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Der FWG-Bürgerpreis ging am Sonntag an den katholischen Pfarrer Michael Holzner, Schriftführer Günter Scherzl (li.) führte durch die Feierstunde und Karin Kölln-Höllrigl hielt die Laudatio.

Bürgerpreis Poing

Seelsorger im wahrsten Sinne

Poing – Bereits im Frühjahr musste Pfarrer Michael Holzner seine katholische Gemeinde Poing verlassen. Er wurde kurzfristig nach München versetzt (wir berichteten mehrfach). Gestern ist er wieder für ein paar Stunden „heimgekehrt“, denn die Freien Wähler verliehen ihm den „Bürgerpreis 2016“.

Als Grund für diese besondere Ehrung nannte Karin Kölln-Höllrigl unter anderem seinen Einsatz für die Ökumene, aber auch seine Leistungen als Seelsorger insgesamt.

Die Feierstunde in der „Poinger Einkehr“ begann mit einem Stehempfang, der vom Ensemble „Funkenflug“ musikalisch umrahmt wurde. Hier waren bisherige Preisträger und Persönlichkeiten der regionalen Politik reihenweise vertreten. Es gab eine Menge Gelegenheit für Gespräche, ehe Günter Scherzl in den Nebenraum bat. Stellvertretend für den FWG-Vorsitzenden Valentin Mágori übernahm der Schriftführer die Begrüßung der Gäste. Wie Scherzl erinnerte, wurde der Bürgerpreis erstmals 1994 gestiftet, es geht dabei um einen Scheck im Wert von 250 Euro.

Pfarrer Michael Holzner ist der 23. Preisträger in der langen Reihe von Persönlichkeiten aus allen Schichten der Gesellschaft. Leider sind bereits fünf Preisträger verstorben. Karin Kölln-Höllrigl tauchte sehr tief in die Lebensgeschichte von Holzner ein. Verriet, dass er zwei Brüder hat, dass er eigentlich nie Pfarrer, sondern Biologe werden wollte, und in Religion beinahe einmal die Note 5 bekommen hätte. „Ich habe damals anhand der Bibel bewiesen, dass der Zölibat Unsinn ist“, verriet Holzner später, „das hat mir viel Sympathie gekostet!“

Er habe auch später öfter „gegen den Strom gebürstet“, meinte der Geistliche über sich selber, was ihm manchmal nicht unbedingt von Nutzen gewesen sei. Leider war das Wunsch-Studium Biologie mit Zoologie in Verbindung mit Theologie nicht möglich, es blieb also die Theologie übrig.

Die Priesterweihe war 1987, Michael Holzner war dann Kaplan in Mühldorf, Mettenheim und München, Jugendpfarrer in Freimann und Bogenhausen, ehe er sich für eine eigenständige Pfarrei bewarb und nach Poing kam, wo er bis zu seiner Ablösung heuer im Frühjahr 18 Jahre wirkte.

„Wir haben Pfarrer Holzner als zutiefst menschliche Persönlichkeit erlebt, aufgeschlossen für die Ökumene und mit enorm großer Empathie bei unterschiedlichsten Gelegenheiten“, erklärte Kölln-Höllrigl und nannte als Beispiel seine jährlichen Worte bei der Gedenkfeier am Mahnmal für die Opfer und Überlebenden zum Poinger „Todeszug“. Man habe ihn, Holzner, als Seelsorger „im wahrsten Sinne des Wortes“ erleben dürfen.

Er habe den Geehrten als Menschen erleben dürfen, der seine persönliche Meinung sagt und auch vertritt, betonte Bürgermeister Albert Hingerl. Michael Holzner sei in der Zeit seines Wirkens in Poing ein wichtiges Bindeglied zur Gemeinde gewesen, er habe sich bei den legendären Opernbällen auch einen Namen als Schauspieler gemacht.

Zum Abschluss der gestzrigen Feierstunde las Jörg Höllrigl traditionell passende Geschichten und Gedichte, diesmal von Rainer Maria Rilke, Friedrich Nitsche, Samuel Rodigast und Joseph von Eichendorff. 

dul

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