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Der Neubau der Grundschule Karl-Sittler-Straße ist eine der Mammutprojekte, die Poing derzeit stemmt. Fertig werden soll sie im Herbst 2019. Im Hintergrund ragt das Rathausgebäude empor.

Haushalt

30 Millionen Euro Schulden? Kein Stress!

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Wegen zahlreicher Großbauprojekte wird die Gemeinde Poing gut 30 Millionen Euro Schulden anhäufen. Die werden, wenn alles gut geht, rasch wieder abgebaut.

Poing – Die Entwicklung und das Wachstum der Gemeinde Poing spiegeln sich nicht nur in der stetig steigenden Einwohnerzahl nieder, sondern auch in den Finanzen. Die einfache Rechnung: Mehr Menschen bedeuten mehr (Pflicht-)Aufgaben und mehr Personal im Rathaus. Die Personalkosten beispielsweise betrugen im Jahr 1998 noch zwei Millionen Euro, in 2017 waren es knapp sechs Millionen Euro. Das Gesamtvolumen des Haushalts ist von gut 13 Millionen Euro im Jahr 1998 auf rund 75 Millionen in 2018 gestiegen, berichtete Kämmerer Holger Schmidt in der Finanzausschuss-Sitzung des Gemeinderates am Dienstagabend. Dort präsentierte er den Haushalt für 2018 und den Finanzplan bis 2022.

Weil Ausschuss und Gemeinderat in den vergangenen Jahren sämtliche Projekte angestoßen und beschlossen haben, birgt der Haushalt keine Überraschungen. Auch, dass die Gemeinde in den kommenden Jahren bis zu 30 Millionen Euro Schulden anhäufen wird, war und ist so gewollt. Weil notwendig. Zum einen für die vorgeschriebene Kreisumlage an den Landkreis Ebersberg (etwa 12,8 Millionen Euro), zum anderen vor allem für Investitionen wie den Neubau der Grundschule Karl-Sittler-Straße (22,9 Millionen Euro) in Poing-Süd, die neue Bahnunterführung (11,7 Millionen Euro) und das neue Lehrschwimmbad (6,2 Millionen Euro) plus Schulmensa (1,9 Millionen Euro), die beide an der Anni-Pickert-Schule errichtet werden. Nicht zu vergessen die Verlängerung der Anzinger Straße (6,7 Millionen Euro), etwa 1,9 Millionen Euro Anteil (Grundstückskauf) für den Bau des neuen Gymnasiums sowie die knapp 23 Millionen Euro, die die Gemeinde Poing bereits in den Neubau der Grundschule am Bergfeld gesteckt hat. Demnach war es nicht überraschend, dass der Finanzausschuss dem Haushalt 2018 sowie dem Finanzplan ohne große Diskussion einstimmig angenommen hat. Den endgültigen Beschluss wird noch der Gemeinderat fassen.

Bei öffentlichen Bauprojekten erhält die Kommune, wie jede andere auch, auf Antrag staatliche Fördermittel. Bei Poing kommt in Sachen Bahnunterführung eine finanzielle Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft der Bauträger und Investoren (ARGE) am Bergfeld hinzu, die vertraglich vereinbart ist.

Die größten Posten auf der Einnahmenseite sind Gewerbesteuer und Einkommenssteuerbeteiligung. Letzteres ist dank des Bevölkerungswachstums und der damit verbundenen Einkommen hoch – vergangenes Jahr war es ein Betrag von knapp 13 Millionen Euro. Ein ähnliches Ergebnis wird für heuer erwartet, für 2019 in etwa 14 Millionen Euro.

Den Löwenanteil am Gesamtbetrag der Gewerbesteuer (15,4 Millionen in 2017, jeweils rund 14,5 Millionen Euro in 2018 und 2019) tragen einige wenige, große Unternehmen, die in Poing ansässig sind. Auch wenn die Gemeinde davon gewissermaßen abhängig ist, hat Finanzchef Holger Schmidt die Ausschussmitglieder am Dienstag beruhigt: Dank der Bildung von Rücklagen, die bis zum Jahr 2022 auf etwa 9,5 Millionen Euro ansteigen, könnte man im Notfall einen Einbruch abfedern.

Bis dahin aber werden die Rücklagen schmelzen, von elf Millionen auf 1,5 Millionen Euro im Jahr 2020. Erst, nachdem alle Investitionen getätigt sind, könne man wieder ein Polster bilden, so Schmidt. Trotz des bevorstehenden und beabsichtigten Rückgangs würden die Rücklagen nie den rechtlich vorgeschriebenen Mindestbetrag von gut einer halben Million Euro unterschreiten.

Nach dem Tal, das die Gemeinde bis 2020 durchschreiten wird, werde es laut Kämmerer wieder bergauf gehen. Nicht nur die Rücklagen würden wieder mehr, auch die Schulden könnten stetig abgebaut werden, von 30 Millionen im Jahr 2020 auf 21 Millionen Ende 2022.

„Der Haushalt hat nichts Überraschendes, sondern ist das Ergebnis der laufenden Jahre“, sagte Bürgermeister Albert Hingerl. Und mit Blick auf die Großprojekte wie Schul- und Schwimmbadneubau sowie Bahnunterführung fügte er hinzu: „Für die Schulden gibt es keine Alternativen.“

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