Wohncontainer an einem Spielplatz.
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Der katholische Kindergarten Am Endbachweg ist seit zwei Jahren provisorisch in Containern untergebracht. Momentan ist Sommerpause.

Paukenschlag

Fast gesamtes Personal kündigt gleichzeitig: Schock in katholischem Kindergarten

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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An einem Tag hat fast das gesamte Personal des katholischen Kindergartens Am Endbachweg gekündigt. Über 70 Kinder müssen ab September anderweitig untergebracht werden.

  • Paukenschlag in katholischem Kindergarten Am Endbachweg in Poing
  • Fünf Mitarbeiterinnen kündigen gleichzeitig
  • Über 70 Kinder müssen ab September anders organisiert werden

Die Eltern, deren Kinder den katholischen Kindergarten Am Endbachweg in Poing besuchen, haben am Dienstagabend keine schöne Post erhalten: Im E-Mail-Eingang war eine Nachricht von Pfarrer Philipp Werner, in der er auf zwei DinA4-Seiten mitteilt, dass der Kindergarten spätestens ab 1. Oktober nicht mehr den gesetzlich erforderlichen Personalschlüssel erfüllen wird. Grund: Fünf Mitarbeiterinnen (inklusive der Leiterin, die erst vor einem halben Jahr begonnen hatte) haben zeitgleich gekündigt. „Die Kündigungen sind am 6. August eingegangen, am 7. August war das ganze Ausmaß der Lage klar“, berichtet Ursula Hinterberger, Sprecherin des Erzbischöflichen Ordinariats der Erzdiözese München und Freising. Die Kirche ist Trägerin des Kindergartens. Nach aktuellem Stand seien ab 1. Oktober nur noch vier Kinderpflegerinnen, eine Erzieherin in Teilzeit und eine Küchenkraft beschäftigt, teilt sie mit.

Poing: Kita-Team kündigt wegen Corona-Bedingungen - Gemeindeverwaltung versucht, das Mögliche möglich

Eine gute Nachricht hat Poings 2. Bürgermeister Reinhard Tonollo (SPD), der den aktuell in Urlaub weilenden Bürgermeister Thomas Stark (parteifrei) vertritt: „Wir von der Gemeindeverwaltung haben sofort reagiert und alle anderen Träger in Poing abgefragt, ob sie Kinder aufnehmen können.“ Mit Erfolg: Für alle 61 bisherigen Kinder, die auch ab September in den katholischen Kindergarten Endbachweg gehen (momentan ist Sommerpause), sowie für die 13 Neuanmeldungen seien Plätze gefunden worden. Mehr noch: „Mein Bestreben ist es, aus pädagogischen Gründen die Gruppen beisammen zu lassen“, sagt Tonollo. Auch das scheint zu klappen. Bislang hätten die gemeinnützige Kinderland PLUS GmbH und die AWO zugesagt, die Kinder aufzunehmen. Darüber hinaus, so Tonollo weiter, sei geplant, ab September zumindest eine Notgruppe im katholischen Kindergarten zu halten. „Ich gehe davon aus, dass wir in circa 14 Tagen die genaue Besetzung und Verteilung haben und die Kirche dann die Eltern informiert.“

Mein Bestreben ist es, die Gruppen beisammen zu lassen.

Poings 2. Bürgermeister Reinhard Tonollo

Stichwort Information: „Das ist schon ein Hammer, dass wir Eltern jetzt, mitten in den Ferien, informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, sagt eine Mutter, deren Kind in diesem Kindergarten ist. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, sie sagt, dass sie wenig Verständnis aufbringe für das Personal, das gekündigt hat. „Die Corona-Pandemie ist für alle eine schwierige Situation, da muss man halt durchhalten.“

Eigentlich hätte der Neubau des Kindergartens jetzt im Sommer fertig sein sollen. Bislang aber steht lediglich der Rohbau. Die Eröffnung ist für nach Ostern 2021 vorgesehen.

Warum es zur Kündigungswelle gekommen ist? Ordinariatssprecherin Hinterberger antwortet per E-Mail wie folgt: „Die erschwerten Arbeitsbedingungen durch die Betreuung im beengten Containerprovisorium und der Maßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie haben trotz zahlreicher unterstützender Maßnahmen in Form von Coaching und anderen Gesprächsangeboten durch den Träger zu einem unerwarteten Personalnotstand in der Kindertageseinrichtung Am Endbachweg geführt.“

Corona-Eklat in Kita: Poinger Pfarrer entschuldigt sich bei Eltern

Sowohl Reinhard Tonollo als auch Pfarrer Philipp Werner seien von der Entwicklung und Kündigungswelle überrascht worden, berichten beide. Am Freitag habe er erstmals von der Situation erfahren, so Tonollo, sofort hätten er und Pfarrer Werner sowie Jacqueline Schmidt, Leiterin des Referats Kinder, Jugend und Senioren, alles getan, um schnellstmöglich zumindest eine Übergangslösung zu finden. Dass dies scheinbar geklappt hat, dafür dankt Tonollo ausdrücklich der Referatsleiterin sowie den anderen Kita-Trägern in Poing. Philipp Werner wiederum ist voll des Lobes über die Gemeindeverwaltung, weil sie so schnell gehandelt und das Mögliche möglich gemacht habe.

Es tut mir persönlich aufrichtig leid.

Poings katholischer Pfarrer Philipp Werner

Im Brief an die Eltern, der unserer Zeitung vorliegt, bittet Pfarrer Werner ausdrücklich um Entschuldigung für die Situation und die Kurzfristigkeit. In den vergangenen Wochen habe man versucht, die negative Entwicklung im Kindergartenteam abzuwenden – mit Coaching-Maßnahmen, Teamsupervision sowie Einzel- und Gruppengesprächen. Ohne Erfolg. „Es tut mir persönlich aufrichtig leid“, schreibt Werner an die Eltern.

Poing: Kita-Team kündigt wegen Corona - Ordinariat hofft auf Neuanfang im Neubau

Der Kindergarten ist seit September 2018 in Containern am Polizeispielplatz an der Hohenzollernstraße untergebracht. Das marode Gebäude am Endbachweg wurde abgerissen und wird durch einen Neubau ersetzt. Dieser hätte jetzt, im Sommer 2020, fertiggestellt sein sollen. Aber: Weil es Probleme beim Fassadenbau gegeben hat, verzögert sich die Eröffnung. Laut Ordinariatssprecherin Ursula Hinterberger soll das Gebäude „nach aktuellem Planungsstand nach Ostern 2021 bezugsfertig sein“. Ein neuer Kindergarten ohne Personal aber würde leer stehen. Hinterberger: „Der Kita-Verbund sucht intensiv nach neuem Personal. Gegenwärtig wird die Situation gesichtet, um dann dem Bedarf entsprechend Arbeitsplätze zu schaffen, um in dem neuen Gebäude einen Neuanfang machen zu können. Das Arbeitsumfeld in dem Neubau erhöht die Attraktivität der Stellen.“

Einen Kommentar unseres Redakteurs Armin Rösl lesen Sie hier.

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