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„Der Friedhof ist ein Ort, wo wir zur Ruhe kommen“, sagt Thomas Freiner. Seine Frau Brigitte pflegt das Grab der verstorbenen Töchter. 

Ehepaar ist verzweifelt

Grabschändungen und Diebstähle am Friedhof in Poing

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Grabschändungen: Immer wieder kommt es zu Vorfällen am Gemeindefriedhof in Poing. Die Polizei rät zu einer Anzeige. Poinger Ehepaar: „Es zerreißt uns das Herz.“

Poing – Der vergangene Samstag, 30. Mai. Brigitte und Thomas Freiner gehen auf das Grab ihrer Töchter am Gemeindefriedhof in Poing. Fast jeden Tag kommen sie hierher. Diesmal ist das Ehepaar entsetzt: Ein komplettes Grabgesteck der Tochter wurde gestohlen. Schon wieder. Fünfmal innerhalb zwei Jahren wurde das Grab von Unbekannten verunstaltet und Deko gestohlen. „Es zerreißt mir das Herz“, sagt Freiner.

Der Tod von Angehörigen begleitet die Familie: 1993 verstarb die erste Tochter bei der Geburt, dann die Mutter von Thomas Freiner, im Januar 2019 sein Bruder. Wenige Monate später erlag plötzlich die zweite Tochter einem Krebsleiden. Sie war 30. Beide Töchter liegen im selben Grab am Gemeindefriedhof in Poing.

Im November 2017 zerstörten Unbekannte erstmals das Grab

Im November 2017 zerstörten Unbekannte erstmals ein Kerzenhäuschen und eine Vase. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Diebstähle: Deko, Blumensträuße, Keramikrosen. Und nun fehlt ein Gesteck und ein Keramikengel. Thomas Freiner stellte bisher keine Strafanzeigen bei der Polizei, es gebe keine Aussicht auf Erfolg, den Täter zu finden, habe die Poinger Polizei ihm gesagt. Grabschmuck im Wert von 300 Euro wurden mittlerweile zerstört oder gestohlen. Ums Geld geht es aber nicht, sagt Freiner.

„Der Friedhof ist ein Ort, wo wir zur Ruhe kommen“, sagt der verzweifelte Mann. Das Grab sei ein Rückhaltepunkt, sie kommen dorthin, um „etwas Hoffnung und Kraft“ zu bekommen. Seine Frau pflege es liebevoll. „Das ist das letzte, was wir für sie tun können“.

Grabschändungen in Poing: Ähnliche Vorfälle bekannt

Unter einem Facebook-Beitrag von Freiner kommentieren mehrere User ähnliche Erfahrungen in Poing erlebt zu haben. Sie berichten von herausgerissen Pflanzen und gestohlenen Schalen. Die Friedhofsverwaltung in Poing war für ein Gespräch dazu gestern nicht zu erreichen.

Bei der Polizei in Poing wurden bisher keine Strafanzeigen wegen solcher Vorfälle gemacht. Polizeichef Helmut Hintereder erinnert sich an eine Serie von Grabschändungen vor rund fünf Jahren. „Wahrscheinlich“ waren es damals Jugendliche, die nach einer Veranstaltung im Jugendzentrum durch den Friedhof nach Hause gingen. Das könne er aber nicht sicher sagen, die Grabschänder wurden nie gefasst.

Polizeichef: „Wir sind auf die Wahrnehmungen der Bürger angewiesen“

Polizisten könnten gegen Vandalismus und Diebstahl auf Friedhöfen wenig machen, sagt Hintereder. Wenn es vermehrt Vorfälle an einem Friedhof gäbe, könnte man ihn „bestreifen“ lassen. Überwachungskameras hält der Polizist für nicht sinnvoll. „Wir sind auf die Wahrnehmungen der Bürger angewiesen“, sagt er. Betroffenen Grabbesitzern rät er zu einer Anzeige.

Eingeschlagener Schaukasten, gestohlener Grabschmuck und ein versuchter Diebstahl von Bronzefiguren: Probleme hat auch die Gemeinde Vaterstetten. „Alle zwei, drei Monate“ gebe es einen Vorfall, sagt eine Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung auf Nachfrage.

„Hinter jedem Grab oder Todesanzeige steht eine trauernde Familie“

Dass die Grabstätte der Töchter Freiner nicht die einzige ist, die bestohlen und kaputt gemacht wurde, bedeutet dem Ehepaar viel. „Es ist also nichts Persönliches gegen uns oder unsere verstorbene Tochter“, sagt der Mann. An eines will Thomas Freiner erinnern: „Hinter jedem Grab oder Todesanzeige steht eine trauernde Familie.“

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