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Intensiv überwacht: Rund um die Geothermieanlage Poing sind fünf Messstellen eingerichtet. 

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Gutachter: Erdbeben nicht Ursache für Schäden 

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Laut einem Gutachten sind die Erdbeben von 2016 und 2017 nicht schuld an Gebäudeschäden. Auch die Geothermieanlage stelle keine Gefahr dar.

Pliening/Poing – Die drei Erdbeben im Bereich Poing und Pliening im Dezember 2016 (zwei Mal) und September 2017 waren nicht die Ursache für mögliche Gebäudeschäden. Das sei das Ergebnis eines unabhängigen Gutachtens, informiert die Bayernwerk Natur GmbH. In einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt es: „Zusammenfassend kommt der Sachverständige zu dem Schluss, dass die Mikrobeben als Auslöser für die gemeldeten Rissbildungen zu schwach waren und die reklamierten Gebäudeschäden nicht auf Bodenbewegungen und Schwingungen im Zusammenhang mit den Mikrobeben zurückzuführen sind.“ Vielmehr seien nach Einschätzung des Gutachters über Jahre aufgebaute Bauteilspannungen der Auslöser der sich nun manifestierenden Rissbildungen.

Laut Bayernwerk haben sich nach den Erdbeben rund 50 Bürgerinnen und Bürger bei den Gemeindeverwaltungen Poing und Pliening gemeldet. Hierzu heißt es in der Pressemitteilung: „Die Bayernwerk Natur GmbH hat alle Einwendungen beantwortet und sich mit Erstinformationen für die Aufklärung eingesetzt. In zehn Fällen wurde auf Wunsch der Betroffenen von der Versicherung ein unabhängiger Gutachter beauftragt. Die individuellen Gutachten wurden zeitnah erstellt.“

Die Bayernwerk Natur GmbH hat im Nachgang der drei Erdbeben das Messstellennetz rund um die von ihr betriebene Geothermieanlage in Poing und Pliening eigenen Angaben zufolge intensiv erweitert. „Insgesamt überwachen nun vier stationäre und eine mobile Messeinrichtung die Umgebung der örtlichen Geothermieanlage“, informiert das Unternehmen. Weiter heißt es: „Wissenschaftliche Studien haben zusätzlich die geologischen Gegebenheiten erkundet und im Ergebnis eine Gefährdung der Bevölkerung durch den Betrieb der Geothermieanlage ausgeschlossen.“

„Die Geothermieanlage Poing ist mit fünf Messstellen eines der am besten überwachten Geothermie-Projekte in Bayern“, erklärt Werner Dehmel, Geschäftsführer der Bayernwerk Natur GmH. Mithilfe der sensiblen Messeinrichtungen an unterschiedlichen Orten würden umfangreiche Daten erhoben, die sämtliche Bewegungen im Untergrund eindeutig nachvollziehbar machen. „Die jetzigen Messungen sind so sensibel, dass sogar vorbeiziehende Gewitterfronten oder auch Ausläufer des Bebens im Vogtland vor wenigen Monaten deutlich in unseren grafischen Aufzeichnungen erkennbar sind“, erläutert Dehmel.

Die Messdaten geben Auskunft über den Zeitpunkt, die Intensität und den Ort sämtlicher seismischer Vorgänge. Die Messergebnisse würden vom Anlagenbetreiber in Echtzeit erhoben. „Die vollständigen Werte werden tagesaktuell dem Erdbebendienst Bayern der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) übermittelt“, teilt Bayernwerk Natur mit.

Neben den technischen Einrichtungen zur Beobachtungen der Mikroseismik hat das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) auf Initiative der zuständigen Genehmigungsbehörde im vergangenen Jahr ein Gutachten erstellt. Anschließend wurde die zwischenzeitlich auf Wunsch der Gemeinde Poing stillgelegte Geothermieanlage unter Zustimmung der Fach- und Genehmigungsbehörden wieder in Betrieb genommen wurde (wir berichteten).

Nach erfolgreichen Probemessungen im März 2018 hat das LIAG angekündigt, im kommenden Jahr in einem vom Bund geförderten Forschungsprogramm insbesondere die oberen Erdschichten bis zu einer Tiefe von etwa 200 Metern noch detaillierter untersuchen zu wollen.

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