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Kaputte Leitungen liegen vor der Halle der Seerosenschule. Hier sind vor allem die Sanitärbereiche schwer beschädigt.

Nach dem Auszug der Asylbewerber

Hallen zwar leer, aber die Poinger Vereine sind stocksauer auf das Landratsamt

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Poing - Ein Jahr haben die Sportvereine in Poing alles getan, um den Landkreis Ebersberg bei der Unterbringung und Integration von Asylbewerbern zu unterstützen. Jetzt aber ist die Geduld zu Ende.

Die Sportgemeinschaft (SG) Poing und der TSV Poinge hatten Notlösungen gesucht und gefunden, um den Sport- und Trainingsbetrieb aufrecht erhalten zu können, nachdem die Dreifachhalle der Dominik-Brunner-Realschule und die Turnhalle der Seerosenschule als Notunterkünfte genutzt wurden und nicht mehr zur Verfügung standen. Jetzt sind die Vereine verärgert über das Landratsamt. Weil die Landkreis-Hallen zwar seit August leergeräumt sind, trotzdem auf unabsehbare Zeit gesperrt bleiben. Grund: Die angekündigten Sanierungsarbeiten haben entweder noch gar nicht begonnen (Realschule) oder sind noch nicht abgeschlossen (Seerosenschule). Norbert Kilders, sportlicher Leiter der SG Poing, wundert sich: „Man sieht weder irgendwelche Aktivitäten, noch irgendeinen mit der Renovierung beauftragten Handwerker. Warum dauert das so lange?“

Auch TSV-Vorsitzender Robert Rieger klagt über den monatelangen Stillstand. „Wir haben jetzt die Crossminton-Abteilung ausgelagert in eine andere Halle, wofür wir 1500 Euro Miete zahlen müssen – aus Mitgliedsbeiträgen.“ Es könne doch nicht sein, so Rieger weiter, „dass Vereine die Kosten der Flüchtlingskrise übernehmen müssen“. Er sowie Kilders üben harsche Kritik an der Informationspolitik des Landratsamtes. Auf Nachfragen würden sie keine konkreten Antworten erhalten.

Evelyn Schwaiger, Sprecherin des Landratsamtes, teilte auf Nachfrage unserer Zeitung am Mittwoch schriftlich mit: „Die Sporthalle Seerosenschule wird nach Abschluss der Sanierungsarbeiten demnächst wieder genutzt werden können. Bei der Realschulturnhalle hat eine erste gutachterliche Stellungnahme ergeben, dass umfangreiche Sanierungsarbeiten und vorgeschaltet eine weitere Begutachtung notwendig werden. Die Halle wird noch für längere Zeit nicht für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen können.“

Kilders ist der Geduldsfaden gerissen: „Dieser Stillstand ist nicht mehr hinzunehmen! Wir verlieren viele Mitglieder, die mit dem Stundenausfall nicht mehr einverstanden sind. Auch Übungsleiter stellen bereits ihr ehrenamtliches Engagement bei uns im Verein ein.“ Zusätzlich, so der sportliche Leiter der SG Poing weiter, „sind wir ständig damit beschäftigt, erzürnten Mitgliedern zu erklären, warum uns die Hände gebunden sind. Das macht keinen Spaß mehr und geht an die Substanz der Übungsleiter und des Vorstands!“

Als im Dezember 2015 die Realschulhalle kurzfristig, innerhalb von einer Woche, für Asylbewerber freigemacht werden musste (die Halle der Seerosenschule war schon seit Sommer 2014 belegt), haben die Vereine gemeinsam versucht, den Trainingsbetrieb so gut es geht aufrecht zu erhalten. Obwohl die Dreifachhalle des Sportzentrums sowieso schon seit Jahren voll belegt ist mit Schul- und Vereinsport. „Wir sind massive Kompromisse eingegangen, viele Stunden mussten ausfallen, verschoben oder verkürzt werden“, berichtet Kilders. Teilweise seien Gruppen in Kindergärten, ins Schützenheim oder woanders hin ausgewichen. Und: Sowohl die SG als auch der TSV haben Asylbewerber kostenlos mittrainieren lassen.

Norbert Kilders und Robert Rieger verstehen nicht, warum jetzt nicht auch das Landratsamt schnell reagiert und alles dafür tut, dass die Turnhallen frei werden.

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