Nigerianer noch in U-Haft

Frauen mit Messer bedroht - zwei möglichen Komplizen ist nichts nachzuweisen

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Ein abgelehnter Asylbewerber (21) aus Nigeria ist dringend tatverdächtig: Er soll Frauen mit einem Messer bedroht und ihnen das Handy geraubt haben.

Poing/Ebersberg - Es ist spät in der Nacht, als Alica M. (Name von der Redaktion geändert) im Juni 2017 mit der S-Bahn von München nach Poing fährt. Nach einem langen Tag an der Uni will die 20 Jahre alte Studentin nach Hause. Als sie in Poing aus der Bahn steigt, merkt sie, dass ihr jemand folgt. Sie ist alleine und wird nervös. Der Verfolger kommt näher. Er zieht ein Messer. Die 20-Jährige ist geschockt. Er bedroht sie, fordert ihr Handy. „Ich hatte Angst und habe es ihm gegeben“, sagt Alica M. leise. Der Mann packt es und läuft in die Dunkelheit. Bis heute kann die Studentin nachts nicht alleine nach draußen, zu groß sei die Angst, dass ihr so etwas wieder passieren könnte.

Taten in Poing, Kirchseeon und Altenerding

Alica M. ist nicht die einzige junge Frau, die ein 20-jähriger abgelehnter Asylbewerber (das Alter vermuten die Behörden) aus Nigeria im Juni letzten Jahres in den Landkreisen Ebersberg und Erding überfallen hat. Insgesamt vier Frauen soll der Mann bedroht und ihnen Handy und Bargeld geraubt haben. Anfang Juli konnte die Kripo Erding den in Ebersberg wohnenden 20-Jährigen festnehmen. Die Taten ereigneten sich laut Polizei jeweils nach Mitternacht: zweimal in Poing, einmal in Kirchseeon und Altenerding (Landkreis Erding). In zwei Fällen soll es außerdem zu versuchten sexuellen Übergriffen gekommen sein.

Vorwurf der Hehlerei nicht nachzuweisen

Zwei der Handys sollen zwei afrikanische Flüchtlinge nach dem Raub von dem 20-Jährigen abgekauft haben. Aus diesem Grund standen ein 20 Jahre alter Nigerianer und ein 21-jähriger Togolese (vermutetes Alter der Behörden) vor dem Ebersberger Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft warf beiden Hehlerei vor, also die Mobiltelefone gekauft zu haben, obwohl sie wussten oder erahnen konnten, dass es Diebesgut ist. Beide bestritten die Vorwürfe.

Je 100 und 160 Euro zahlten die beiden Asylbewerber für ein Samsung Galaxy S6 und S7 an den mutmaßlichen Räuber. Dass die Geräte geklaut sind, hätten sie nicht gewusst, beteuerten sie vor Gericht. Richter Dieter Kaltbeitzer zeigte sich skeptisch. Wirklich nachweisen konnte er es den Männern am Ende nicht, sodass er beide Verfahren gehen die Auflage einen Tag Sozialdienst abzuleisten vorläufig einstellte. Er sagte: „Dass es einen schwunghaften Handel mit Handys zwischen Flüchtlingen gibt, ist nicht neu.“ Darunter können auch geklaute Handys sein, wie ein Ermittler der Kripo Erding feststellte.

Anklage gegen den Nigerianer in Vorbereitung

Auch Franziska H. (Name von der Redaktion geändert) wurde im Juni nahe dem S-Bahnhof Poing überfallen. Ein dunkelhäutiger Mann habe sie in eine Hofeinfahrt gezerrt, ein Messer gezogen und ihr das Handy entrissen, wie sie vor Gericht erzählt. Ein Fahrradfahrer brachte die 27-Jährige zur Polizei. Auch in diesem Fall soll es der Nigerianer gewesen sein, wie ein Kripo-Beamter vor Gericht bestätigte.

Der heute 21-jährige Nigerianer sitzt seit vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Über die Festnahme berichtete merkur.de am 6. Juli. Andrea Mayer von der Staatsanwaltschaft München II wollte sich nur insofern zu dem Fall äußern, als dass der Mann wegen besonders schweren Raubes, versuchter sexueller Nötigung und versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt werden soll. Der Mann werde als mutmaßlicher Täter der Überfälle gesehen. Zudem soll er 2017 am S-Bahnhof Grub mit einer Bierflasche auf einen anderen Mann losgegangen sein.

„Erhebliche Strafe“ wahrscheinlich

Der Prozess vor dem Landgericht München II soll laut Mayer nicht vor Juni dieses Jahres stattfinden. Zum erwartenden Strafmaß kann sich die Juristin noch nicht äußern. Die Staatsanwaltschaft geht aber von einer „erheblichen Strafe“ aus, sollte es zu einer Verurteilung kommen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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