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Es werde Licht: Die Pfarrkirche Seliger Rupert Mayer zeigte bei der „Kurzen Nacht der Straßenkunst“ in Regenbogenfarben.

Kurze Nacht der Kunst

Bunt, phantasievoll, schön

Ungewöhnliche Bilder, Kunstwerke und Lichtinstallationen gab es bei der „Kurzen Nacht der Street, Urban & Land Art“ in Poing.

Poing „Street Art ist Kunst im öffentlichen Raum, die nach Absicht der Verursacher durchaus dort verbleiben sollte“. So lautet eine Definition für jene Geschehnisse, die bei der „Kurzen Nacht der Street Art, Urban Art und Land Art“ am Samstag in Poing von der Gemeinde nicht nur geduldet, sondern sogar gefördert wurden. Tatsächlich bekamen die zahlreichen Besucher an den insgesamt 17 diversen Kunst-Plätzen viel geboten: Gemaltes, Gestaltetes, Gebautes und Gesungenes.

Live-Performance auf dem Marktplatz: Holzkünstler S tefan Pillokat bearbeitete einen Robinienstamm.

Schon der optische Hintergrund während der Eröffnung durch Bürgermeister Albert Hingerl gab einen ersten Hinweis auf einen ganz besonderen Abend. Daniel Man, Spray-Künstler aus Hongkong, der in London lebt, hatte in einer Woche Arbeit die Fassade des Park-and-Ride-Gebäudes am S-Bahnhof in einen bunten „Poing Star“ verwandelt. „Am Münchner Lenbachhaus hatte ich zuvor schon den dortigen Eiskiosk mit wechselnden Bildern bemalt, jetzt wurde ich von Poings Kulturreferentin Birgitta Nagel eingeladen, diese rund 20 Meter hohe Hausfläche zu verschönern“, erzählte Man. Dabei habe er, so zumindest zeigte es sein digitaler Zähler an, täglich „7000 bis 8000 Schritte auf dem Gerüst und davor zurückgelegt, und jetzt spüre ich meine Oberschenkel“.

Die Besucher kamen auch auf dem benachbarten Marktplatz nicht aus dem Staunen heraus. Dort war eine ganz andere Sprayerin am Werk: Beate Braß aus Poing. Sie, die sonst im IT-Bereich arbeitet, schafft mit ihren Farben vor allem Fantasy-Gebilde. „Im Internet sah ich erstmals diese spezielle Technik, sie hat mich sofort angesprochen“, berichtet sie. Jetzt geht sie mit allerlei Schablonen und einem Malmesser an die bunten Gebilde – da entsteht aus einem banalen Becher ganz schnell ein Mond oder ein Ball.

Viel brachialer ging dagegen Stefan Pillokat aus Markt Schwaben zu Werke. Er, der bekannte Clown Pippo, hatte sich als Holzkünstler auf dem Marktplatz den Stamm einer Robinie vorgenommen. Mit einer Motorsäge bearbeitete er den kurz zuvor aufgestellten Baum. Über das Ergebnis seiner ebenso lauten wie mühevollen Arbeit konnte er (noch) nichts sagen: „Ich bin selbst gespannt, was dabei heraus kommt. Gerne würde ich neben den fließenden Linien, wie ich sie bisher herausgesägt habe, noch einen Durchbruch schaffen – mal sehen.“

Weiter geht der Rundgang durch die „Kurze Nacht der Straßenkunst“. Die Brüder Leonhard und Bernhard Slawik aus Poing hatten rund um und auf dem Marktplatz 30 Kameras aus gefalteten Kartons an Bäumen und Pfosten befestigt, jeweils auf dem Boden davor hatten sie die Worte „Subjektiv sicher“ gesprüht. „Damit wollen wir das teilweise übertriebene Sicherheitsempfinden unserer Gesellschaft etwas persiflieren“, erklärten die beiden. Spaß hatten auf jeden Fall jene Kinder, die im fahrbaren Sessel der Slawik-Brüder – einem umgebauten Elektro-Rollstuhl mit Stehlampe und funktionierenden Rücklichtern – auf dem Marktplatz herumfahren durften.

Live-Performance auf dem Marktplatz: Spray-Künstlerin Beate Braß schuf Fantasy-Bilder.

Mitmachen und mitgestalten war angesagt bei den Graffiti-Workshops von Patrick Hartl und Christian Hundertmark aus München. Unter dem Namen „Layer Cake“ (Schichtkuchen) schaffen sie tiefenräumlich anmutende Variationen über Schriften und Linien. Hier in Poing aber durften Kinder und Erwachsene sich selbst an Farben und Schablonen probieren, was gut ankam.

Auch die Musik des „Ensemble Funkenflug“ in der Fußgängerunterführung Gruber Straße gefiel: Hier spielten vier Bläser, unterstützt von einem Mann am Klavier, Musik „vom Barock bis zu den Beatles“. Und daneben präsentierte Kunsttherapeut Mesut Artmeier aus München seine abstrakten Bild-Ideen.

Eine ganz besondere Idee hatte das Team des Weltladens der evangelischen Christuskirche: Zusammen mit Helfern gestaltete es aus Papier-Servietten ein übergroßes „Fair-Trade“-Logo, welches an den Glockenturm der Kirche angebracht wurde. „Wir wollen damit auf die kommende Woche hinweisen, in der wir die besondere Philosophie von Fair-Trade bewerben“, erklärte Christa Bauer-Germeier. Wer wollte, konnte auch gleich fair gehandeltes Essen und Getränke probieren.

Wer im Laufe des Abends noch – trotz einsetzenden Regens – die Muße hatte, zum Beispiel zum Sportzentrum zu flanieren, konnte sich dort am „Vergißdeinnicht“-Projekt von Natalja Herdt und Norbert Haberkorns „Tischlein deck dich“ erfreuen. Oder die Straßenkunst am ARGE-Platz an der Bergfeldstraße. Die „Kurze Nacht der Street Art, Urban Art & Land Art“ war eigentlich zu kurz, weil es ein abwechslungsreicher und vielseitiger Kunst-Abend war – der gerne wiederholt werden darf. Friedbert Holz

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