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Vorbild Domagkpark. Das Bild stammt von der Grundsteinlegung der „Schwabinger Logen“. 

Infofahrt

Ideen sammeln fürs Neubaugebiet

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Um sich Ideen und Inspiration für das Neubaugebiet W7 zu holen, hat Poings Gemeinderat drei Siedlungen in München besichtigt. Im Fokus: Wie schafft man durch bauliche Vorgaben ein Quartier, das den Ansprüchen der Zukunft gerecht wird?

Poing – Die „Maikäfer-Siedlung“ in Ramersdorf sowie die ökologische Mustersiedlung „Prinz-Eugen-Park“ und die ehemalige Künstlerkolonie „Domagkpark“ waren die Ziele der Besichtigungstour, die die Mitglieder des Gemeinderates zusammen mit Bürgermeister Albert Hingerl und Vertretern der Arbeitsgemeinschaft der Bauträger und Investoren (ARGE) am Bergfeld jetzt unternommen haben. An allen drei Orten wurden sie von Planern, Architekten und Experten über die jeweilige Siedlung informiert. Eine zentrale Frage war: Wie schafft man durch bauliche Vorgaben ein Quartier, das den Ansprüchen der Zukunft gerecht wird und neue Chancen für die gesamte Gemeinde bietet? Für das W7, das in den nächsten Jahren nördlich der Bergfeldstraße (gegenüber des Zauberwinkels) entsteht, hat der Gemeinderat drei Punkte in den Fokus gestellt: Mobilität (insbesondere die E-Mobilität), Gemeinschaft und bezahlbarer Wohnraum. Im W7 entsteht, ebenso wie im später folgenden W8, Wohnraum für rund 2000 Menschen.

Welche baulichen Aspekte bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in die Planungen miteinbezogen werden sollten, führte Ole Beisswenger, der technische Bauleiter der GWG München, in der Maikäfersiedlung aus. Sie entstand in den 1930er-Jahren mit der Idee, günstigen Mietraum zur Verfügung zu stellen. Allerdings plante man für eine Vier-Zimmer-Wohnung gerade mal mit 48 Quadratmetern. 1950 war dieser Wert durchaus Standard. Der heutige Bedarf für eine Vier-Zimmer-Wohnung liege aber bereits bei 99 Quadratmetern, heißt es in einer Pressemitteilung der ARGE zur Besichtiguungsfahrt.

Die Antwort auf die sich verändernden Raumbedürfnisse im Wohnungsbau seien bei der Verdichtung und Sanierung der Maikäfersiedlung flexible Grundrisse und ein Mix an unterschiedlichen Wohnungsgrößen, die für zukünftige Ansprüche leichter umgeplant werden können, erläuterte Beisswenger. Eine Erfahrung bei der Neugestaltung der Maikäfersiedlung sei auch die Ausbildung einer starken Identität der Bewohner mit ihrem Quartier gewesen. Grüne Gemeinschafts- und Begegnungsflächen sowie die für die Maikäfersiedlung typischen „Mietergärten“ waren dafür ausschlaggebend.

Welche Siedlungsstruktur bei der Neuentwicklung solche Identitätsbildungen und Gemeinschaft unterstützt, zeigte Architekt Tobias De la Ossa im Prinz-Eugen-Park. Die Kombination aus Geschosswohnungsbau und Einfamilien- und Reihenhäusern mit individuellen Wohnhöfen und kleinen Plätzen ermögliche ein abwechslungsreiches Ortsbild, das der oftmaligen Gleichförmigkeit von Wohngebieten entgegenwirke.

Herausragend im Prinz-Eugen-Park sei die ökologische Umsetzung der Gebäude, heißt es im Bericht der ARGE. Dort wurden von den ARGE-Mitgliedern GEWOFAG und GWG beispielsweise Gebäude in kombinierter Holzbauweise errichtet, mit Nistplätzen für Mauersegler innerhalb der Fassaden. Diese Maßnahmen seien allerdings auf die ökologischen Erfordernisse des jeweiligen städtischen Naturraums zugeschnitten und könnten an anderen Standorten in anderer Form realisiert werden.

An der letzten Station, im Domagkpark, ließen sich die Poinger Gemeinderatsmitglieder und die ARGE-Vertreter über bereits realisierte Mobilitätsmaßnahmen und zukünftige Wohnbedürfnisse informieren. Die Ansprüche an ein Mobilitätskonzept, die der Mobilitätsexperte Christian Bitter während der Fahrt formuliert hatte, erfordern in der Umsetzung bauliche Voraussetzungen. So wurde im Domagkpark neben großzügigen Parkstationen für Fahrräder auch eine Radlwerkstatt organisiert, die sich um die Reparatur und den Verleih der Fahrräder kümmert. Gleichzeitig wurden ein Bewohner-Café und eine Paketstation ins Leben gerufen. Beide Einrichtungen fungieren als Treff- und Informationspunkt.

Ob und welche der Maßnahmen in den besichtigten Wohnquartieren in Poing sinnvoll sind und welche Ideen realisiert werden können, bleibt abzuwarten. Wie die ARGE Poing in der Pressemitteilung zur Infofahrt schreibt, „fließt die intensive Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten innovativer Quartiersplanung in einem von der Gemeinde organisierten, dauerhaften Prozess in die weitere Planung der Poinger Ortsentwicklung mit ein“. Schlusssatz des Berichts: „Wichtig ist allen Gemeinderäten ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Quartier zu entwickeln, dessen Angebote und Chancen allen Poingern zu Gute kommen.“

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