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Beim nächsten noch so kleinen Vergehen droht dem Verurteilten Haft, kündigte die Amtsrichterin an.

Aus dem Gerichtssaal 

Letzte Chance für Bewährungsversager

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Trotz langen Vorstrafenregisters und aktuell offener Bewährungsstrafe ist ein 36-Jähriger noch einmal glimpflich davongekommen. Er hatte einen Poinger Getränkemarkt um 7500 Euro betrogen – und erhielt vom Amtsgericht die allerletzte Chance zur Besserung.

Als er für den Getränkemarkt an der Gruber Straße an der Leergutannahme tätig war, nutzte Michael E. (Name geändert) dies, um Geld in seine Tasche zu schaufeln. Er hatte nachweislich 51-Mal Leergutbons eingetippt, ausgedruckt und an der Kasse eingelöst für Pfandflaschen und -kisten, die gar nicht abgeben worden waren. In der gestrigen Verhandlung am Amtsgericht Ebersberg legte der heute 36-Jährige ein Geständnis ab und erklärte, warum er den Getränkemarkt betrogen getan hatte: „Meine Ex-Frau war kaufsüchtig.“ Deshalb hätten sich fast 60.000 Euro Schulden angehäuft.

Als der Filialleiter damals, im Frühjahr 2015, aus dem Urlaub zurückkehrte, bemerkte er die unerklärlich hohen Summen an Leergut-Auszahlungen – nach einer Prüfung entdeckte er den Betrug. Als er seinen Mitarbeiter, den er unter Verdacht hatte, darauf ansprach, habe dieser den Vorwurf zunächst abgestritten, später aber doch – auch schriftlich – zugegeben.

Die Liste der Vorstrafen von Michael E. im Bundeszentralregister ist lang: Amtsrichterin Vera Hörauf zählte 19 Eintragungen auf, hauptsächlich Betrugsfälle und Diebstähle. Aktuell befindet sich der 36-Jährige unter offener Bewährungsstrafe, im Gefängnis saß er schon.

Gericht und Staatsanwaltschaft wollten vom Poinger Getränkemarktleiter wissen, ob er denn von den vielen Vorstrafen gewusst habe, als er Michael E. einstellte. „Ja“, antwortete dieser, woraufhin der Staatsanwalt in Richtung des Angeklagten sagte: „Das war sehr löblich von ihrem Arbeitgeber.“ Dennoch hatte ihn der Ex-Mitarbeiter in den wenigen Wochen, die dort angestellt war, um knapp 7500 Euro betrogen. Dies ist die Gesamtsumme aus insgesamt 51 Fällen. Weil dies während seiner Bewährungszeit geschah, forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren – ohne Bewährung: „Der Angeklagte ist ein klassischer Bewährungsversager.“

Richterin Hörauf sah dies zwar ebenso, beließ es dennoch bei einer Strafe von einem Jahr und zehn Monaten – ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung. Insbesondere, weil der Angeklagte geständig war und ankündigte, seine Schulden zurückzahlen wolle. Und weil er seit über einem Jahr eine Festanstellung bei einer Tankstelle im Landkreis Mühldorf hat. Dessen Betreiber stellte ihm ein solides Arbeitszeugnis aus, in dem er ankündigt, dass Michael E. ab Januar 2017 die Tankstelle komplett übernehmen dürfe. „Das ist ihre allerletzte Chance“, sagte die Richterin. Wenn nur das Geringste passiert, droht ihm tatsächlich Haft.

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