1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg
  4. Poing

Interessensgemeinschaft in Poing für faire und soziale Fernwärmepreise

Erstellt:

Von: Armin Rösl

Kommentare

Fernwärmeleitung (Symbolbild)
Fernwärmeleitung (Symbolbild). © J. Dziemballa

2006 haben sich engagierte Poinger Bürger in Sachen Fernwärme und Preise zu einer Interessensgemeinschaft zusammengetan. Jetzt wurde sie, aus aktuellem Anlass, wiederbelebt.

Poing – Hans Stein setzt sich mit der Fernwärme in Poing seit 1995 auseinander, seit er hier lebt und Fernwärmekunde ist. Der heute 77-Jährige hat an einigen Gesprächen mit der Gemeindeverwaltung und dem Fernwärmeversorger Bayernwerk teilgenommen, als einer von mehreren Bürgervertretern. Die hatten sich schon 2006 zu einer Interessensgemeinschaft zusammengeschlossen, um dem Bayernwerk zu zeigen, dass es Bürger gibt, die die Preisentwicklung und -modelle sachlich und kritisch verfolgen. Steins Forderung seit jeher: „eine faire und soziale Preisgestaltung“. So dass sich in Poing tatsächlich jeder die Fernwärme leisten kann. Zumal es in Poing keine Alternative gebe.

Poing: Initiator bei mehreren Gesprächsrunden dabei

Jetzt hat Hans Stein die Aktivitäten wiederbelebt, aus gegebenem Anlass: Aufgrund der Energiekrise und allgemeinen Kostensteigerung ist auch der Fernwärmepreis in den vergangenen Monaten in die Höhe geschnellt. Bayernwerk-Vertriebsleiter Robert Budde erläuterte die Entwicklung vor Kurzem in der Sitzung des Bauausschusses des Gemeinderates Poing (wir berichteten). Kurz zusammengefasst: Der Brutto-Arbeitspreis für die Megawattstunde Fernwärme hat sich in der Zeit von 1. Juli 2021 (75,32 Euro) bis 1. Juli 2022 (148,13 Euro) verdoppelt. Hauptsächlich, weil Strom- und Erdgasindex erheblich gestiegen seien, so Budde. Die Fernwärme, die in Poing zum größten Teil aus der Geothermie gewonnen wird, setzt sich zusammen aus 80 Prozent Geothermie, 19 Prozent Wärmeerzeugung durch Gaskessel und 1 Prozent durch Blockheizkraftwerk im Heizwerk an der Gruber Straße.

Poing: Bayernwerk präsentiert Fernwärme der Zukunft

Künftig soll laut Bayernwerk-Vertriebsleiter der Geothermie-Anteil bei höchstmöglichen 81 Prozent liegen, bei weiter steigenden Wärmeverbräuchen durch zusätzliche Kunden. Die 20 Prozent, die bislang durch Erdgas zugeheizt werden, sollen zum Großteil durch eine Großwärmepumpe ersetzt werden (12 Prozent).

Infolge dieser und weiterer Maßnahmen könne der Arbeitspreis zum 1. Januar 2023 voraussichtlich auf 109,35 Euro (brutto) gesenkt werden, zeigte Robert Budde in seiner Präsentation in der Ausschusssitzung. Dieser Preis solle stabil bleiben, zumal geplant sei, die regelmäßige Preisanpassung nicht, wie bisher, alle drei Monate vorzunehmen, sondern lediglich einmal – zu Jahresbeginn.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.)

Im Vorfeld der Bauausschusssitzung habe es bereits einen Runden Tisch mit Vertretern der Gemeindeverwaltung (inklusive Bürgermeister Thomas Stark), Bayernwerk-Vertriebsleiter Robert Budde und engagierten Bürgern gegeben, berichtet Hans Stein. Die Gespräche seien konstruktiv gewesen, man habe einige Dinge hinterfragt und Vorschläge gemacht. Beispielsweise, ob Wohngebiete wie W3 und W4 in Poing-Nord sowie die Fischersiedlung in Poing-Süd nicht auch an das Fernwärmenetz angeschlossen werden können. Darauf antwortete Budde in der Ausschusssitzung, dass die Bayernwerk Natur GmbH dies erst prüfen und durchrechnen müsse, ob der Anschluss wirtschaftlich rentabel sei (auch für die Kunden).

Poing: Weitere Anschlussmöglichkeiten werden überprüft

Ein weiterer Punkt, der am Runden Tisch von ihm angesprochen worden sei, sei der Grundpreis gewesen, sagt Hans Stein. Dieser sei seiner Ansicht nach mit knapp 725 Euro zu hoch, im Vergleich zu beispielsweise Aschheim (ca. 565 Euro) und Unterföhring (557 Euro).

In einem Ordner hat der 77-jährige Poinger alle Daten, Zahlen und Gesprächsnotizen gesammelt. Mit Blick auf die Geothermie-Anlage, die das Bayernwerk in Poing in Eigenverantwortung betreibt (in anderen Gemeinden ist die jeweilige Kommune beteiligt), sagt Hans Stein: „Das Bayernwerk ist ein Unternehmen, das Gewinne machen darf. Aber es darf den sozialen Aspekt nicht aus den Augen verlieren.“ Deshalb hoffe er, dass die Bayernwerk Natur GmbH bei der nächsten Preisanpassung zum 1. Oktober nicht eine weitere Erhöhung veröffentlichen und den Kunden aufbürden wird, sondern dass der Preis nun stabil bleibt bis zum 31. Dezember. Und danach der von Robert Budde angekündigte Arbeitspreis von rund 109 Euro Wirklichkeit wird. „Das wäre ein Teilerfolg“, sagt Hans Stein.

Wer mehr über die Interessensgemeinschaft von Hans Stein erfahren oder mit dabei sein möchte, schreibt eine E-Mail an Stein:
fairepreise@t-online.de

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Ebersberg finden Sie auf Merkur.de/Ebersberg.

Auch interessant

Kommentare