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„Ungeordneter Mastenwald“: So bezeichnet der Architekt Ulrich Pfannschmidt die Anordnung der Laternen an der neuen Bahnunterführung. Er hatte vor zwölf Jahren den ers ten Entwurf für das Bauwerk gezeichnet und kritisiert nun die aktuelle Planung des Büros Lahmeyer. 

Architektenstreit hinter den Kulissen

„Ungeordneter Mastenwald“

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Nach knapp 20 Jahren Wartezeit wird ab Frühjahr 2018 endlich Poings neue Bahnunterführung gebaut und im Zuge dessen der Bahnsteig umgestaltet. Vor dem Start der Arbeiten gibt es hinter den Kulissen eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Architekten.

Poing – Zum einen ist das Ulrich Pfannschmidt aus München, der im Jahr 2005 mit der damaligen Arbeitsgemeinschaft Schuh/Pfannschmidt und Schulz/Boedecker Stadtplanung von der Gemeinde Poing beauftragt worden war, den ersten konkreten Entwurf für die Unterführung vorzulegen; zum anderen Achim Saenger vom Planungsbüro Lahmeyer (ebenfalls München), das auf Grundlage des Entwurfs die Planung überarbeitet hat.

In einem 49-seitigen Schreiben mit Skizzen an die Gemeinde Poing hat Pfannschmidt beide Planungen gegenübergestellt und kommt zu dem Schluss: „Mit der aktuellen Planung wird das wesentliche Ziel, eine attraktive und gestalterisch ansprechende Wegverbindung zwischen den beiden Ortsteilen zu schaffen, verfehlt.“ Im Gegensatz zu seinem Entwurf von 2005 offenbare die aktuelle Planung „leider starke Abweichungen und wenig sinngemäße Detailausbildungen“, so Ulrich Pfannschmidt. „Durch eine Vielzahl kleinteiliger und ungeordneter Bauteile verliert das Gestaltungskonzept seine Großzügigkeit.“

In seiner Antwort schreibt Achim Saenger: „Die seitens des Architekten erhobene Kritik an verschiedenen Gestaltungspunkten der Ausführungsplanung ist zum Teil den eindeutigen Richtlinienvorgaben geschuldet (barrierefreie Rampen, Beleuchtung), die sich ohne Verluste in der Funktionalität und in der Förderungswürdigkeit der Gesamtkonstruktion nicht ändern lassen. Andere Kritikpunkte berühren sicherheitstechnische Bedenken, die durch die entsprechenden Anpassungen in der Planung behoben bzw. entschärft werden konnten.“

In seiner Analyse der aktuellen Planung wirft Pfannschmidt dem Büro Lahmeyer sowie der Firma Audiocustic, die das Beleuchtungskonzept erstellt hat, einen „ungeordneten Mastenwald“ vor. Die Vielzahl an Laternen und deren Standorte würden das Freiraumkonzept beeinträchtigen, so Pfannschmidt. Saenger argumentiert, dass dies sowie die Beleuchtungsstärke sicherheitstechnischen Überlegungen geschuldet seien.

In seiner Antwort merkt Achim Saenger an, dass in der Planung von 2005 einige Dinge nicht berücksichtigt worden seien, die es nun zu beachten gelte. Unter anderem bei der Neugestaltung des Park-and-Ride-Platzes auf der Südseite des S-Bahnhofs.

Auch wenn hinter den Kulissen über Gestaltung und Ausführung gestritten wird, wird sich an der neuen Bahnunterführung nicht viel ändern. Der Gemeinderat hat den neuen Plan bereits beschlossen. Ein Kritikpunkt Pfannschmidts sei laut Saenger allerdings berechtigt und sollte aufgenommen werden, empfiehlt er in seinem Antwortschreiben an die Gemeinde Poing: Die Situierung einer barrierefreien Rampe.

Die neue Bahnunterführung beschäftigt die Gemeinde Poing seit gut zwei Jahrzehnten. Nachdem 2005 der erste Entwurf fertig war, beschloss der Gemeinderat im Jahr 2006, dass das Projekt so umgesetzt werden soll. Weil in den Jahren danach aber zum einen die Finanzierung nicht geklärt werden konnte, und es zum anderen immer wieder zu widersprüchlichen Aussagen der Deutschen Bahn und zu zähen Verhandlungen mit dem Konzern gekommen war, musste die Gemeinde das Projekt zurückstellen. In den vergangenen zwei Jahren wurde wieder daran gearbeitet, seit heuer steht fest, dass die Unterführung nächstes Jahr gebaut wird.

In seinem Schreiben an die Gemeinde Poing, das unserer Zeitung ebenso vorliegt wie die Stellungnahme des Architektenbüros Lahmeyer, teilt Ulrich Pfannschmidt mit: „Erst 2016 erhielt das Projekt neue Dynamik. Das Ingenieurbüro Lahmeyer wurde beauftragt, auf Grundlage des Entwurfs die Realisierung in die Wege zu leiten. Leider erhielt ich erst Mitte 2017 den Hinweis durch die Medien, dass das Projekt nach zehn Jahren weiterverfolgt wird.“

Die Kosten für die Maßnahme betragen über 9,8 Millionen Euro, die in den Haushaltsjahren 2016 bis 2019 eingestellt sind. Dem Finanzplan zufolge erhält die Gemeinde Poing staatliche sowie weitere, vertraglich vereinbarte Zuschüsse (von der ARGE der Bauträger und Investoren am Bergfeld) in Höhe von insgesamt 6,6 Millionen Euro. Somit sind es am Ende rund 3,2 Millionen Euro, die die Gemeinde selbst zahlen muss.

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