+
Nachts an einer Bushaltestelle in Poing: Plötzlich gerät ein 17-Jähriger in Lebensgefahr (Symbolbild). 

Horror-Nacht in Poing

„Wenn ich will, kann ich dich töten“ - Azubi bangt an Bushaltestelle um sein Leben

  • schließen

Albtraum für einen 17-jährigen Azubi. Ein 18-jähriger Deutscher zerrt ihn eine Dreiviertelstunde durch Poing und hält ihm Scherbe an den Hals. 

Poing– Es ist kurz vor Mitternacht im Juni. Ein 17-Jähriger sitzt alleine in Poing an einer Haltestelle und wartet auf den Bus. Ein 18-Jähriger taucht auf, in seiner Hand hält er eine Bierflasche. Er setzt sich neben ihn, quatscht mit ihm über die Schule, über Abschlussnoten, über dies und das. Dann rastet er aus.

Er zerschlägt die volle Bierflasche, nimmt eine der Scherben und drückt sie an den Hals des 17-Jährigen. „Wenn ich will, kann ich dich töten“, sagt der 18-Jährige. Der 17 Jahre alte Azubi hat Angst. Große Angst. Noch 45 Minuten wird ihn diese Angst begleiten und vielleicht sein Leben lang nicht wieder loslassen.

Eine Dreiviertelstunde dauert das Martyrium

Der 18-Jährige aus dem nördlichen Landkreis, ebenfalls Azubi, packt ihn am Hals und führt ihn durch Poing. Ohne Ziel. Immer wieder sagt er: „Ich könnte dich töten.“ Die Scherbe hält er weiter an den Körper des 17-Jährigen. Aus Ritzen und kleinen Schnitten am Arm, Rücken und Hals blutet er. Nach einer Dreiviertelstunde ist das Martyrium zu Ende. Freunde aus der ehemaligen Parallelklasse des 17-Jährigen kommen dazu, der 18-Jährige lässt ihn los. Die Scherbe schmeißt er in ein Gebüsch.

Vor dem Amtsgericht in Ebersberg muss sich dieser nun für „den Aussetzer“, wie er die Aktion nennt, die er gleich gesteht, verantworten. Dass er einen anderen Menschen mit dem Tod bedroht hat, könne er sich nicht erklären. Mit seinem grauen Hemd, seinen längeren, braunen Haaren, die er lässig zur Seite hängen hat, wirkt er auf der Anklagebank wie ein schüchterner Schuljunge.

Sechs Bier, halbe Flasche Jägermeister, Tränen 

In der Nacht im Juni 2017 soll das anders gewesen sein. Sechs Bier, mehr als eine halbe Flasche Jägermeister habe er getrunken, alleine, aus Frust, aus Trauer, weil er nicht mehr weiter wusste, wie er erklärt. Seine Mutter habe wenige Tage davor die Nachricht bekommen, dass sie an ihrer Krebserkrankung in den kommenden Monaten sterben werde, erzählt er so leise, dass es Richterin Vera Hörauf gerade noch versteht. Er weint.

„Man sieht, dass Ihnen das nahe geht“, sagt Hörauf. Was ihn letztendlich dazu brachte, derart auszurasten, wollte sie wissen. Er wisse es nicht. Er wisse vieles aus der Nacht nicht mehr. Es sei wie ein „Fotoalbum, aus dem Bilder fehlen“, sagt er. „Irgendwas muss er gesagt haben, das...“. Er schnippt mit dem Finger.

Im Mai geht der Prozess weiter

Er, der 17 Jahre alte Auszubildende, der zufällig in der Gegend war und auf den Bus wartete. Vor Gericht erzählt er, was der Angeklagte nicht mehr wisse: Er soll mit der Scherbe in der Hand gesagt haben, „dass ich froh sein soll, dass ich eine gesunde Familie habe“. Am schlimmsten sei die Scherbe am Hals gewesen, sagt er. Nach der Nacht musste der heute 18-Jährige für Monate in psychiatrische Behandlung.

Der Angeklagte schaut das Opfer an. „Es tut mir leid“, sagt er. „So eine Entschuldigung vor Gericht ist so eine Sache“, sagt der 18-Jährige. Er müsse darüber nachdenken. Der Prozess wird im Mai fortgesetzt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gymnasiumstatt Hundewiese
Die öffentliche Hundewiese in Poing wird diese Woche geschlossen. Es gibt aber schon Ersatz. 
Gymnasiumstatt Hundewiese
Anzinger fliegen nach Wolinzy
Die Anzinger Wolinzy-Hilfe engagiert sich seit vielen Jahren für notleidende Kinder aus der Gegend von Tschernobyl. Jetzt reist eine Delegation nach Weißrussland, um vor …
Anzinger fliegen nach Wolinzy
Lärmschutz im Landkreis Ebersberg droht Verspätung
Was haben die Gemeinden Vaterstetten, Zorneding, Kirchseeon, Aßling und Grafing gemeinsam? Sie alle halten die bisherigen Lärmschutzbemühungen der DB Netze AG bzw. deren …
Lärmschutz im Landkreis Ebersberg droht Verspätung
Kilian Josef aus Kirchseeon
Da hat es sich einer gemütlich gemacht. Kilian Josef ist einfach in den Armen seiner Mama eingeschlafen und hat sich ins Land der süßen Träume verabschiedet. Der Bub ist …
Kilian Josef aus Kirchseeon

Kommentare