Zwei Nikoläuse
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Coronakonforme Lösung: Die beiden Poinger WSVSmH-Nikoläuse Armin Rösl (li.) und Dominik Junga (re.) kommen heuer nicht in die Häuser. Sie bieten Familien an, den Nikolaus in den Poinger Kirchen zu besuchen – Privataudienzen, quasi. Der Spendenerlös geht an die Stiftung Regentropfen in Ghana.

Audienz statt Hausbesuch

Nikolaus in Corona-Zeiten? Das geht! Poinger Initiative macht‘s möglich - gemeinsam mit der Kirche

Kein Nikolaus wegen Corona? In Poing ist der Nikolausbesuch möglich: Die Privatinitiative „Weltstadtvorstadt mit Herz“ bietet für Familien eine ganz besondere Lösung an.

  • In einem Monat kommt der Nikolaus - normalerweise.
  • In Corona-Zeiten sind Nikolausbesuche vermutlich schier unmöglich.
  • Poinger Privatinitiative hat eine Lösung - zusammen mit der Kirche.
  • Audienzen für Familien - nur nach Anmeldung
  • Nikolaus bekommt Corona-Schnelltest

Was macht der Nikolaus in Corona-Zeiten? Sind Nikolausbesuche überhaupt möglich? Fragen, die derzeit alle Vereine und Organisationen umtreiben, die jedes Jahr einen Nikolausdienst anbieten. So auch den Poinger Armin Rösl (47) mit seiner Privatinitiative „Weltstadtvorstadt mit Herz“ (WSVSmH). Schon seit Oktober ist er mit über 50 Anmeldungen ausgebucht und hatte ein erstes, coronataugliches Konzept erstellt: Der Nikolaus kommt nicht zu den Kindern ins Haus, sondern die Kinder kommen zum Nikolaus heraus. In den Garten, vor die Tür oder auf die Terrasse. Am 5. und 6. Dezember (Samstag und Sonntag) durchgehend im Freien – jeweils etwa sechs bis acht Stunden am Stück.

Poing: Erste Überlegung: Nikolaustour im Freien

Mit dem neuerlichen Lockdown und der Ungewissheit, ob und wie Nikolausbesuche und mit wie vielen Haushalten/Teilnehmern auch im Freien möglich sind, hat Rösl diese Idee wieder verworfen. Zumal er und sein Kollege Dominik Junga (der 21-jährige Lehramtsstudent aus Poing ist heuer zum dritten Mal ebenfalls für WSVSmH als Nikolaus unterwegs, damit alle Anfragen bedient werden können) sich nicht der Gefahr aussetzen wollten, a) möglicherweise etwas nicht Erlaubtes zu tun und b) sich bei entsprechendem schlechten Wetter mit dem Corona-, Grippe- oder einem anderen Erkältungsvirus zu infizieren und dann als „Nikolaus-Superspreader“ den Virus herumzutragen. Was tun?

Poings Pfarrer von Idee begeistert

„Viele Eltern haben schon bei der ersten Anmeldung geschrieben, dass der Nikolaus unbedingt kommen soll, um den Kindern wenigstens ein bisschen Normalität zu bieten“, erzählt Rösl. Beim Joggen kam ihm vor ein paar Tagen die Idee: „Dann machen wir es halt anders herum: Die Kinder kommen ins Haus vom Nikolaus“, erzählt der 47-Jährige angelehnt an den Kindermalspruch „Das ist das Haus vom Nikolaus“. Er telefonierte mit Poings katholischem Pfarrer Philipp Werner, der war von der Idee sofort begeistert. „Ich freue mich, dass wir mit dieser Aktion Familien die Möglichkeit geben können, den Nikolaus zu besuchen“, sagt er. Ohne Zögern öffnet er beide Kirchen, sowohl die Pfarrkirche Sel. Rupert Mayer als auch die Kirche St. Michael in Poing-Süd, für die beiden WSVSmH-Nikoläuse. „Das passt sowieso gut zusammen, der Nikolaus in der Kirche“, sagt Werner.

Audienzen beim Nikolaus

Kommerziell – was nicht in eine Kirche passen würde – ist der WSVSmH-Nikolausdienst sowieso nicht: Es handelt sich um eine rein ehrenamtliche Aktion, lediglich um Spenden wird gebeten. Das Geld geht ohne jegliche Abzüge 1:1 an die WSVSmH-Patenkinder der Stiftung Regentropfen in Ghana.

Am 5. und 6. Dezember wird Armin Rösl in einer, Dominik Junga zeitgleich in der anderen Kirche stehen und die Besuche empfangen. Nikolaus-Audienzen, quasi. Da die Gotteshäuser auch während des Lockdowns geöffnet haben dürfen, dürfte diese Lösung für das Nikolauswochenende sicher sein. Zumal die WSVSmH-Nikoläuse die bestehenden Hygiene- und Abstandsregelkonzepte der Kirchen nutzen: Einbahnstraßensystem, Masken tragen bis zum Platz, Desinfektionsmittel sind vorhanden.

Poing: Corona-Schnelltest für Nikolaus

Wie viele Haushalte dann zu Besuch kommen dürfen, ist derzeit unklar. Laut aktueller Corona-Vorgaben sind es zwei Haushalte, da es sich bei der Nikolausaktion um keinen Gottesdienst handelt. Aufgrund Corona ist der Besuch beim Nikolaus nur nach vorheriger Anmeldung möglich (per E-Mail an: wsvsmh@yahoo.com). Nach aktuellem Stand sind nur noch wenige Zeitfenster frei. Jede Familie erhält (je nach Anzahl der Kinder) zwischen 20 und 30 Minuten, damit genügend Zeit ist, um einen Begegnungsverkehr mit anderen Familien zu vermeiden. Der WSVSmH-Nikolausdienst ist ausschließlich für Familien aus der Gemeinde Poing.

Um sicherzugehen, dass Armin Rösl und Dominik Junga nicht unwissentlich selbst vom Coronavirus infiziert sind und andere anstecken, macht Philipp Werner folgendes möglich: Beide Nikoläuse bekommen kurz vor dem Start der Audienzen einen Corona-Schnelltest unter ärztlicher Aufsicht. „Wir haben in der Pfarrei bereits diese Tests, bei denen nach 15 Minuten das Ergebnis da ist“, berichtet Poings Pfarrer.

Letzte Frage: Wie kommen die Geschenke in den Nikolaussack? Das ist ein Geheimnis, das die WSVSmH-Nikoläuse für sich behalten. Ein bisschen Zauber für die Kinder, die eventuell diesen Text lesen, soll ja bleiben.

Übrigens: „Weltstadtvorstadt mit Herz“ hat im Sommer Poings erste Modekollektion (T-Shirts und Mund-Nase-Masken) herausgeben. Der Erlös geht ebenfalls an die Patenkinder in Ghana.

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