Bildungs im Landkreis Ebersberg

Neues Gymnasium: Poing will's wissen

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Poing - Weil der Landkreis München den Bau eines neuen Gymnasiums vorantreibt, der Landkreis Ebersberg aber nicht, geht die Gemeinde Poing in die Offensive. Ziel: Eine Oberschule, so schnell wie möglich, im eigenen Ort.

Die Gemeinde Poing und ihre Gemeinderäte erleben derzeit ein Déjà-vu: Wie einst bei der Realschule, stoßen sie auch bei der Forderung nach einem eigenen Gymnasium bislang auf taube Ohren. Damals gaben die Kommunalpolitiker und viele Eltern nicht auf - und wurden am Ende belohnt: Die Dominik-Brunner-Realschule ist im Gegensatz zu den damaligen Meinungen von Kreistag und Kultusministerium mehr als notwendig gewesen. Viel mehr Schüler als prognostiziert besuchen heute diese weiterführende Schule.

In Sachen Gymnasium steht Poing erneut an einem Anfang - und vor einer Wand der Ablehnung. Der zuständige Kreisausschuss vertagte die Entscheidung auf einen Neubau bis 2020, legte sich immerhin aber auf Poing als einzigen Standort fest – im Falle des Falles.

Das Kultusministerium? Gibt sich ähnlich konservativ und nicht am Puls der Zeit wie damals bei der Realschule. Das Wachstum und die prognostizierten Einwohnerzahlen (knapp 20 000 in etwa fünf Jahren) scheinen Minister Ludwig Spaenle (CSU) und dessen Mitarbeiter nicht zu interessieren. Auch, als der Bau der Realschule in der Diskussion war, hieß es aus dem Ministerium sinngemäß: Die Schülerzahlen hierfür sind nicht vorhanden. Damals wie heute zählt bei den Berechnungen und Entscheidungen lediglich der Ist-Zustand der Bevölkerung, nicht, was in den nächsten Jahren an neuen Baugebieten ausgewiesen und an Zuzügen passieren wird.

Vor Kurzem beschloss der Kreistag des Nachbarlandkreises München, dass im Osten der Landeshauptstadt ein Gymnasium unbedingt notwendig ist und gebaut werden soll. Als Standorte kämen Feldkirchen und Aschheim in Frage (wir berichteten). Poings Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) befürchtet, dass der Zug für seine Gemeinde dann abgefahren sein könnte, würde in unmittelbarer Nachbarschaft eine weitere Oberschule gebaut werden. Weil es dann hieße: Die Poinger Schüler könnten nach Markt Schwaben oder nach Feldkirchen/Aschheim fahren.

Eine Situation, die Gemeinderatsmitglied Rainer Koch (SPD) nicht verstehen und akzeptieren würde. „Wir haben jetzt knapp 16 000 Einwohner, bald über 18 000 Einwohner. Aber ohne Gymnasium. Ein so großer Ort ohne eigenes Gymnasium: Das gibt es fast nirgendwo“, sagte er am Donnerstagabend in der Gemeinderatssitzung. Deshalb müssten Gemeinde und Gemeinderat alles dafür tun, gemeinsam für ein eigenes Gymnasium einzutreten.

Das sehen alle andere Fraktionen genauso, auch wenn es in der Diskussion ein kurzes Scharmützel gab um den aktuellen Antrag der SPD. CSU-Gemeinderat Herbert Lanzl warf der gegenüberliegenden Seite vor, dass es sich lediglich um einen „Schaufenster-Antrag“ handele. Das wies SPD-Fraktionssprecherin Bärbel Kellendorfer-Schmid zurück, denn: „Wir wollen, wir brauchen ein Gymnasium.“ Dem hatte Lanzl nichts entgegenzusetzen, er sagte: „Ich will das schon auch.“ Dennoch blieb er bei seiner Meinung, der Antrag sei unsinnig, weil sowieso klar sei, dass alle den Bau einer Oberschule in Poing wollen.

Bürgermeister Hingerl sagte mit kämpferischer Stimme: „Wir sind jetzt an einem Scheitelpunkt angelangt. Wir müssen alles tun, dass wir ein Gymnasium bekommen. Sonst ist der Zug abgefahren.“

Laut Schulentwicklungsgutachten, welches der Landkreis Ebersberg vergangenes Jahr hat erstellen lassen und präsentiert hat, könne es in Poing deshalb keine Oberschule geben, weil dann der Bestand des Franz-Marc-Gymnasiums in Markt Schwaben gefährdet sei. Hingerl kündigte an, dass die Gemeinde Poing dieses Gutachten prüfen lassen werde, denn: „Es geht nur um wenige 100 Schüler, die uns fehlen für ein eigenes Gymnasium.“ Er verwies auf die Diskussionen um die heutige Realschule. Auch damals hatten die höheren politischen Stellen und Behörden immer wieder darauf hingewiesen, in Poing gebe es hierfür zu wenige Schüler.

Mittlerweile ist diese Behauptung mehr als widerlegt worden: Die Dominik-Brunner-Realschule ist dreizügig - und der Andrang reißt nicht ab. „Bei der Realschule sieht man, dass es sich lohnt zu kämpfen“, warb Hingerl am Ende der Diskussion den Gemeinderat um Unterstützung. Alle Mitglieder stimmten dem Antrag der SPD-Bürgerliste zu, dass die Gemeinde Poing alle Anstrengungen unternimmt für den Bau eines Gymnasiums. Insbesondere soll geprüft werden, ob und wie eine Kooperation mit dem Landkreis München möglich sei.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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