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Anette und Andreas Hermann vom Hansn-Hof in Angelbrechting mit Eiern und Kartoffeln, die sie an Pflegekräfte zum halben Preise verkaufen.

Solidarität in Corona-Zeiten

In Poinger Hofladen: Pfleger zahlen für Kartoffeln und Eier nur die Hälfte

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Poinger Familienbetrieb will Zeichen der Wertschätzung setzen: Kartoffeln und Eier für die Hälfte.

Poing 500 Euro hat die bayerische Staatsregierung beschlossen. 500 Euro als Einmalzahlung für bayerische Pflegekräfte, die wegen der Corona-Pandemie derzeit extrem belastet sind. Laut Staatsregierung gilt der steuerfreie Bonus nicht nur für das Pflegepersonal in Kliniken, sondern auch für das in Alten-, Pflege- und Behindertenheimen – insgesamt rund 250 000 Beschäftigte. 

Den Freistaat koste das etwa 126 Millionen Euro. Ministerpräsident Markus Söder sagte vor Kurzem, der steuerfreie Bonus sei „ein herzliches Dankeschön einfach für alle, die jetzt diesen großen Dienst leisten“. Es reiche eben nicht nur zu loben, „ein bisschen Anerkennung sollte auch finanziell drin sein“, so Söder.

„500 Euro sind viel zu wenig“

Andreas Hermann aus Angelbrechting (Gemeinde Poing) ist Landwirt. Seine Meinung: 500 Euro sind viel zu wenig. Vergleiche man dies mit Bonus-Zahlungen in großen Unternehmen in der freien Wirtschaft, dann sei dies schlichtweg ein Witz. Hermann will keine Neiddebatte schüren, er sagt: „Jeder soll zusätzliche Zahlungen erhalten, wenn er sie verdient.“ 

„Pflegekräfte hätten dies mehr als verdient“

Pflegekräfte hätten dies mehr als verdient, so der Landwirt. Nicht nur mickrige 500 Euro. Außerdem: Pflegekräfte seien nicht nur jetzt wichtig, sondern immer. Aber daran denke die Politik in normalen Zeiten so gut wie nie, sagt der 45-Jährige, der sich als Landwirt im Alltag selbst oftmals von der Politik links liegen gelassen fühlt.

Jetzt aber denkt er besonders an Pflegekräfte. Hermanns Appell: Nach der Corona-Krise darf die Wertschätzung für diesen Berufsstand nicht aufhören, sondern muss endlich mit entsprechender Bezahlung honoriert werden. Dauerhaft.

Eier und Kartoffeln nur für die Hälfte

Andreas Hermann führt seit 17 Jahren den landwirtschaftlichen Hof („Hansn-Hof“) im Familienbetrieb, mit Hühnern, Kartoffelanbau und vielem mehr. Er und seine Frau Anette wollen zumindest ein kleines Symbol der Solidarität mit Pflegekräften setzen – das länger andauert als lediglich eine Einmalzahlung: „Bei uns im Hofladen zahlen Pflegekräfte für Eier und Kartoffeln ab sofort nur die Hälfte.“ Dies gelte für Pflegerinnen und Pfleger aller Bereiche. 

So wollen die Hermanns ihre Wertschätzung ausdrücken. Auch wenn dieses Angebot, aus finanziellen Gründen, lediglich im April und Mai möglich ist. Es gilt auch auf dem Poinger Wochenmarkt, wo der Hansn-Hof jeden Freitag von 10 bis 17 Uhr mit seinem Stand vertreten ist.

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