Ein Schlüssel steckt im Schloss einer Tür.
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Für das Aufsperren einer Wohnungstür verlangte ein Schlüsseldienst sehr viel Geld (Symbolbild).

Ebersberger Amtsgericht

Schlüsseldienst verlangt immensen Preis - Überraschende Wende in Wucher-Prozess

  • Raffael Scherer
    VonRaffael Scherer
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Ein Schlüsseldienst öffnete einer Poingerin die Tür für eine große Summe Geld. Sie klagte wegen Wucher - Vor dem Amtsgericht saß dann aber der Falsche.

Poing – Als eine Poingerin an einem Freitagabend kurz nach draußen ging, fiel die Tür hinter ihr zu. Der Schlüssel steckte noch auf der anderen Seite, der Ersatzschlüssel half ebenfalls nicht. Ein klarer Fall für den Schlüsseldienst.

Dieser kam fast zwei Stunden später. Schon nach wenigen Minuten war die Tür wieder auf und unversehrt. Als die 56-Jährige die Rechnung von den beiden Monteuren bekam, staunte sie über den Betrag: Fast 500 Euro verlangte die Firma. Die Frau bezahlte noch vor Ort mit Karte und ließ sich die Rechnung geben. Am Montag darauf ging sie damit zur Polizei und erstattete Anzeige wegen Wuchers.

Angeklagter gibt an, noch nie zuvor im Landkreis Ebersberg gewesen zu sein.

Nun fand sich über zwei Jahre später ein 28-Jähriger aus Oberhausen auf der Anklagebank des Ebersberger Amtsgerichts wieder. Von dem damals selbstständigen Monteur waren die Fingerabdrücke auf der Rechnung bei der Firma gefunden worden. Der Angeklagte stritt gegenüber Richterin Vera Hörauf ab, irgendetwas mit der Sache zu tun zu haben.

Zum Tatzeitpunkt sei er irgendwo in München gewesen, in der Ebersberger Region noch nie. Er habe in Sendling in einem Monteurs-Hotel gewohnt. Dort habe er zusammen mit mehreren Handwerkern aus verschiedenen Firmen in einem Zimmer geschlafen. Da könne es gut sein, dass ihm mal die Rechnung eines Mitbewohners in die Hand gefallen sei.

Zeugen sind sich bei Angeklagtem einig: „Ich glaube nicht, dass er es war“

Zumindest der dunklen Hautfarbe nach passte der Angeklagte zur Täterbeschreibung. Laut der Poingerin habe es sich bei den Dienstleistern um „einen Farbigen und einen eher arabisch aussehenden Typ“ gehandelt. Doch anscheinend meinte sie jemand anderen: „Ich glaube nicht, dass er das war, der hatte damals eine Glatze und ein längeres Gesicht“, sagte sie, als sie sich den Angeklagten ansah.

Auch die 49-jährige Nachbarin des Opfers beschrieb den Täter als „farbigen, großen, muskulös und gut aussehenden Mann.“ Beim Anblick des 28-Jährigen meinte sie jedoch: „Hässlich ist er auch nicht, aber kleiner.“ Die Poingerin denke ebenso nicht, dass der Angeklagte etwas mit der Tat zu tun habe. Die Geschichte, wie der Fingerabdruck des Angeklagten auf die Rechnung kam, erschien sowohl Staatsanwalt als auch Richterin Hörauf plausibel genug. Da sich die Zeugen ebenso einig waren, dass der Falsche auf der Anklagebank sitze, sprach ihn Richterin Hörauf frei.

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