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Die Fundstücke: Tonscherben und Knochen. Die Archäologen sind begeistert.

Grabungsteam findet 4000 Jahre alte Zeugnisse vom Leben an der heutigen Bergfeldstraße

Ja, so warn’s, die alten Poinger

Schon vor mehr als 4000 Jahren haben „Poinger“ in dieser Gegend gesiedelt, damit kann die Region eine weit zurückreichende Historie nachweisen.

Poing – Neu ist, dass ein Team von Archäologen vor Kurzem eine aus acht Gräbern bestehende Nekropole entdeckt haben, eine uralte Bestattungsstelle. Jetzt war eines dieser so genannten Hockgräber auf den Flächen der ARGE Poing „Am Bergfeld“ zu besichtigen.

Die Dame, die, mit angezogenen Knien hockend, in der Glockenbecherzeit bestattet wurde, fand ihre letzte Ruhe zusammen mit einigen Grabbeigaben. Außerdem wurden Knochenreste und Scherben in der Nähe des Grabes gefunden, weitere sieben Gräber gelten als wahrscheinlich. „Wir haben dieses Grab gerade einmal einen Meter tief unter der Grasnarbe gefunden“, berichtet Ulrich Schlitzer, Archäologe aus dem Planateam München. „Die Toten wurden hier in Nordsüd-Richtung begraben, ihr Zustand ist sehr gut erhalten“.

Schon seit Januar graben Archäologen auf den Flächen der ARGE Poing „Am Bergfeld“. Und nach Auskunft Schlitzers wird sein fünfköpfiges Team auch noch über den ganzen Sommer hinweg weitere wertvolle Entdeckungen aus dem späteren Bauland-Boden entnehmen und dokumentieren.

Bisher schon wurden auf dem gut 16 Hektar großen Areal rund 1300 archäologische Befunde entdeckt und vermessen. Die Daten werden in dann eine Planzeichnung überführt und dienen Historikern als wichtiges Quellmaterial. Aus den neuen Funden in Poing lassen sich, so Ulrich Schlitzer, „mindestens 50 Hausgrundrisse rekonstruieren. Darunter sind kleinere Bauten mit vier, sechs oder acht Pfosten genauso wie großformatige, mehrschiffige Lang- und Wohnhäuser“.

Zudem fand das Grabungsteam mindestens sechs Brunnen. Das entdeckte Baumaterial stammt eindeutig aus vorgeschichtlicher Zeit, Experten datieren es in die so genannte endoneolithische bis hallstattzeitliche Epoche. Auch Martin Pietsch, Gebietsreferent des Bereichs Ebersberg im Landesamt für Denkmalpflege, bestätigte sehr erfolgreiche Grabungen in Poing. „Schon 1980 haben wir auf einem Luftbild hier Verfärbungen des Bodens entdeckt und danach Bodendenkmäler entdecken können“. Von der späten Steinzeit an sei auf dem späteren Baugebiet noch viel zu entdecken. „Die Gegend um Poing ist, was historische Funde angeht, beispiellos in ganz Südbayern“. Helmut Sloim, Sprecher der ARGE, bedankte sich bei den Archäologen für die aufwändige Arbeit.

Diesen Dank gab Ulrich Schlitzer gerne zurück: „Wir haben hier optimale Bedingungen für unsere Suche gefunden, spüren eine hohe Sensibilität beim Umgang mit historisch wertvollem Boden“.

Damit auch Hobby-Archäologen einen Einblick in die Poinger Urzeit erhalten, plant die Gemeinde eine spätere Begehung des Areals mit kompetenter Führung.

Friedbert Holz

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