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Janosch Kaden (li.) hat sich mit Michael Falterer auf ein Geschäft eingelassen und sein Handy abgegeben.

17-Jähriger aus Forstinning gibt sein Smartphone ab - freiwillig

Handy weg, Bude sauber

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Die freie Zeit ohne Handy hat Janosch Kaden genutzt, um sein Zimmer aufzuräumen und Staub zu saugen. Und in Ruhe für die Schule zu lernen. Ein 17-Jähriger, der freiwillig sein Handy abgibt? Das gibt es, und das kam so:

Poing/Forstinning – Bei der Berufsinfomesse der Poinger und Markt Schwabener Schulen hat Michael Falterer, Chef von „fonland“, den Schülern den Wert eines Handyvertrages erläutert anhand einer Rechnung: Nimmt man eine einfache Monatsgebühr und teilt sie durch die Tage, kommt man auf etwa 1,20 Euro, die ein Handyvertrag am Tag kostet. Dann hat er den Jugendlichen ein Geschäft angeboten: „Ich gebe dir fünf Euro, wenn du mir dein Handy für 24 Stunden gibst.“ Janosch Kaden aus Forstinning, der die 10. Klasse der Anni-Pickert-Schule Poing besucht, hat nicht lange gezögert und als Einziger sein Mobiltelefon abgegeben.

26 Stunden und 20 Minuten später sitzt er zusammen mit Falterer vor der Schule und erzählt, was er ohne Handy gemacht hat. Aufräumen, lernen, sich mit einem Freund treffen. „Das hatte ich schon lange vorher ausgemacht. Als ich zu ihm kam, war er verwundert darüber, dass ich kurz vorher nicht mehr zu erreichen war.“ Als Kaden ihm den Grund nannte, „fand er die Aktion cool“.

Janosch Kaden ist in WhatsApp-Gruppen, hat Instagram und Co. Der 17-Jährige verbringt durchschnittlich etwa drei Stunden täglich am Mobiltelefon. Wie die 26 Stunden und 20 Minuten ohne waren? „Sehr befreiend“, antwortet er. „Man hat keinen Druck, aufs Handy zu schauen.“ Er versuche selbst immer wieder, seinen Konsum zu reduzieren. Weil: „Man hängt schon viel damit rum, es lenkt auch stark vom Lernen ab. Man vergisst die Zeit.“ Die hat er jetzt anderweitig genutzt. „Kein Handy, dafür ist die Bude sauber“, sagt er lächelnd. Erste Aktion, nachdem er sein Telefon zurückbekommen hat: „Akku aufladen und Musik anmachen“, antwortet der Jugendliche, der nach der Schule eine Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr machen möchte.

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