Abrechnungs-Wirrwar erschwert Beweisfindung

Geld von Poinger Autohaus veruntreut: Chaos-Buchhalterin ist schuldig

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Poing – Die Ex-Buchhalterin eines Poinger Autohauses ist am Amtsgericht Ebersberg wegen Untreue verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau mindestens zweimal Geld für sich behalten hat.

Richtigen Durchblick hatte am Ende dieses Prozesses niemand mehr. Zu groß war das Buchhaltungs-Wirrwarr eines Poinger Autohauses, dessen ehemalige Mitarbeiterin wegen Untreue vor dem Amtsgericht Ebersberg stand. Richterin Vera Hörauf reichte die Sachlage aber für einen Schuldspruch: Sie sah es als erwiesen an, dass die 55-Jährige in mindestens zwei Fällen Geld, das Kunden an den Betrieb bezahlt hatten, für sich behalten hatte. Dabei ging es einmal um 3000 Euro aus einem Gebrauchtwagen-Verkauf, beim zweiten Fall fehlten im Bargeldbestand mehrere Hundert Euro für eine Autoreparatur.

Verteidiger: „Nicht jeder Buchungsfehler ist strafbar“

„Nicht jeder Buchungsfehler ist strafbar“, hatte der Verteidiger der Angeklagten zuvor auf Freispruch für seine Mandantin plädiert. Auch wenn sich die Unklarheiten auf mehrere Tausend Euro summierten. Das habe vor allem am Geschäftsgebaren ihres Chefs gelegen, beteuerte die 55-Jährige. Dieser habe mehrmals Geld entgegengenommen und sie die Quittung unterzeichnen lassen, ohne dass sie den Betrag überhaupt in der Hand gehabt hätte.

Außerdem habe der Chef sich öfter privat Geld aus der Kasse geliehen und sogar zweimal Steuern hinterzogen, indem er Auto-Verkaufserlöse niedriger angab als sie tatsächlich gewesen seien. Da die Frau erst am zweiten Verhandlungstag mit ihren Vorwürfen aufwartete, konnte ihr ehemaliger Arbeitgeber dazu nicht mehr befragt werden. „Es war ein Grauen“, hatte der am ersten Prozesstag Chaos in der Buchhaltung seines Betriebs eingeräumt.

„Ich kontrolliere doch meinen Chef nicht“

„Ich kontrolliere doch meinen Chef nicht“, entrüstete sich die Frau auf Nachfrage, weshalb sie diesen nicht auf seine angeblichen Versäumnisse aufmerksam gemacht habe. Und sie blieb dabei: „Ich habe mir das Geld nicht in die Tasche gesteckt.“

Der genaue Weg des fehlenden Geldes war nicht mehr nachzuvollziehen. Auch die Aussage des Steuerberaters der Firma brachte dafür keine Klärung. Deutlich wurde nur, dass einiges fehlte. Die Beteuerungen der Angeklagten, sie habe sich nicht bereichert, gaben für die Richterin dabei „kein rundes Bild“ ab. Hörauf verurteilte die Frau zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen. Die Höhe legte sie auf milde zehn Euro fest – die Frau lebt derzeit von Arbeitslosengeld und muss auch Schulden abbezahlen.

Die Buchhalterin und ihr Chef fechten vor dem Arbeitsgericht zwei weitere Verfahren aus. Ob die Frau gegen das Urteil vom Donnerstag Berufung einlegt, steht noch nicht fest.

Rubriklistenbild: © dpa

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