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Eng geht’s manchmal zu im Westring in Poing-Nord. Für die Anwohner kein Problem, andere wiederum wollen, dass die Straße ohne parkende Autos befahrbar wird. 

Bürger sollen mitreden

Meinungsstreit um Poinger Westring

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Von der Anwohnerstraße hat sich der Westring in Poing-Nord zur heimlichen Ortsumfahrung entwickelt. Ob und wie der Westring die Verkehrsbelastung in Zukunft schafft, darüber gibt es zwei Meinungen. Nächste Woche findet eine öffentliche Diskussion dazu statt.

Poing – Auf einer Liste mit 154 Unterschriften fordern die Anwohner des Westrings, dass der jetzige Zustand der Straße beibehalten werden soll: Tempo 30, Rechts-vor-Links-Regelung und parkende Autos. Dadurch, so die Meinung der Anlieger, würde die Sicherheit insbesondere von Fußgängern und Radfahrern aufrecht erhalten, weil die durchfahrenden Autos nicht wie auf einer Rennstrecke rasen könnten.

In der Bürgerversammlung im Mai hatte Josef Resch im Namen der Anwohner einen entsprechenden Antrag an den Gemeinderat gestellt. In der Sitzung am Donnerstagabend stand dieser nun auf der Tagesordnung, zahlreiche Anwohner waren in gespannter Erwartung in den Sitzungssaal gekommen und harrten bei schwülheißen Temperaturen (der Saal verfügt über keine Klimaanlage) 45 Minuten gewartet, bis der Antrag zur Sprache kam. Allerdings wurden sie enttäuscht, denn Hauptamtsleiter Jürgen Rappold verkündete lediglich, dass der Antrag zurückgestellt werde. Begründung: Der Gemeinderat soll sich erst nach einer öffentlichen Info- und Diskussionsveranstaltung mit dem Thema befassen. Diese findet am Mittwoch, 28. Juni, in der Aula der Anni-Pickert-Schule statt. Beginn ist um 19 Uhr.

Dort werden auch andere Stimmen zu hören sein, die den Westring baulich und verkehrsrechtlich geändert sehen wollen. Beispielsweise die CSU-Fraktion im Gemeinderat. Zweiter Bürgermeister Franz Langlechner plädierte in der Vergangenheit dafür, dass die Verkehrsregelung im Westring jener der angrenzenden Bergfeldstraße angeglichen wird. Dort sind 50 km/h erlaubt, während der Westring Zone 30 ist. Außerdem gilt für die Bergfeldstraße kein Rechts-vor-Links. Dieses Durcheinander müsse angepasst werden, so Langlechner. Darüber hinaus hält er, ebenso wie Werner Dankesreiter von den Grünen, den Westring für zu gefährlich für Radfahrer – aufgrund der parkenden Autos. Gebe es Halteverbote, würde der Verkehr besser fließen.

Dem widersprechen die Anwohner und argumentieren, dass der Stop-and-Go-Verkehr zur Sicherheit beitrage. Außerdem habe es bislang „keinerlei Stausituationen durch parkende Autos gegeben“, sagte Josef Resch in der Bürgerversammlung. Und: Sollte die Gemeinde ein Park- und Halteverbot erlassen, müssten die Anwohner bzw. deren Besucher auf andere Straßen ausweichen, um zu parken.

Andere Bürger, insbesondere aus den Neubaugebieten Zauber- und Seewinkel, halten dagegen, dass es sehr wohl zu Staus komme, insbesondere im morgendlichen Berufsverkehr. Da sei es schon passiert, dass der Linienbus aufgrund Wartezeiten im Westring es nicht rechtzeitig und taktmäßig zur nächsten S-Bahn Richtung München geschafft hat. Zum Ärger der Pendler.

Darüber hinaus gibt es zwei weitere Gedankenspiele: Die Errichtung eines Fahrradweges auf der Nordseite des Westrings, als Verlängerung des bestehenden Radweges an der Bergfeldstraße. Und die Auflösung der beiden Wertstoffinseln am Westring.

All dies wird bei der Info- und Diskussionsveranstaltung zur Sprache kommen. Dort wird zudem ein aktuelles Verkehrsgutachten vorgestellt, das Bezug nimmt auf die beiden noch zu realisierenden Neubaugebiete W7 und W8, nördlich der Bergfeldstraße. Die beiden Quartiere sollen Wohnraum für insgesamt 4000 Menschen bieten. In Folge dessen werde der Verkehr im Westring, der sich in den vergangenen Jahren zur heimlichen Nordumfahrung der Gruber Straße sowie zur Zu- und Abfahrtsstraße für die Neubaugebiete Zauber- und Seewinkel entwickelt hat, deutlich zunehmen. Laut Gutachten, das bereits im Gemeinderat vorgestellt wurde, wird sich die Zahl der Fahrzeuge auf dem Westring in den nächsten Jahren in etwa verdoppeln – von derzeit rund 3000 auf dann gut 6000 pro Tag.

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