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Vor 30 Jahren wurde der Grundstein für das heutige Océ-Werk in Poing gelegt.

30 Jahre Ocè

Luxusautos, Indianer und mehr

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Am 30. April 1987 war die offizielle Grundsteinlegung für das heutige Océ-Werk in Poing. Das Unternehmen ist mit knapp 1000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Landkreis. Doch es gibt auch viele Geschichten drumherum...

Poing – Wer hätte gedacht, dass ein Weltmarktführer und Druckmaschinenhersteller seinen eigenen Honig produziert. Ist aber so: Im vergangenen Jahr haben Mitarbeiter von Océ Printing Systems fünf Bienenstöcke auf dem Werksgelände aufgebaut. „Ab Mai können wir den Honig schleudern“, verkündet Herbert Frodl im Jubiläumsheft zum 30. Geburtstag des Unternehmens. Frodl ist Leiter der Abteilung Gesundheit, Sicherheit und Entwicklung. Pünktlich zum 30. Geburtstag, den Océ am gestrigen Mittwoch mit einem Mitarbeiterfest gefeiert hat, gibt’s firmeneigenen Honig. Für die Nahrungssuche steht den Bienen eine eigens angelegte Wildblumenwiese zur Verfügung, südlich der Hallen.

Nicht nur die Bienen sollen sich wohlfühlen, auch die derzeit knapp 1000 Mitarbeiter. Einer von ihnen ist Ralf Ebbinghaus, der seit 1988 dabei ist. „Hier bleibe ich keine fünf Jahre!“, dachte er sich damals, als er begann. Von wegen. Heute bezeichnet er das Unternehmen als „eine große Familie“, zu der er selbst hinzugehört. Ebbinghaus ist technischer Koordinator für das Event-Center. In den Hallen im Westen des Geländes haben in den vergangenen drei Jahrzehnten viele, teils aufsehenerregende Veranstaltungen stattgefunden. Seit Jahren treffen sich hier beispielsweise Motorradfreunde aus Deutschland und den Nachbarländern zum größten Teile-Markt der Region.

Bundesweites Aufsehen erregte 2008 ein illegales Autorennen, das von Océ aus hätte gestartet werden sollen. 

Legendär in der Vergangenheit waren unter anderem die Modeshows von „Escada“, zu denen Prominente aus aller Welt angereist kamen. Große Aufregung gab’s im Jahr 2008, als die Polizei ein illegales Auto-Rennen von Promis gestoppt hat. 63 zum Teil hochgetunte Boliden waren am Abend vor dem Start in den Océ-Hallen geparkt – die Veranstalter hatten das Gebäude ordnungsgemäß angemietet, freilich aber nicht erwähnt, um was es genau ging. Einer der Promis, die damals im Rampenlicht standen: der Bordellkönig Prinz Marcus von Anhalt. Freilich hatte er leicht bekleidete Frauen dabei, die medienwirksam gegen die Polizei-Aktion demonstrierten.

Keine Museumsfigur (wie auf unserem Bild), sondern einen leibhaftigen Indianer trafen Wachleute eines Nachts im Rohbau.

Océ gehört zu Poing wie der Wildpark. Oder wie die einstige Westernstadt „No Name City“, die von 1987 bis 1997 unweit des Unternehmens aufgebaut und ein Publikumsmagnet war. Aus dieser Zeit erzählt Ralf Ebbinghaus folgende, herrliche Geschichte: Als sich die Gebäude im Rohbau befanden und er mit Wachdienst-Kollegen spätabends auf Kontrolle ging, entdeckten sie im Kegel des Taschenlampenscheins einen Indianer, spärlich nur mit einem Lendenschurz bekleidet. Er hatte ziemlich viel „Feuerwasser“ intus und torkelte betrunken durchs Gebäude. Die Sicherheitsleute erschraken, trauten zunächst ihren Augen nicht. „Es stellte sich ziemlich schnell heraus, dass es sich um einen Darsteller der Westernstadt handelte, der sich verlaufen hatte“, erinnert sich Ebbinghaus. Die Wachleute brachten den Indianer sicher zurück in sein Tipi.

Am 30. April 1987 war die symbolische Grundsteinlegung für die heutige Océ Printing Systems (so der offizielle Firmenname) in Poing. Damals noch Siemens, später Siemens-Nixdorf. Seit jeher ist das Unternehmen der größte Arbeitgeber im Landkreis Ebersberg – und nicht nur deshalb aus Poing nicht mehr wegzudenken. Océ spielt im Wirtschafts- und im gesellschaftlichen Leben der Gemeinde eine große Rolle, auch als Ausbildungsstätte sowie als Sponsor für Vereine und Co. . Das Unternehmen verfügt über eine eigene Werksfeuerwehr, die bei Bedarf die örtliche Freiwillige Feuerwehr unterstützt. Außerdem findet auf dem Parkplatz regelmäßig ein großer Flohmarkt statt. Und: Das Cateringunternehmen „Köstlich & Co“, das die Kantine betreibt, beliefert zahlreiche Kindertagesstätten in der Gemeinde. Océ ist ein großer und wichtiger Teil der Poinger Familie.

Von der Eröffnung bis 1996 wurde der Hersteller von Druck- und Kopiergeräten von Siemens, später von Siemens-Nixdorf geführt. Ab 1996 übernahm Océ (Hauptsitz: Venlo, Niederlande).

Im Jahr 2010 wurde Océ von der japanischen Canon Group gekauft, der Name „Océ“ aber blieb bis heute bestehen.

Firmenangaben zufolge sind derzeit knapp 1000 Mitarbeiter in Poing beschäftigt. Zu Beginn waren es bis zu 2500. Umstrukturierungen und neue Eigentümer sorgten für einen Rückgang.

Die Werksfläche beträgt 256.000 Quadratmeter, was in etwa 36 Fußballfeldern entspricht.

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