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Die Geothermieanlage

Bayernwerk stoppt Fernwärme-Anlage

Nach Erdbeben in Poing: Geothermie-Betreiber unter Druck

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    Josef Ametsbichler
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Paukenschlag aus der Bayernwerk-Zentrale: Nach einem erneuten Erdstoß in der Nähe der Geothermie-Bohrung in Poing (Kreis Ebersberg) schaltet der Konzern die Anlage vorübergehend ab – ohne aber einen Zusammenhang zwischen Beben und Bohrung einzuräumen.

Poing/Pliening – Am Ende war es wohl das Machtwort des Poinger Bürgermeisters, das die Pumpen der Geothermieanlage in seiner Gemeinde gestern zum Stillstand brachte. Das Bayernwerk, das an dem Standort südöstlich von München seit 2012 Fernwärme erzeugt, schaltete die Anlage vorübergehend ab, „um dem Wunsch der Gemeinde nachzukommen und besorgten Bürgern etwaige Ängste zu nehmen“. Das teilte der Betreiber in einer Erklärung mit.

Das Haus der Barettis ist gegen Erdbebenschäden versichert

Anlass für diese Ängste ist ein Erdbeben der Magnitude 2,0, das sich am Samstag um 19.20 Uhr im nördlichen Landkreis Ebersberg ereignete (wir berichteten). Das Zentrum lag in Poings Nachbargemeinde Pliening, wo das abgekühlte Wasser aus dem Poinger Bohrloch wieder zurück in die Erde gepresst wird. Es ist nicht das erste Beben in der Region: Bereits im Dezember 2016 hatten zwei leichte, aber spürbare Erdstöße binnen weniger Tage für Beunruhigung unter den Anwohnern gesorgt.

Beunruhigt ist auch Andrea Baretti. Die 34-Jährige wohnt in einem Poinger Ortsteil, der sich zwischen den beiden Bohrlöchern der Geothermie befindet. „Langsam wird’s unheimlich“, sagt sie. Viele ihrer Nachbarn in dem Neubaugebiet wollen nun abklären, ob ihr Haus wie das der Barettis gegen Erdbebenschäden versichert ist. Nach dem Erdstoß vom Samstag hatte eine Poingerin der Polizei Risse im Dachgeschoss ihres Hauses gemeldet. Ob das Beben dafür aber tatsächlich die Ursache ist, steht noch nicht fest.

„Unwahrscheinlich, dass die Geothermie nichts mit den Beben zu tun hat“

Ebenfalls nicht bewiesen ist, ob die drei verspürten Erdstöße im Bereich von Poing und Pliening von den Bayernwerk-Bohrungen verursacht wurden. „Ausdrücklich festhalten möchten wir, dass es bislang keine Belege für den Zusammenhang der lokalen Beben mit dem Betrieb der Geothermieanlage gibt“, erklärt der Konzern in seiner Stellungnahme.

Ein Spezialist vom Erdbebendienst Bayern der Ludwig-Maximilians-Universität München sagt dazu: „Es ist unwahrscheinlich, dass die Geothermie nichts mit den Beben zu tun hat.“ Mit der aktuellen Datenlage sei ein Zusammenhang zwar nicht zu beweisbar, die räumliche Nähe der Bohrungen und der Epizentren sowie die Tatsache, dass vor Inbetriebnahme der Anlage in der Region nie Erdstöße aufgetreten seien, mache einen Zusammenhang aber denkbar.

Klärung soll nun ein Gutachten des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik in Hannover (LIAG) bringen, das bereits angesichts der ersten Beben vor rund neun Monaten in Auftrag gegeben wurde. Dieses werde in Kürze vorliegen, vermeldet das Bayernwerk. Dann will sich auch die Aufsichtsbehörde, das bei der Regierung von Oberbayern angesiedelte Bergamt Südbayern, zur Ursache der Erdbeben äußern.

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