Ein Mann vor Bildern.
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„Ich mag es nicht, in eine bestimmte Richtung denken zu müssen“: Norbert Haberkorn.

Kunst-Spaziergang

Maler Norbert Haberkorn: Daheim in Poing und auf Gotland

  • Armin Rösl
    VonArmin Rösl
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In unserer Reihe zum Kunst-Spaziergang, der derzeit in Poing angeboten wird, stellen wir heute den Maler Norbert Haberkorn vor. Er malt in Poing und auf Gotland.

Poing – Jemand, der wie Norbert Haberkorn auf einem Hof bei Bad Tölz aufwuchs, später als Diplom-Ingenieur für einen Technik-Konzern rund um den Globus gereist ist und heute in zwei Welten lebt – der bayerischen und der schwedischen – kann wahrlich viel erzählen. Seit fast 20 Jahren widmet sich Haberkorn der Kunst in vielerlei Variationen, hat sich als Autodidakt vor allem dem Malen verschrieben und gehört mittlerweile der informellen Gruppe Kunst-Stoff an.

Wer sein schmuckes Haus in Poing betritt, trifft sofort auf vielfältige Kunst: Da buhlen etwa eine Leucht-Installation, einstmals genutzt als Christbaum-Schmuck, neben einem Holzrahmen mit perforiertem Blech und unzähligen Acryl-Bildern um die Aufmerksamkeit des Betrachters. In dieser Art-Box, wie der 71-jährige Künstler seinen Arbeitsraum in einer ehemaligen Garage bezeichnet, stapeln sich spannende Werke aus vielen Jahren seines ganz unterschiedlichen Schaffens.

Zwei Werke von Norbert Haberkorn.

Im nicht mehr genutzten Kinderzimmer von Tochter Caroline und Sohn Thomas, beide mittlerweile Anfang 40, widmet er sich derzeit dem Projekt „Nothing but Blue“. Er bringt hier Themen, die ihn aktuell bewegen, mit jeder Art von Stiften, Ölpastellen oder Maler-Farben zu Papier, Hauptsache, das Ergebnis zeigt sich in Blau. „Ich wollte noch nie, wie viele andere, Landschaften oder Porträts malen. Vielmehr beschäftigen mich seit jeher Politik und Umwelt – die oft ja Opfer geworden ist. Ich beobachte sie und setze sie dann in Zeichnungen um.“

Poing: Zeichnen vor dem Fernseher

Norbert Haberkorn mag es, Zeitdokumente zu schaffen, schätzt die Reflexion auf innere Nachdenklichkeit. Als Werke entstehen dann etwa ein weißes Totentuch, das er als Mahnung vor den vielen Diktatoren in dieser Welt über den Planeten gespannt sieht. Neulich entwarf er, vor dem Fernseher sitzend, eine Frau mit blauer Weste als Symbol für den European Song Contest. „Auf diese Art des Malens bin ich erst vor kurzer Zeit wieder gekommen. Ich saß, nur ausgestattet mit einem weißen Malblock und einem Stift, in unserem Häuschen auf der schwedischen Insel Gotland, von wo meine Frau stammt. Dort habe ich nach vielen Jahren im Gebrauch von Acryl- und Öl-Farben wieder das einfache Zeichnen entdeckt, spontan mit der Hand aufs Papier.“

Die Stationen und die Künstlerinnen und Künstler

Beim „Kunst-Spaziergang durch Poing“, den die Künstlergruppe Kunst-Stoff auf die Beine gestellt hat, können bis 10. Juli in Schaufenstern von lokalen Geschäften Werke kostenlos besichtigt werden. In einer losen Serie stellen wir die Künstlerinnen und Künstler vor. Die Stationen:

• Blumen Birgit (City Center 2) – Künstlerin: Conny Boy
• Optik Seidel (City Center) – Conny Boy und Inge Schmidt
• Schuh Kern (City Center) – Conni Probstmeier
• Optik Wensky (Vauhaus) – Rosemarie Hingerl und Conni Probstmeier
• St.-Georgs-Apotheke (Bahnhofsstraße 2) – Inge Schmidt, Karl Orth, Norbert Haberkorn
• Babalu (Hauptstraße 3) – Rosemarie Hingerl
• Juwelier Mirma (Hauptstraße 3) – Norbert Haberkorn
• Schuhforum (Neufarner Straße 1) – Conni Probstmeier
• SchnickSchnack (Hauptstraße 11) – Conny Boy
• Bestattung Imhoff (Hauptstraße 14) – Conny Boy, Rosemarie Hingerl
• EP:Wondra (Hauptstraße 15) – Inge Schmidt

Eigentlich kam er überhaupt eher zufällig zum Malen. „Bei einem Urlaub 1992 in der Toskana habe ich ein paar Künstler aus München kennengelernt, mich mit ihnen und ihrem Schaffen angefreundet. Auch ein Bild habe ich von ihnen gekauft und danach selbst Schritte in diese Richtung unternommen.“ Dass er überhaupt Zeit für diese Art von Muße hatte, war einer Revisionszeit in jenem Konzern zu verdanken, für den Haberkorn von 1976 bis 2009 unterwegs war. „Mit Praktika hatte es begonnen, danach folgte eine spannende Zeit in München, in der ich viel über Digitalisierung und Chip-Technologie gelernt habe. Ich forschte mit an der Automatisierung von Produktionsanlagen, kam bis nach Japan, um dort mit der Kaizen-Methode vertraut zu werden, einem Prozess permanenter Verbesserung. Diese habe ich zusammen mit Kollegen in unsere Werke überall in der Welt gebracht, wir haben dabei ein ganz neues, Aufsehen erregendes Teamtraining entwickelt.“

Poing: Im Haus als Künstler ausgebreitet

Haberkorn war als Bub sehr behütet in einem landwirtschaftlichen Anwesen aufgewachsen, sein Vater war Melklehrer. „Der kannte damals jeden Bauern in der Umgebung und schickte mich auf die Schule in Wolfratshausen. Als die Familie nach Grub bei Poing umzog, kam ich ins Internat nach Wasserburg und machte dort einen Realschulabschluss. Da ich immer schon Ingenieur werden wollte, mein Vater mir aber eine Lehre bei einer Firma mit Fernmeldetechnik vermittelt hatte, kam ich über den sogenannten zweiten Bildungsweg schließlich an die Technische Universität in München und studierte Nachrichten-Technik.

Quereinsteiger in die Kunst

1970 lernte er, im Fasching, seine Frau aus Schweden kennen. Einige Jahre später, nach Heirat und der Geburt seiner Kinder, zog die Familie 1987 in jenes Haus in Poing, in dem sich Norbert Haberkorn seit Jahren als Künstler ausbreitet. Er bekam Kontakt zum berühmten Schwabinger Künstler-Stammtisch im Gasthaus Atzinger, ließ sich von dem Dänen Asgar Jorn inspirieren. Dieser malerische Freigeist, dem Kommunismus nahestehend und ein Vertreter der figurativ-abstrakten Formen, beeindruckte Haberkorn mit seiner Art, unkonventionell zu arbeiten. „Ich mag es, nicht in eine bestimmte Richtung denken zu müssen. Ich selbst bin ein Quereinsteiger in die Kunst und nehme mir gerne Freiheiten. Diese Art von persönlichem Ausdruck sollte schließlich immer von innen heraus kommen und frei sein.“ Demnächst will Norbert Haberkorn wieder einige Tage auf Gotland verbringen.

Friedbert Holz

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