+
Natalja Herdt wird am Sportzentrum zwischen Bäumen Sterne aufhängen, die aus Plastikflaschen bestehen. 

Am Samstag

Bereit für die „Kurze Nacht“

Etwa 40 Künstler werden am Samstag in Poing ihre Werke unter freiem Himmel herstellen und präsentieren. Ein Überblick: 

Poing Zum ersten Mal wird die „Lange Nacht“ eine „Kurze Nacht“ sein: Das Kulturreferat der Gemeinde Poing lädt am Samstag, 22. September, traditionell zeitgleich zum Beginn des Münchner Oktoberfestes, zu einem ganz speziellen Rundgang durch die Gemeinde ein. Motto: „Kurze Nacht der Street Art, Urban Art & Land Art“. Von 18 bis 23 Uhr zeigen rund 40 Künstler an mehreren Orten diverse Performances – sie erstellen und präsentieren ihre Kunstwerke live vor Publikum.

Zum Beispiel Natalja Herdt und Norbert Haberkorn. Herdt, Jahrgang 1975, in Sibirien geboren, lebt seit 26 Jahren in Deutschland. Sie hat vor kurzem die Emotionen eines ganzen Jahres auf Papier gemalt – Tag für Tag. Jetzt formte sie ein ganz spezielles Kunstwerk, eine „Vergißdeinnicht-Blume“. Nein, es ist kein Schreibfehler, mit dem „d“ im Wort möchte Natalja Herdt zur Selbstreflexion animieren: „Wer diese Installation betrachtet, die vornehmlich in der Dunkelheit wirkt, soll dabei ganz in sich ruhen, wie beim Blick in den Sternenhimmel.“

Dabei hat sie nichts Mythisches geschaffen, ihr Kunstwerk entpuppt sich als ein Gebilde aus je acht handelsüblichen PET-Flaschen, die an einem Flaschenboden zusammengeschraubt sind. In jeder dieser Flaschen windet sich eine blaue Leuchtschnur, als Ganzes zeigt sich dann, angedockt an zwei Transistoren, eine Art Leuchtstern. Sieben dieser Sterne sollen in der „Kurzen Nacht“, mit Nylonschnur fast undurchsichtig zwischen Bäumen am Sportzentrum aufgehängt, über einer reflektierenden Folie in drei Metern Höhe schweben. „Diesen Ort mag ich sehr“, schwärmt die Künstlerin.

Norbert Haberkorn wird Installationen zum Thema Umwelt und Müll zeigen.

Ihr ausstellender Nachbar am Sportzentrum wird Norbert Haberkorn sein. Seine Installation „Tischlein deck’ dich“ soll in Anlehnung an ein nicht erfülltes Versprechen aus dem gleichnamigen Märchen symbolhaft, aber deswegen nicht weniger kritisch, auf die Ausbeutung der Natur hinweisen, auf unsere Welt aus Kunststoff. Er wird ein altes Tischgestell aufstellen, dessen Füße in Plastikeimern auf einer Folie aus gleichem Material ruhen, graue Betonsteine umrunden das Etwas. „Wir bluten nach wie vor aus, die Welt von heute sieht – was die Ressourcenverschwendung angeht – nicht besser aus als vor zehn Jahren“, sagt Haberkorn, Jahrgang 1950.

Er wird zusätzlich zu seinem Kunstwerk am Sportzentrum auch noch auf dem Marktplatz in der neuen Ortsmitte präsent sein, mit dem Projekt „Flächenfraß“: Beton-Pflastersteine in pinkfarbenen Mülltüten, Plastik-Flaschenverschlüsse auf einer Kunststoff-Plane umrahmen umgedrehte, schwarz lackierte Baumspitzen. „Unsere Natur ist brüchig geworden, sie wird systematisch unserer ach so modernen Lebensweise geopfert. Wann begreifen wir, welche Konsequenzen Generationen nach uns wohl zu tragen haben?“, fragt der Künstler Norbert Haberkorn den Betrachter.

Zentraler Ort der „Kurzen Nacht der Street Art, Urban Art & Land Art“ am Samstag ist der Marktplatz im neuen Ortszentrum. Dort wird es einige Live-Vorführungen geben. Beispielsweise von Stefan Pillokat aus Markt Schwaben, der als „Clown Pippo“ bekannt ist, am Samstag aber als Künstler arbeiten wird. Mitarbeiter des Poinger Bauhofs werden im Vorfeld in der Vorrichtung für den Christbaum einen etwa vier Meter hohen Robinienstamm aufstellen, der bei einem Abholzauftrag der Gemeinde übrig geblieben ist. „Diesen Stamm werde ich mit der Motorsäge in eine neue Form bringen“, kündigt Stefan Pillokat an. Achtung: Er wird nicht, wie im Programmflyer angekündigt, im Reuterpark auftreten, sondern auf dem Marktplatz.

Auch Beate Braß aus Poing wird dort arbeiten. Ihre Kunst passt bestens zum Aspekt „Street & Urban Art“: Braß ist Spray- und Space-Painting-Künstlerin und wird am Samstagabend Kunstwerke sprühen und präsentieren.

Ebenfalls am Marktplatz findet von 18 bis 23 Uhr ein Stencil- und Graffiti-Workshop statt, durchgeführt vom MUCA, dem Museum of Urban and Contemporary Art aus München; für Kinder und Erwachsene.

Bei der Aktion des Weltladens vor der evangelischen Christuskirche kann jeder mitmachen. Anneliese Faltin-Cölle vom Weltladen-Team kündigt an: „Wir werden von 16 bis 19 Uhr den Kirchturm mit Fairtrade-Logo aus Papierblumen in einen ,Leuchtturm des Fairen Handel’ verwandeln. Dazu brauchen wir viele fleißige Helfer – als Belohnung gibt es faire Leckereien und Getränke und für die Kinder eine Piñata.“ Um 19 Uhr schließt sich ein Vortrag über mexikanische Silberschmiedekunst an.

Auch die Arbeitsgemeinschaft der Bauträger und Investoren (ARGE) am Bergfeld beteiligt sich an der „Kurzen Nacht“. Auf dem ARGE-Platz an der Bergfeldstraße 2 wird Künstlerin Marion Kropp-Hingerl ihre Sichtweise von Street Art mit Malereien auf dem Asphalt vor dem Bauleitungscontainer der ARGE präsentieren. Und: Jeder, der Lust hat, darf sich kreativ beteiligen und mitmalen. Für alle Besucher gibt es kostenlose Bratwurstsemmel.

Weitere Schauplätze der „Kurzen Nacht“ sind die Anni-Pickert-Schule; die Glasmanufaktur in der Hauptstraße 11b (hinter der Café-Station), wo Glaskünstlerin Kirsten Mathos-Thuemecke ihre Schmuck- und Dekogegenstände präsentiert; die Kreativwerkstatt von Bergith Geyer an Hauptstraße 11b, wo um 20 Uhr eine Versteigerung von Kunstwerken stattfindet; die Pfarrkirche Seeliger Rupert Mayer; das Kinderland an der Sudetenstraße 1; der Monopteros im Bergfeldpark; das Park- and Ride-Gebäude auf der Nordseite des S-Bahnhofs (dort findet um 18 Uhr die offizelle Eröffnung statt); das Jugendzentrum; das Rathaus sowie die Unterführung an der Gruber Straße, zwischen Marktplatz und Bergfeldpark.

Das detaillierte Programm steht auf www.poing.de. fez/rm

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

In Erinnerungen schwelgen
Welch faszinierende Wirkung alte Fotos auslösen und welche Emotionen sie mitunter wecken können, das war im überfüllten Saal des Kolpingheims in der Erdinger Straße …
In Erinnerungen schwelgen
Volkshochschule Vaterstetten runderneuert: Wechsel an der Spitze
„Du kannst mich jederzeit anrufen“, sagte Helmut Wörner und grinste in Richtung seines Nebenmannes am Tisch. Wörner gibt den Vorsitz an der Volkshochschule und an der …
Volkshochschule Vaterstetten runderneuert: Wechsel an der Spitze
K.O.-Tropfen: Die Jugend im Landkreis Ebersberg sorgt vor
K.O.-Tropfen im Getränk von Jugendlichen? Das ist auch im Landkreis Ebersberg ein Thema.
K.O.-Tropfen: Die Jugend im Landkreis Ebersberg sorgt vor
Die Bahn bringt eine Kundin zum Weinen - gespenstische Szene in Grafing
Solche Szenen dürften sogar die härtesten Bahn-Pendler geschockt haben: Eine Frau steht am Gleis in Grafing-Bahnhof und weint. Aus der Politik kommt nun mächtig Kritik …
Die Bahn bringt eine Kundin zum Weinen - gespenstische Szene in Grafing

Kommentare