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Seine Tür steht immer offen: Thorsten Gürntke, Jugendsozialarbeiter an der Anni-Pickert-Mittelschule.

Jugendsozialarbeit

Vertrauensmann für alle Fragen

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Jugendsozialarbeiter Thorsten Gürntke wird von Poings Mittelschülern zu allen möglichen Dingen um Rat gebeten. Von Berufswahl über Mobbing bis hin zum Rauchen aufgeben.

Poing – Als Thorsten Gürntke im Jahr 2004 mit Jugendsozialarbeit an einer Mittelschule in Dachau begonnen hat, handelte es sich um eines der ersten Pilotprojekte dieser Art in Bayern. Sozialarbeit an Schulen? Braucht’s das? Heute, 14 Jahre später, ist die Antwort klar: Ja. Nach anfänglichen Bedenken sowohl von Schülern als auch von Eltern ist die JaS, so die Abkürzung für „Jugendsozialarbeit an Schulen“, nicht mehr wegzudenken.

Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist der 46-jährige Sozialpädagoge Thorsten Gürntke an der Anni-Pickert-Mittelschule in Poing tätig, angestellt ist er von der Gemeinde. Er unterliegt der Schweigepflicht, auch gegenüber der Schulleitung. Von den rund 300 Schülern der 5. bis 10. Jahrgangsstufe waren bislang 122 bei ihm, erzählt er. Insbesondere wegen Berufsberatung und Hilfestellung für Bewerbungen, außerdem wegen Streitigkeiten von Jugendlichen untereinander, wegen Mobbings, und manchmal auch wegen psychischer Probleme. Die oftmals mit den vorherigen Themenbereichen wie Streit und Mobbing zu tun haben.

„Manche Jugendliche haben ein verändertes Selbstwertgefühl“, berichtet Gürntke. Sie fühlten sich wenig bis nichts mehr wert. Begründet oftmals in negativen Kommentaren, die sie auf ihren Profilen in sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder Snapchat erhalten haben. Es liegt in der Natur der Pubertät, dass sich Jugendliche bei solchen Dingen nicht immer sofort den Eltern anvertrauen, sondern zum Beispiel dem Schul-Jugendsozialarbeiter Thorsten Gürntke. Auch bei Fragen, wie man mit dem regelmäßigen Rauchen und/oder Alkoholgenuss wieder aufhören kann.

In den Anfangszeiten, vor 14 Jahren, so erzählt der 46-Jährige aus seiner Erfahrung, habe es viel weniger Schüler gegeben, die den Kontakt zu JaS gesucht haben. Warum

Zur Berufsinfomesse kamen mehrere hundert Schüler, rund 60 Unternehmen hatten sich dort präsentiert.

sich das geändert hat und immer mehr geworden ist, das fragt sich Gürntke immer wieder. Ob Pubertierende heutzutage mehr Gesprächsbedarf und Hilfe benötigen? Eine Vermutung des Sozialpädagogen: „Die Jugendlichen brauchen und wollen mehr Unterstützung.“ Durch die Nachrichtenflut in der digitalen Welt und durch die sozialen Medien ist der Dschungel dichter geworden.

Unterstützung bietet Thorsten Gürntke sowohl in Einzelgesprächen als auch in Gruppenarbeit an. In den Klassen thematisiert er beispielsweise den sinnvollen Umgang mit dem Handy, führt Projekte zum Thema Mobbing durch, bei denen Schüler mittels Rollenspiele sich in die Gefühlswelt von Täter und Opfer versetzen können. Als nächstes plant er in Zusammenarbeit mit der Polizei Aufklärung in Sachen Strafmündigkeit. „Sensibilisierungsarbeit in den Klassen“, nennt Gürntke all dies.

Etwa ein Drittel der Gespräche, die er mit Jugendlichen der Anni-Pickert-Mittelschule führt, dreht sich um Berufsberatung. Er gibt Schülern Tipps, wie Bewerbungen aussehen und wie die Jugendlichen im Vorstellungsgespräch auftreten sollten. Dazu gehören auch Kleinigkeiten, wie: „Da ziehst Du lieber nicht Deine zerrissene Jeans an.“ Und: „Du kannst schon jugendlich sein, aber sei ordentlich jugendlich.“

Diesen Rat hat Thorsten Gürntke auch im Vorfeld der Berufsinfomesse gegeben, die er mitorganisiert hat und die am Donnerstag stattfand (wir berichteten). Rund 60 Firmen haben sich präsentiert, mehrere Hundert Jugendliche aus Markt Schwaben und Poing (von der Mittelschule bis zum Gymnasium) konnten sich dort über Praktika und Ausbildung informieren. Am Freitag, dem Tag danach, liegen Gürntke erste Rückmeldungen von Unternehmen vor. In dem Fragebogen, den die Betriebe im Nachgang der Veranstaltung ausfüllen konnten, ist mehrmals „die Höflichkeit und Freundlichkeit der Schüler“ als positiv auffallend genannt worden. Das freut Gürntke, der seine Arbeit als „Hilfe zur Selbsthilfe“ bezeichnet, sehr.

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