Mann steht vor einem Auto
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„Ich bin gerne unter Leuten“, sagt Poings neuer Bürgermeister Thomas Stark.

Fünf Monate im Amt

E-Mails an sich selbst: Poings neuer Bürgermeister zieht erste Bilanz

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Wegen Corona konnte Poings neuer Bürgermeister Thomas Stark noch nicht so gestalten, wie er möchte. Warum er E-Mails an sich selbst schreibt, verrät er hier:

Wenn Thomas Stark während oder kurz nach einem Gespräch in sein Handy tippt, schreibt er oftmals eine E-Mail an sich selbst. Vom Mobiltelefon an seine Dienstadresse im Rathaus. „Damit ich es nicht vergesse“, sagt der 55-Jährige. Zum Beispiel wie vor ein paar Tagen, wenn ein Bürger ihn auf der Straße anspricht und auf etwas hinweist, jemand eine Frage oder Anregung hat, dann schreibt Poings Bürgermeister dies sich selbst als Notiz. Zurück im Rathaus bearbeitet er die Eingänge bzw. gibt sie an die Mitarbeiter weiter. „Rausgehen, mit den Leuten reden, sich die Dinge selbst vor Ort ansehen“, das sei Credo und Anspruch an sich und an die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung. „Es wird nichts am Tisch entschieden.“

Ich bleibe der, der ich bin: der Thomas.

Poings Bürgermeister Thomas Stark

Rausgehen, mit den Bürgern reden: „Ich bin gern unter Leuten“, sagt Thomas Stark, der seit 1. Mai Poings neuer Bürgermeister ist. Er hat Albert Hingerl (SPD) abgelöst, der nach 20 Jahren im Amt nicht mehr zur Wahl angetreten war. Stark hat im wahrsten Sinne des Wortes die Seiten gewechselt: Als Geschäftsleiter des Rathauses und Referent des Bürgermeisters saß er die vergangenen zwei Jahrzehnte im Büro links vom Bürgermeistersekretariat. Jetzt sitzt er im Bürgermeisterzimmer rechts davon. In einer ersten Bilanz nach gut fünf Monaten sagt er: „Als Bürgermeister muss man bei den Arbeitszeiten flexibel sein.“ Ein Bürojob wie zuvor sei es nun nicht mehr.

Geldbeutel-Übergabe am Wochenende

Beispiel: Im Rathaus-Briefkasten lag ein prall gefüllter Geldbeutel inklusive Kreditkarte, Ausweis und mehr. Irgendjemand hatte ihn gefunden und eingeworfen. Der Eigentümer wohnt zwar in Poing, ist unter der Woche aber nicht hier, erzählt Stark. Also habe er dem Bürger angeboten, ihm den Geldbeutel am Wochenende im Rathaus zu geben. Öffentliche Dienstzeiten hin oder her.

Gestalten statt verwalten

Als Thomas Stark im Mai 2019 ankündigte, als Parteifreier auf der Liste der CSU für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren, nannte er als Beweggrund: „Ich möchte nicht mehr nur verwalten, sondern gestalten.“ Dafür habe er wegen Corona bislang leider nicht so viele Möglichkeiten gehabt. Zum Beispiel Kultur: Stark möchte mehr Projekte und Veranstaltungen. Ideen habe er genug, doch wegen der Corona-Pandemie sei die Umsetzung derzeit nicht möglich. Schon vor Starks Amtszeit geplante Veranstaltungen wie die „Lange Nacht der Gefühle“, die für kommenden Samstag geplant war, müssen ebenso entfallen wie der Christkindlmarkt. Stark hofft auf die Zukunft, spricht unter anderem von mehr Veranstaltungen am Marktplatz.

„Aktivitätenband" an der Bergfeldstraße

Anpacken statt abwarten, das versucht er dennoch zu tun, wo es trotz Corona möglich ist. Sei es bei Kleinigkeiten wie das Aufstellen von Pflanztrögen an der neuen S-Bahnunterführung oder am neu gestalteten Dorfplatz in Poing-Süd, seien es neue Sitzbänke an Bushaltestellen. Die nächsten, größeren Projekte, die er baldmöglichst umsetzen wolle: das Radverkehrskonzept und das Jugendkonzept der Gemeinde. Beides, sagt der Bürgermeister, solle nicht nur auf dem Papier stehen. Im Zuge der Neubaugebiete W7 (Lerchenwinkel) und W8 ist entlang der Bergfeldstraße ein „Aktivitätenband“ geplant, mit Orten und Plätzen auch für Jugendliche. Weil, das weiß auch der Bürgermeister: all zu viele Angebote gibt es in Poing für Jugendliche nicht. Er denkt darüber nach, das Programm im Jugendzentrum zu erweitern. Nicht nur für Jugendliche, auch für Erwachsene, beispielsweise mit öffentlichen Konzerten und anderen Veranstaltungen. Eine solche gibt es bislang nur mit der jährlichen „Ü33-Party“ der Privatinitiative „Weltstadtvorstadt mit Herz“. Diese muss wegen Corona ebenfalls vorerst pausieren.

Löwen-Fan und Mitglied der „Poinger Löwen“

Freilich zählen zu den Aufgaben des Bürgermeisters auch trockene Dinge wie der Haushalt der Gemeinde Poing. Ob und welche Auswirkungen die Coronakrise auf die Finanzen hat, werde derzeit geprüft. Dank einer Gewerbesteuernachzahlung in Höhe von 26,4 Millionen Euro dürfte Poing relativ gut aus der Krise kommen, glaubt Stark.

Auch wenn er jetzt Bürgermeister ist, ändere sich für sein persönliches Umfeld nichts: „Ich bleibe der, der ich bin: der Thomas.“ Das habe er unlängst auch beim Stammtisch des TSV 1860 München-Fanclubs „Poinger Löwen“ gesagt, bei dem er seit dessen Gründung im Januar 2018 Mitglied ist. Auf Poings neuen Bürgermeister abgeändert könnte der Leitspruch des Vereins aus Giesing („Einmal Löwe, immer Löwe“) so lauten: Einmal Thomas, immer Thomas.

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