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Fernwärme Poing: Preise sollen stabiler werden

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Von: Armin Rösl

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Voll besetzt war die Aula der Anni-Pickert-Schule am Dienstagabend bei der Informationsveranstaltung zur Fernwärme in Poing.
Voll besetzt war die Aula der Anni-Pickert-Schule am Dienstagabend bei der Informationsveranstaltung zur Fernwärme in Poing. © Johannes Dziemballa

Wie die Fernwärmepreise in Poing ab 1. Januar 2023 aussehen werden und wo es Möglichkeiten zur Erweiterung des Fernwärmenetzes gibt, erläuterte das Bayernwerk in einer Informationsveranstaltung.

Poing – Mit einem angepassten Preismodell für die Fernwärme in Poing will die Bayernwerk Natur GmbH eigenen Angaben zufolge für stabilere Preise für die Kunden sorgen. Durch einen verbesserten Kostenmix werde die Festpreiskomponente im Arbeitspreis für die Fernwärme von 25 auf 50 Prozent steigen – damit wäre Bayernwerk unabhängiger von externen Energien wie Erdgas. Aktuell werden bei der Poinger Fernwärme 20 Prozent durch Erdgas zugeheizt, dies soll künftig größtenteils durch eine eigene Großwärmepumpe (was dann 12 Prozent entsprechen würde) ersetzt werden. Bleiben 7 Prozent für Blockheizkraftwerk/Kessel. Die Geothermie (heißes Tiefenwasser) bespeist die Poinger Fernwärme mit 80 Prozent.

Poing: Rund 80 Besucher in der Schulaula

Die Präsentation, die Bayernwerk-Vertriebsleiter und Prokurist Robert Budde im September in der Bau- und Umweltausschusssitzung des Gemeinderates Poing erstmals vorgestellt hat, zeigte er nun am Dienstagabend bei einer Infoveranstaltung. Rund 80 Bürgerinnen und Bürger waren in die Aula der Anni-Pickert-Schule gekommen, um sich über den aktuellen Versorgungsgrad, das neue Preismodell sowie über mögliche Erweiterungen des Fernwärmenetzes in Poing aufklären zu lassen.

Bayernwerk-Vertriebsleiter und Prokurist Robert Budde erläuterte die Fernwärme und das Preismodell in Poing.
Bayernwerk-Vertriebsleiter und Prokurist Robert Budde erläuterte die Fernwärme und das Preismodell in Poing. © Johannes Dziemballa

Mit Formeln und der Darstellung, dass der Fernwärmepreis sich aus mehreren Komponenten zusammensetzt, von denen beispielsweise der Anteil von fossilen Energieträgern wie Erdgas und Strom nicht vom Unternehmen beeinflusst werden könnte, zeigte Budde das komplexe, nur auf Poing zugeschnittene Preismodell auf. Aufgrund der Energie- und anderer Krisen seien in diesem Jahr der Strom- und der Erdgasindex erheblich gestiegen, was in Summe im Laufe des Jahres zu einer Verdoppelung des Fernwärmepreises geführt habe, so der Bayernwerk-Vertriebsleiter. Am 1. Juli 2021 betrug der Brutto-Arbeitspreis 75,32 Euro für die Megawattstunde, am 1. Juli waren es 148,13 Euro.

Poing: Bayernwerk will Technologiemix verbessern

Um den Preis dauerhaft zu verringern und um unabhängiger vom Markt zu werden, wolle die Bayernwerk Natur GmbH den Technologiemix der Fernwärme verbessern. Aktuell setze sich dieser zusammen aus 80 Prozent Geothermie-Anteil, 19 Prozent Wärmeerzeugung durch Gaskessel und 1 Prozent durch Blockheizkraftwerk im Heizwerk an der Gruber Straße.

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Einen Schritt zu mehr Unabhängigkeit und zur Möglichkeit, den Preis zu senken und stabil zu halten, habe das Unternehmen in diesen Tagen getan: „Wir haben den Solarpark Arzberg gekauft.“ Der Strom, der in Oberfranken erzeugt wird, werde für den Betrieb der Geothermie bzw. der Heizzentrale in Poing verwendet, sagte Budde.

Für eine weitere Reduzierung könne laut Vertriebsleiter im nächsten Jahr der seit etwa drei Wochen sinkende Erdgaspreis sorgen. Auf Nachfrage eines Bürgers erläuterte Robert Budde, dass Entwicklungen dieser Art generell mit einiger Zeit Verzögerung bei Unternehmen und Kunden ankämen – weshalb aktuell davon noch nichts zu spüren sei.

Fragen aus dem Auditorium

Mit Blick auf das neue Preismodell, das zum 1. Januar 2023 in Kraft tritt, kündigte Budde „eine deutliche Stabilisierung an“. Sowohl der Arbeits- als auch der Bereitstellungspreis würden sich reduzieren.

Auf eine weitere Frage aus dem Auditorium, ob und wie man seinen Fernwärme-Vertrag kündigen oder ändern könne, antwortete der Vertriebsleiter, dass man ihn jederzeit kontaktieren könne, um mit ihm oder einen Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin darüber zu sprechen und den jeweiligen Vertrag zu prüfen. Dieser könne beispielsweise geändert werden für den Fall, dass ein Kunde seine Jahresleistung auf 14 Kilowattstunden reduzieren möchte. Damit würde auch der Preis sinken.

Fernwärmenetz-Ausbau möglich

Des Weiteren erläuterte Robert Budde, wo in Poing das Fernwärmenetz ausgebaut werden könnte. Aktuell lege das Bayernwerk Anschlüsse in der Prielmayerstraße sowie Am Hanselbrunn (bei der neuen Wohnanlage am Rewe-Markt). Anfragen gebe es aus den Wohngebieten W3 und W4 (Poing-Nord) sowie der Fischersiedlung, der Bürgermeister-Germeier-Straße und der Anzinger Straße (alle Poing-Süd). Der Vertriebsleiter kündigte an, dass Interessenten sich über ein Kontaktformular melden könnten.

Allerdings sei, insbesondere bei W3 und W4, eine gewisse Anzahl an Interessenten notwendig, damit der Anschluss ans Fernwärmenetz wirtschaftlich, verhältnismäßig und für den Kunden noch bezahlbar sei. „In gewachsenen Strukturen brauchen wir eine Anschlussquote von 60 Prozent.“ Budde kündigte für die Wohngebiete W3 und W4, die als einzige in Poing-Nord nicht ans Fernwärmenetz angeschlossen sind, eine eigene Infoveranstaltung an.

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