Erna Roth hat Fotos, als sie als Kind bei einer Hochzeit eines amerikanischen Soldaten mit einer deutschen Frau das Blumenmädchen war. Damals war sie etwa vier, fünf Jahre alt.  
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Erna Roth hat Fotos, als sie als Kind bei einer Hochzeit eines amerikanischen Soldaten mit einer deutschen Frau das Blumenmädchen war. Damals war sie etwa vier, fünf Jahre alt.  

Kriegsende vor 75 Jahren

Jeden Abend  mit den Amerikanern  im Jeep durch Landsham

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Jeden Abend Schokolade und eine Rundfahrt im Jeep: Erna Roth aus Landsham hat ganz besondere Erinnerungen ans Kriegsende 1945.

Landsham – Das Gesicht von Erna Roth wirkt, als blicke sie für einen Moment ins Leere. Sie lächelt und sagt: „Diesen Satz meines Vaters werde ich nie vergessen. Wie er im Diwan saß und zu den beiden Soldaten mit milder Stimme sagte: „Naa, unser Dirndl geben wir nicht her.“ Im Mai 1945 war das, wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Erna Roth war vier Jahre alt, ihre Eltern hatten in Landsham eine Milchsammelstelle, wo Bauern ihre Milch brachten, die dann weiterverkauft wurde. Die Milch wurde lose im Laden ausgeschenkt, erzählt Erna Roth. „Und wenn das Wetter schön war, wurde bei uns im Hof der Tag abgeschlossen. Nachbarn und andere kamen vorbei und man stand zusammen.“

Plötzlich standen zwei Soldaten vor der Tür und nahmen das Mädchen mit

An einem dieser Abende, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, kam ein offener Ami-Jeep mit zwei jungen Männern darin vorbei. Zwei Soldaten, die am Hof hielten. „Sie haben gefragt, ob sie mich mitnehmen dürften“, erzählt die heute 79-jährige Erna Roth. Warum ausgerechnet sie? „Ich weiß es nicht.“

Ja, sie durften. Die vierjährige Erna stieg in den Jeep, „die sind mit mir einfache eine Runde rumgefahren und haben mich wieder zurückgebracht“. Von da an jeden Abend. Erna erhielt amerikanische Schokolade und andere Süßigkeiten. „Die habe ich mit den anderen daheim geteilt, das konnte ich ja nicht alles alleine essen.“

Die Männer kamen immer wieder und brachten Süßigkeiten

Ihr Vater, Balthasar Hart, war in Landsham und Umgebung als der „Milli-Mo“ bekannt. Sie sei die „Milli-Mo Erna“ gewesen, erzählt Erna Roth. Die zwei, drei Wochen lang jeden Abend mit den beiden Amerikanern im offenen Jeep mitfahren durfte. Die Süßigkeiten geschenkt bekam, auch, wenn die beiden Soldaten mal abends zu spät für die Runde dran waren und Erna schon im Bett war. „Dann sind am nächsten Tag Süßigkeiten vor der Tür gelegen.“

Miteinander geredet hätten sie kein Wort, wie auch: Erna konnte kein Englisch, die Amerikaner kein Deutsch. Warum sie auf den Hof gekommen waren, der etwas abseits an einem Feldweg lag, warum sie immer nur Erna mitgenommen haben – sie weiß es nicht, sagt Erna Roth noch einmal.

Sie hat die beiden danach nie mehr gesehen. Dafür noch weitere amerikanische Soldaten. Einer hatte sie bzw. die Familie gebeten, ob Erna bei der Hochzeit mit einer deutschen Frau als Blumenmädchen dabei sein dürfe. Das hat der Vater erlaubt. Davon gibt es noch Fotos. Von den beiden amerikanischen Soldaten nicht.

Das letzte Mal, als sie die beiden gesehen hat, war an jenem Tag, als sie ihrem Vater höflich bedeutet hatten, dass sie Erna gerne mit nach Amerika nehmen würden. An jenem Tag, als der „Milli-Mo“ auf seinem Diwan im Wohnzimmer saß und antwortete: „Naa, unser Dirndl geben wir nicht her.“

Seitdem isst Erna Roth keine Schokolade mehr

Ein Jahr später gab es noch einmal amerikanische Schokolade. Dieses Mal hatte der Papa eine große Tafel mitgebracht, erzählt Erna Roth. Sie erinnert sich daran deshalb so gut, weil sie ganz alleine die komplette Tafel aufgegessen hatte. „Ich bin davon so krank geworden, dass ich seitdem keine Schokolade mehr esse“, sagt sie und lacht.

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