Vor Gericht

Riesenärger um Schäferhund

Poing - Eine Poingerin, die mehrere Monate auf einen Schäferhund aufgepasst hat. Eine Puchheimerin, der der Hund gehört und die ihn mehrmals unsanft behandelt hat. Das sind die Zutaten eines Prozesses am Amtsgericht.

Im Auto, das vor dem Gebäude des Ebersberger Amtsgerichts geparkt war, saß ein Schäferhund. „Hat der überhaupt Wasser?“, fragte die besorgte Marion L. (alle Namen geändert) aus Poing in einer Prozesspause die Richterin Vera Hörauf. Oft habe sie nämlich erlebt, dass der Hund „fast am Verdursten“ gewesen sei, als dessen Besitzerin, Ina K. ihn mal wieder bei ihr abgegeben habe. Genau wegen dieses Hundes trafen sich Marion L. und Ina K. jetzt im Amtsgericht zu einer Verhandlung. K., eine 49-jährige Busfahrerin aus Puchheim (Kreis Fürstenfeldbruck), war angeklagt wegen Vergehen gegen das Tierschutzgesetz und wegen Übler Nachrede.

Alles begann mit einer Kleinanzeige, welche die Puchheimerin auf der Internetplattform Ebay eingestellt hatte. Sie suchte nach jemanden, der auf ihren Hund aufpasst, weil sie nach einer Trennung derzeit auf der Suche nach einem festen Wohnsitz sei. Die Poingerin L. berichtete vor Gericht, dass Ina K. den Hund ziemlich schnell vorbei gebracht habe, „ohne sich zu erkundigen, ob ich Erfahrung mit Hunden habe“. Unter den Dingen, die K. für den Hund mitgebracht hatte, befand sich neben einer Decke und ein paar Spielzeugen auch ein Stachelhalsband. Die Poingerin kaufte aus eigener Tasche ein neues, weil: „So etwas benutze ich nicht.“

Mehrere Monate war der Schäferhund bei Marion L. in Poing. Sie gab an, dass die Besitzerin den Hund nicht gerade pfleglich behandelt habe. Dies bestätigten in zwei Fällen Zeugen vor Gericht.

Ein Paar, das mit seinem Hund in Poing unterwegs war, traf die Puchheimerin mit ihrer Tochter und dem Schäferhund auf der Straße. „Die Hunde haben nicht gebellt, nur geschaut“, schilderte die Zeugin. Trotzdem habe die 49-Jährige stark an dem Hund gezogen, ihn laut geschimpft und sie habe ihn sogar mit der Leine geschlagen.

Eine weitere Zeugin hatte die Angeklagte beim Gassigehen getroffen und sie auf das Stachelhalsband angesprochen. „Es war auf Zug und hat bei jeder Bewegung gegen den Kehlkopf des Hundes gestochen“, berichtete sie in der Verhandlung am Amtsgericht Ebersberg.

Im Juli 2015 klingelte die Angeklagte am Haus einer Nachbarin von Marion L. . Ina K. hatte ihre Tochter dabei und erklärte, dass deren Katze wegen nicht ordnungsgemäßer Haltung weggenommen worden sei. Weil Marion L. den Tierschutz verständigt habe. Dies habe sich allerdings als unwahr herausgestellt, da die Katze eine Stunde später wieder auftauchte – „ziemlich durstig“, wie die Zeugin vor Gericht sagte.

Die Angeklagte leugnete zunächst, überhaupt bei der Nachbarin von Marion L. geläutet, geschweige denn mit ihr gesprochen zu haben. Später gab die 49-jährige Puchheimerin doch zu, bei ihr gewesen zu sein. Aber: „Das war alles meine Tochter“, behauptete sie vor Gericht. Ihre Tochter habe damals das Reden übernommen, was sie auch heute immer noch tue.

Da wurde es Richterin Vera Hörauf zu bunt: „Ist Ihnen klar, dass Sie gerade vor Gericht ihre Tochter einer Straftat bezichtigt haben?“, fragte sie die Angeklagte und deutete zur Staatsanwältin. „Die Staatsanwaltschaft schreibt alles mit und wird einen Strafantrag gegen Ihre Tochter stellen“.

Die 49-Jährige behauptete jedoch weiter, es sei ihre Tochter gewesen. „Dann eben gemeinschaftlich“, entgegnete Hörauf und verurteilte die Puchheimerin wegen Übler Nachrede und zwei Vergehen gegen das Tierschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 4550 Euro. Das wird vermutlich nicht ihre einzige Strafe bleiben. Laut der Poingerin Marion L. wird es noch zwei weitere Prozesse geben. Bei einem Zivilgericht wolle sie das Geld erwirken, das die 49-Jährige ihr für das Beaufsichtigen des Hundes schuldet.

Außerdem werde in München ein Fall der Körperverletzung verhandelt. Gegenstand der Verhandlung: Marion L. und ihre Tochter seien von mehreren maskierten Männern brutal überfallen worden; dabei sei ihnen Ina Ks. Schäferhund gewaltsam weggenommen worden. Der Termin für diese Verhandlung stehe allerdings noch nicht fest, so L.

Julia Tremmel

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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