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Tausende Kilometer allein unterwegs: die Poingerin Kathrin Heckmann ist „Fräulein Draußen“.

Weitwanderin aus poing

Das „Fräulein Draußen“

Ihre erste ernsthafte Wanderung machte Kathrin Heckmann in Straßenkleidung und mit dem ausgedienten Rucksack ihres Vaters. Nun marschierte sie 1000 Kilometer in Schlangenbiss-festen Gamaschen durch Australien. Wie aus dem Poinger Mädchen „Fräulein Draußen“ wurde.

Poing Im Leben vieler Menschen gibt es einen Moment, in dem es „Klick“ macht – ab dann ist der Rest des Weges vorgezeichnet. Bei Kathrin Heckmann (30) war dieser Moment im Juni 2011. „Gefühlt das erste Mal seit 100 Jahren“ war die damalige Studentin aus Poing in den Alpen wandern. Der Ausflug in H&M-Leggings und notdürftiger Ausrüstung stellte die Weichen für Heckmanns zukünftiges Leben: „In dem Moment habe ich beschlossen: Okay, das ist es. Ich werde jetzt Wanderin.“

Kathrin Heckmann im australischen Wald.

Das war nicht einfach nur so dahin gesagt, seitdem hat sie tausende Kilometer zu Fuß zurückgelegt und sich Ende 2016 mit ihrem Outdoor- und Wander-Blog sogar selbstständig gemacht. Als „Fräulein Draußen“ unterhält Heckmann täglich mehr als 20.000 Fans auf Facebook und Instagram, über 25.000 Menschen lesen monatlich die Blogbeiträge auf ihrer Webseite. Durch Fotos, Beiträge und Artikel lässt die 30-Jährige ihre Fans so an gelebter Abenteuerlust und der Entschleunigung des Alltags teilhaben und schafft Inspiration für eigene Expeditionen.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte Kathrin Heckmann 2013 „Fräulein Draußen“ ins Leben gerufen, als ihre erste größere Solo-Reise durch Schottland bevorstand. So berichtete sie damals von der ersten Nacht allein im Zelt (inklusive der „Angst vorm klassischen Axtmörder, der im Dunkeln auf mich wartet“), fiesen Erkältungen oder dem anhaltenden Kampf gegen den Schottischen Schwamm, der den Boden überwucherte.

Damals noch in Vollzeit im Online-Marketing angestellt, war der Blog freilich eher ein Hobby. Doch mit jedem Trip stiegen auch die Nutzerzahlen von „Fräulein Draußen“, bis vor rund einem Jahr mehrere günstige Umstände zusammenfielen und Heckmann ihren Job zugunsten des Outdoor-Lebens kündigte.

Zelten in Großbritannien.

Zwar finanziert sie ihre Reisen auch weiterhin aus eigener Tasche – doch dank Kooperationen mit Tourismusverbänden oder Reiseveranstaltern, der Zusammenarbeit mit Outdoor-Herstellern, Folgeaufträgen in Form von Text- oder Bildmaterial, aber auch mit Werbung ist „Fräulein Draußen“ zu einer Marke geworden, deren Wert die finanzielle Vorleistung übersteigt. „Am Ende ist mir wichtig, dass alle Inhalte von mir selbst kommen. Mein Hauptziel ist in dieser Phase nicht das Geld verdienen, sondern das zu tun, was ich gerne mache“, sagt sie.

Nach Wanderreisen durch Länder wie Alaska, Kanada, Irland, Skandinavien, an der US-Westküste und das Baltikum sowie einem 1500-Kilometer-Fußmarsch durch Großbritannien kann Heckmann heute tatsächlich von sich behaupten: „Ich bin jetzt Wanderin.“

Zelten in Australien.

Ihre jüngste große Reise brachte die Poingerin nach Australien. Innerhalb von 56 Tagen legte sie den 1000 Kilometer langen Bibbulmun Track durch den Südwesten des Landes zurück – inklusive zahlreicher Tücken. Vor allem der Regen setzte Heckmann zwischenzeitlich zu. „Teilweise wusste ich nicht, ob ich dem Weg oder einem Fluss folge“, erinnert sich die 30-Jährige. Um ihre Wanderschuhe vor dem Schlammtod zu retten, legte sie einmal 20 Kilometer am Stück in Clogs zurück und opferte dem Matsch ihre „heiligen Schlafsocken“.

Weil auf dem Track Begegnungen mit giftigen Schlangen häufiger sind als mit anderen Wanderern, sorgte sie mit Biss-sicheren Gamaschen eines australischen Herstellers vor. „An einem Tag habe ich sogar acht Schlangen gesehen, aber angelegt habe ich mich mit keiner“, erzählt sie schmunzelnd. Die Höhepunkte des Abenteuers? „Das erste freilaufende Känguru, mein erstes selbst gemachtes Lagerfeuer, und ganz besonders: als ich nach sechs Wochen Eukalyptuswald zum ersten Mal das Südpolarmeer gesehen habe.“ Die Augen der Weltenwanderin glänzen.

Ihre nächsten großen Reisen ziehen „Fräulein Draußen“ dieses Jahr nach Südafrika und ins südamerikanische Patagonien. Zelt, Gamaschen, Gaskocher und alles, was man sonst noch für Wanderabenteuer in der Wildnis braucht, wird sie dann wieder auf dem Rücken tragen. Kein Vergleich mehr zur Studentin, die in Baumwoll-Leggings durch die Alpen tapste und beschloss, das ab jetzt öfter zu machen.

„Fräulein Draußen“ im Internet: www.fraeulein-draussen.de

Johannes Markmann

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