Eine Frau steht neben von ihr gemalten Bildern.
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„Ich habe Freude am Geheimnisvollen“: Malerin Conny Boy aus Angelbrechting.

Aktion

„Kunst-Spaziergang“ der Gruppe Kunst-Stoff Poing: Die Bilder von Conny Boy

  • Armin Rösl
    VonArmin Rösl
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Kunst in Schaufenstern: Das ist der „Kunst-Spaziergang“ der Poinger Gruppe Kunst-Stoff. Wir stellen die Künstlerinnen und Künstler in loser Serie vor.

Angelbrechting – Auch wenn sie bereits mehr als 40 Jahre in Bayern lebt, die typisch schwäbische Klangfarbe in der Stimme und damit ihre Wurzeln kann (und will) sie nicht verheimlichen: Kornelia „Conny“ Boy gehört als festes Mitglied zur informellen Gruppe Kunst-Stoff in Poing, nennt als ihr zweites Zuhause gerne das Atelier im Osterfeld, wo sie zusammen mit drei anderen kunstbegeisterten Frauen seit 2005 ihrem Hobby Malen frönt. „Schon in der Schule im heimischen Bühlertann bei Schwäbisch Hall habe ich gern gezeichnet und gemalt. Durch meine Mutter, eine waschechte Wienerin, gab es eine frühe Beziehung zu Kunst. Doch so richtig in diese Richtung bin ich erst viel später gekommen. Eigentlich hat mich eine Gruppe aus Poing Mitte der 1990er-Jahre zur Malerei gebracht, es war ein Anstoß aus dem Freundeskreis“, erinnert sich die 66-Jährige.

Ein Bild von Conny Boy im Schaufenster von Optik Seidel im City Center.

Zwar hatte sie zuvor, als sie noch in München gelebt hatte, bereits mit abstrakten Bildern begonnen. Zur Leidenschaft geriet es dann aber erst in Poing. Früh hatte sie mit einer ihrer beiden Schwestern, mit Sonja, das elterliche Haus im Schwäbischen verlassen. „Es zog mich mehr zu einem Beruf als zu einer weiterführenden Schule“, sagt Conny Boy heute, wenn sie über ihren raschen Abgang aus der heimischen Bildungsstätte nachdenkt.

Poing: Spaziergang an Schaufenstern vorbei

Sie packte nach dem erweiterten Hauptschulabschluss – heute vergleichbar einer Mittleren Reife – ihre Sachen, zog um nach München, begann dort im Alter von 14 Jahren eine Lehre als Apotheken-Helferin. Doch in Wirklichkeit wollten sie und ihre Schwester ein Modegeschäft eröffnen, wollten Erfahrungen in diesem Metier sammeln, das sie beide spannend fanden. „Letztlich blieb ich immerhin 33 Jahre lang in Trudering, löste mich dann aber von der Schwester und zog nach Angelbrechting“, erzählt Boy.

Kunst-Spaziergang: Stationen und Künstler

Beim „Kunst-Spaziergang durch Poing“, den die Künstlergruppe Kunst-Stoff auf die Beine gestellt hat, können bis 10. Juli in Schaufenstern von lokalen Geschäften Werke kostenlos besichtigt werden. In einer losen Serie stellen wir die Künstlerinnen und Künstler vor. Die Stationen:

• Blumen Birgit (City Center 2) – Künstlerin: Conny Boy
• Optik Seidel (City Center) – Conny Boy und Inge Schmidt
• Schuh Kern (City Center) – Conni Probstmeier
• Optik Wensky (Vauhaus) – Rosemarie Hingerl und Conni Probstmeier
• St.-Georgs-Apotheke (Bahnhofsstraße 2) – Inge Schmidt, Karl Orth und Norbert Haberkorn
• Babalu (Hauptstraße 3) – Rosemarie Hingerl
• Juwelier Mirma (Hauptstraße 3) – Norbert Haberkorn
• Schuhforum (Neufarner Straße 1) – Conni Probstmeier
• SchnickSchnack (Hauptstraße 11) – Conny Boy
• Bestattung Imhoff (Hauptstraße 14) – Conny Boy und Rosemarie Hingerl
• EP:Wondra (Hauptstraße 15) – Inge Schmidt

Im Poinger Künstler-Umfeld kam sie schnell in Kontakt mit der regionalen Maler-Szene, stellte im Jahr 2000 erste Werke im Gemeinschaftsatelier in Neufarn aus. „Vor allem liebe ich den Stil von Pablo Picasso, habe, nur für mich, ein paar seiner Werke kopiert, auch einige von Friedensreich Hundertwasser. Mittlerweile aber lege ich mich nicht mehr auf bestimmte Künstler fest, hole mir Anregung aus vielen Quellen.“ Dazu hatte sie oftmals schon Gelegenheit: etwa bei einem Malseminar mit Trisha Kanellopoulos auf Menorca, bei Reisen nach Italien oder beim gemeinsamen Arbeiten mit ihren Kunst-Stoff-Damen in der Villa Breitenberg bei Passau.

Ein Bild von Conny Boy im Schaufenster von Blumen Birgit im City Center II.

Auch viele Ausstellungen hat sie beschickt, hat ihre Bilder bei der Gruppe Projekt IV in Poing, im Kunstnetzwerk, bei der Langen Nacht der Kunst, in der Poinger Galerie oder bei einer Gemeinschaftspräsentation in Fels am Wagram (Österreich) gezeigt. „2018 waren wir dort eingeladen, es war eine besondere, weil ungewöhnliche Atmosphäre“, erinnert sich Boy.

„Manche meiner Bilder könnten Anlass zur Sorge geben, ich sei vielleicht depressiv“, sagt sie über jene Werke, die in dunkler Szenerie spielen. „Ich habe halt Freude am Mystischen, am Geheimnisvollen – und da bleibt naturgemäß manches im Dunkel, wirkt vielleicht obskur.“

Ich habe Freude am Mystischen.

Conny Boy

Wer sie etwas kennt, nimmt ihr diese Deutung gerne ab, denn sie zeigt sich meist doch gut gelaunt und lebensfroh. Ob sie allerdings auf Dauer in ihrer Wahlheimat Bayern bleibt, das ist noch nicht geklärt: „In Bühlertann steht noch unser Elternhaus, auch ein intakter Bekanntenkreis würde mich wieder freundlich aufnehmen. Wer weiß, ob ich mich jetzt, als Rentnerin, nicht doch noch zu einem Umzug dorthin entschließe.“ Schließlich ließe sich ihr Hobby sicher auch dort fortführen, dann mit ganz neuen Motiv-Anregungen, diesmal aus dem Schwäbischen.

Friedbert Holz

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