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Voll war’s Freitagabend im Saal des katholischen Pfarrheims Rupert Mayer bei der Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten. 

Podiumsdiskussion

Vier Kandidaten, viele Gemeinsamkeiten

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Die Poinger Bürgermeisterkandidaten Thomas Stark (CSU), Reinhard Tonollo (SPD), Günter Scherzl (FWG) und Marc Salih (FDP) bei der ersten und einzigen Podiumsdiskussion. So war‘s:

Poing – Mehr Werbung, mehr (Eigen-)Marketing fürs Gewerbe – insbesondere für jenes, das sich in Alt-Poing, südlich der Bahnlinie befindet: Das ist einer von mehreren gemeinsamen Nennern der vier Poinger Bürgermeisterkandidaten, die bei der Podiumsdiskussion des Gewerbeverbandes am Freitagabend im Pfarrheim Rupert Mayer sicht- und hörbar geworden sind. Thomas Stark (CSU), Reinhard Tonollo (SPD), Günter Scherzl ( FWG) und Marc Salih (FDP) liegen bei vielen Dingen auf einer Ebene, nicht nur in Sachen Gewerbe und Gewerbeansiedlungen. Auch beim Verkehr, sowohl inner- als auch überörtlich. Unter der Moderation von Thomas Perzl, Pressesprecher des Bundes der Selbstständigen in Bayern, agierten die vier Kandidaten sachlich, fair im Umgang miteinander und präsentierten viele ähnliche Sichtweisen und Vorschläge.

Poing: Besseres Marketing

Eben beispielsweise in Sachen Marketing. Thomas Stark nannte als eines der größten Probleme des Gewerbes, dass viele Bürger in Neu-Poing gar nicht wüssten, welche Läden es in Alt-Poing gibt. Dass sei zugleich die größte Herausforderung, das Gewerbe, insbesondere kleine und mittlere, bekannter zu machen. „Die kleinen Läden könnten sich stärker miteinander vernetzen“, schlug Günter Scherzl vor. Das sieht auch Reinhard Tonollo so, der als größtes Problem die Trennung zwischen Alt- und Neu-Poing durch die Bahnlinie sieht. Marc Salih schlug in die gleiche Kerbe und sagte, dass das Marketing besser werden müsse.

FWG fordert Wirtschaftsförderer

FWG-Kandidat Scherzl präsentierte seine Idee: „Die Gemeinde braucht einen hauptamtlichen Wirtschaftsförderer. Einen Koordinator.“ Damit sei auch die Chance auf Neuansiedlungen größer, ebenso wie auf Verringerung von Leerständen. Stark (CSU), Tonollo (SPD) und Salih (FDP) sehen im Gegensatz zu Scherzl aktuell keine Notwendigkeit für eine derartige Stelle. „Ein Wirtschaftsförderer braucht Objekte, die er vermitteln kann. Daran hapert es aber“, sagte Stark. Und Tonollo: „Einen Wirtschaftsförderer haben wir momentan nicht nötig. Erst, wenn wir Flächen und Objekte haben.“

Hoffen auf neue Bahnunterführung

Alle Bürgermeisterkandidaten sehen die baldige Fertigstellung der neuen Fuß-und Radunterführung am S-Bahnhof als Chance, Alt- und Neu-Poing stärker miteinander zu verbinden. Dementsprechend sollten die Bahnhofs- und die Hauptstraße attraktiver gemacht werden, beispielsweise mit Läden bzw. Shops. Tonollo sagte, dass es eigentlich nicht sein könne, dass es in einer familienfreundlichen und kinderreichen Gemeinde wie Poing keinen Schreibwarenladen und kein Spielzeuggeschäft gebe. Stark plädierte dafür, bei der Gestaltung der Bahnhofsstraße ein Konzept zu entwickeln ähnlich jenem, welches für die Hauptstraße gilt: Bei Neubauten müsse zwingend vorgeschrieben werden, dass im Erdgeschoss Gewerbeeinheiten eingerichtet werden.

Was sind die wichtigsten Themen im Landkreis Ebersberg für die anstehenden Kommunalwahlen?

Neue Unternehmen ansiedeln

Um Poing für die Ansiedlung von Arbeitsplätzen attraktiv zu machen, schlug Marc Salih vor, günstige Büroräume anzubieten für sogenanntes „Coworking“. In solchen Gebäuden bzw. Räumen arbeiten mehrere kleine Start-Ups, Freiberufler und Büros in großen, offenen Räumen und können voneinander profitieren. Außerdem können sie die Infrastruktur gemeinsam nutzen. Auch hier herrschte Zustimmung bei allen Kandidaten.

Mehr Arbeitsplätze schaffen

Einig sind sich Stark, Tonollo, Scherzl und Salih außerdem darin, dass noch mehr attraktive und größere Firmen in Poing angesiedelt werden müssten. Nicht nur mit Blick auf die Gewerbesteuer, wo die Gemeinde derzeit von einer Handvoll großer Unternehmen und somit deren Wirtschaftskonjunktur abhängig sei. Sondern auch, um Arbeitsplätze zu schaffen. „In den vergangenen Jahren hatten wir einen Bevölkerungszuwachs von 23 Prozent, aber einen Arbeitsplatzzuwachs von nur fünf Prozent“, berichtete Stark, der seit vielen Jahren Geschäftsleiter im Poinger Rathaus ist.

„Wir brauchen eine gute Mischung“, sagte Günter Scherzl. Nicht nur für größere Betriebe, auch für Handwerksbetriebe müssten Gewerbeflächen geschaffen bzw. angeboten werden.

Neben dem Gewerbe war die Verkehrsinfrastruktur das zweite große Thema der moderierten Podiumsdiskussion. Auch hier herrscht unter den Kandidaten weitgehend Einigkeit: Der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) inner- und außerorts muss besser und attraktiver werden. Damit der ÖPNV als Alternative zum Auto stärker angenommen wird. Tonollo präsentierte die Idee von einem kostenlosen Busticket für Poinger für Fahrten innerhalb der Gemeinde.

ÖPNV attraktiver machen 

Nach Ansicht von Scherzl müsse aber auch mehr für Fahrradfahrer getan werden, beispielsweise durch das Ausweisen von Fahrradstraßen zwischen Poing-Süd und Poing-Nord. Salih wiederum ging auch auf das Auto an sich ein und meinte, dass eine Möglichkeit zur Entlastung des Verkehrs in bzw. durch Poing eine Entlastungsstraße wäre von Pliening nach Poing, die an die Bergfeldstraße andockt. Außerdem sprach sich der Kandidat der FDP dafür aus, den Menschen mehr Lust zu machen auf Autos mit alternativen Antriebsmotoren – mehr Lust auf Elektrofahrzeuge beispielsweise dadurch, dass mehr Ladestellen eingerichtet würden.

Um die Zahl der Autofahrten generell zu reduzieren, nannte Thomas Stark als Ansatz, Pendlerparkplätze einzurichten, von denen aus Fahrgemeinschaften gebildet werden könnten.

Autofahrten reduzieren

Nach gut eineinhalb Stunden war die Veranstaltung, zu der gut 150 Besucher (viele davon Mitglieder bzw. Anhänger und Gemeinderatskandidaten der jeweiligen Parteien) gekommen waren, beendet, konkrete unabhängige Fragen aus dem Publikum waren Mangelware. Hinterher bestand noch die Möglichkeit, mit den Kandidaten persönlich in kleiner Runde zu reden.

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Ebersberg, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unseremArtikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Ebersberg.

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