+
Zum letzten Mal in der Backstube: Peter (li.) und Stefan Heiß schließen den Familienbetrieb in Poing-Süd. 

Ende eines Familienbetriebs

Ofen aus: Poings letzter Bäcker schließt

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
    schließen

Die Bäckerei Heiß in Poing-Süd schließt: Am 30. April ist zum letzten Mal geöffnet. Damit macht Poings letzter Bäcker zu - obwohl seit Corona die Umsätze sogar gestiegen sind.

Poing – Vor genau einem Jahr, als die Ebersberger Zeitungdie Bäckerei Heiß (Poststraße 22 in Poing-Süd) besuchte um nachzufragen, wie es dem Familienbetrieb während der Großbaustelle der benachbarten Karl-Sittler-Grundschule gehe, antwortete Geschäftsführer Stefan Heiß: „Ich mache es, so lange es geht.“ Ab 1. Mai geht nichts mehr: Stefan (37) und sein Vater Peter (62) haben am Donnerstag, 30. April, zum letzten Mal geöffnet. Danach sperren sie die Bäckerei zu, für immer. „Es geht nicht mehr“, sagt Stefan Heiß. Die Entscheidung sei zusammen mit seinem Vater schon im November gefallen. Aus wirtschaftlichen Gründen, sagen die beiden. „Schweren Herzens“, fügt Peter Heiß hinzu.

Poing: Spezialität Ananastörtchen

Die Traditionsbäckerei, deren Spezialität Ananastörtchen waren, gibt es seit 1960. Heuer hätte sie ihren 60. Geburtstag gefeiert. Schon vor einem Jahr sagte Stefan Heiß, der 2014 mit dem Bayerischen Meisterpreis ausgezeichnet wurde, dass er sich etwas anderes suchen würde, sollte sich die Bäckerei nicht mehr lohnen. Das hat er mittlerweile getan: Er habe die Zusage für eine Ausbildung zur Luftsicherheitskontrollkraft am Münchner Flughafen. Wegen Corona sei der Start allerdings vorläufig verschoben worden. Seine Frau Juvila, die in der Bäckerei mitgeholfen hatte, ist bereits in einem Bioladen als Verkäuferin tätig. Und Vater Peter? Er suche derzeit eine neue Stelle als Bäcker, antwortet der 62-Jährige. Sein 37-jähriger Sohn betont, dass er nie wieder als Bäcker arbeiten wolle: „Ich habe die Nase voll davon.“

Flughafen statt Bäckerei

Das Inventar der Backstube sei bereits verkauft, berichten Vater und Sohn. Das Haus selbst gehört der Familie. Was aus der Backstube und dem Verkaufsraum werde? Das wüssten sie noch nicht, antworten Peter und Stefan Heiß. Eine Catering-Firma habe Interesse bekundet.

Poing: Corona-Krise hat keine Schuld

Mit der Corona-Krise habe die Schließung übrigens nichts zu tun, betonen die beiden: „Seit Corona ist der Umsatz sogar um 30 Prozent gestiegen“, berichten sie. Weil die Menschen verstärkt beim örtlichen Bäcker eingekauft hätten. Wäre das schon in den vergangenen Jahren so gewesen, hätten sie vielleicht nicht schließen müssen, sinnieren Vater und Sohn. Jetzt aber ist es, wie es ist. An ihre Kunden richten sie einen Appell: „Sie sollen weiter bei einem Bäcker in der Region einkaufen und das Handwerk unterstützen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare