mir Poing nicht vorstellen ohne Familienzentrum“.

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