Eine Frau vor bunten Bildern
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Rosemarie Hingerl ist Mitglied des Ateliers am Osterfeld.

Kunst-Spaziergang

„Kreativ war ich schon immer“: Malerin Rosemarie Hingerl aus Poing

  • Armin Rösl
    VonArmin Rösl
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In unserer Reihe zum Kunst-Spaziergang, der derzeit in Poing gezeigt wird, stellen wir heute die Malerin Rosemarie Hingerl vor.

Poing – „Kreativ war ich schon immer, die Themen Schneidern und menschliche Körper bewegen mich seit meiner Kindheit.“ Mit diesen Themen setzt sich Rosemarie Hingerl, von ihren Freunden „Rosi“ genannt, seit vielen Jahren auch künstlerisch auseinander. Sie gehört zu den Begründern der informellen Gruppe Kunst-Stoff an ihrem Wohnort Poing, arbeitet dort zusammen mit drei anderen Künstlerinnen im Atelier im Osterfeld.

Bodenständig aufgewachsen

Auch wenn sie ihr konkretes Interesse an Leinwand und Farben erst seit ihrem Alter von 36 Jahren in eigene Bilder umsetzt, sieht sie in ihrer Herkunft doch bereits frühe Anfänge. Als erstes von fünf Kindern kam sie 1954 in Velden/Vils (Landkreis Landshut) zur Welt. „Ich wuchs recht bodenständig in der Schreinerei meines Vaters auf“, erzählt Rosi Hingerl, ihre Mutter arbeitete als Schneiderin. Beim Blick in die Historie ihrer Familie entdeckte sie, dass ihr Urgroßvater ein Textilatelier betrieb und ihr vor Kurzem verstorbener Bruder Anton, Steinmetz von Beruf, abstrakte Bilder gemalt hatte.

Von der Arzthelferin zur Malerin

Sie selbst aber hatte zunächst andere Ziele im Blick, begann nach dem Abschluss der Realschule in München eine Ausbildung zur Labor- und Arzthelferin, heutzutage vergleichbar einer Medizinisch-Technischen Assistentin. „Ich hatte viel Spaß an dieser Tätigkeit, arbeitete in der Kinderklinik in Schwabing.“ 1975 kam sie schließlich nach Poing, zusammen mit ihrem Mann Albert, dem späteren Bürgermeister der Gemeinde (von 2000 bis 2020).

Die Stationen und Künstler*innen

Beim „Kunst-Spaziergang durch Poing“, den die Künstlergruppe Kunst-Stoff auf die Beine gestellt hat, können bis 10. Juli in Schaufenstern von lokalen Geschäften Werke kostenlos besichtigt werden. In einer losen Serie stellen wir die Künstlerinnen und Künstler vor. Die Stationen:

• Blumen Birgit (City Center 2) – Künstlerin: Conny Boy
• Optik Seidel (City Center) – Conny Boy und Inge Schmidt
• Schuh Kern (City Center) – Conni Probstmeier
• Optik Wensky (Vauhaus) – Rosemarie Hingerl und Conni Probstmeier
• St.-Georgs-Apotheke (Bahnhofsstraße 2) – Inge Schmidt, Karl Orth, Norbert Haberkorn
• Babalu (Hauptstraße 3) – Rosemarie Hingerl
• Juwelier Mirma (Hauptstraße 3) – Norbert Haberkorn
• Schuhforum (Neufarner Straße 1) – Conni Probstmeier
• SchnickSchnack (Hauptstraße 11) – Conny Boy
• Bestattung Imhoff (Hauptstraße 14) – Conny Boy, Rosemarie Hingerl
• EP:Wondra (Hauptstraße 15) – Inge Schmidt

Auch hier war sie zunächst bei einem Arzt beschäftigt, später nahm sie sich wegen ihrer beiden Töchter Julia und Eva eine gewisse Auszeit vom Job. „1990 zog es mich dann über die lokale Volkshochschule in einen Malerei-Workshop“, erzählt Rosi Hingerl. „Hier lernte ich von Gutta Lageder, einer Bühnenbildnerin des Deutschen Theaters aus Anzing, erste Schritte zum gegenständlichen Malen. Hier traf ich auch auf Inge Schmidt, die jetzt unsere Sprecherin in der Kunst-Stoff-Gruppe ist. Von ihr kaufte ich damals ein Bild mit dem Titel ,Altweibersommer’, seitdem bilden wir eine harmonische, weibliche Atelier-Gemeinschaft.“

Gründungsmitglied von Projekt IV

Es folgten nicht nur weitere Künstler-Workshops, auch erste Ausstellungen, wie etwa in Neufinsing. 2000 gründete Rosi Hingerl zusammen mit weiteren Kunstfreunden die Ateliergemeinschaft Projekt IV in Neufarn, stellte bei „Monaco libre“ auf der Münchner Freiheit aus, arbeitete viele Jahre als Kuratorin für Ausstellungen im Kunstcafé des Seniorenzentrums Poing.

Höhepunkt: Naturprojekt im Reuterpark Poing

Zu ihren persönlichen Highlights gehört ein Naturprojekt von 2005 im Reuterpark: „Mithilfe des Gartenbauvereins pflanzte ich neben einem umgefallenen Baumstamm ein Tulpen-Arrangement und fotografierte dessen Blühfortschritt, je nach Jahreszeit ganz unterschiedlich. Ich erinnere mich, dass ich sehr glücklich war, als ich schließlich das fertige Werk sah.“

Mitglied im Kunstnetzwerk Poing

Rosi Hingerl wurde im Laufe der Zeit Mitglied im Kunstnetzwerk Poing, hatte viele Ausstellungen dort gemeinsam mit bestritten, trat bei der Poinger Langen Nacht der Kunst mit auf oder bei einem Projekt von Architekten und Künstlern in München. Ihre Themen Stoffe, Blumen, Kleider und Natur finden sich bei all diesen Terminen wieder, sie bilden den künstlerischen Rahmen ihres Schaffens. Dabei lässt sie sich immer viel Zeit, bis aus einer Idee ein Bild wird, malt „höchstens fünf oder sechs Motive im Großformat pro Jahr“.

Jährliches Kunst-Treffen bei Passau

Ein Fixpunkt ist das fast jährliche Kunst-Zeremoniell zusammen mit ihren drei Damen aus dem Osterfeld-Atelier: „Dann fahren wir für ein paar Tage in die Villa Breitenberg bei Passau. Dort kann jede von uns, ob drinnen oder draußen in der Natur, ein neues Werk fertigstellen. Und abends treffen wir uns bei feinem Essen, gutem Wein und anregenden Gesprächen, plauschen über Kunst oder über andere Dinge des Lebens – ein Termin, der mir viel Freude und Motivation bringt.“

Friedbert Holz

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