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Für Geldautomaten-Sprenger: Kurierfahrer liefert Gas aus den Niederlanden und muss vor Gericht

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Von: Nina Gut

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Clancy N. (Mitte) bei der Verhandlung im August 2021 vor dem Ebersberger Schöffengericht, dahinter sein Pflichtverteidiger und eine Dolmetscherin.
Clancy N. (Mitte) bei der Verhandlung im August 2021 vor dem Ebersberger Schöffengericht, dahinter sein Pflichtverteidiger und eine Dolmetscherin. Das Urteil aus dem vergangenen Sommer milderte nun das Landgericht München ab. © ja

Eine niederländische Bande von Gelautomaten-Sprengern hatte in Poing (Kreis Ebersberg) ihre Operationsbasis. Ein Urteil des Amtsgerichts Ebersberg gegen einen Kurierfahrer wurde nun in München abgemildert.

Poing/Ebersberg – Clancy N. (26) aus den Niederlanden geriet ins Staunen, als ihn die Polizei auf der Autobahn bei Würzburg anhielt und festnahm. Durch Recherchen wusste sie, dass der Niederländer von Utrecht aus auf dem Weg nach Poing war, im Gepäck zwei Gasflaschen und verschiedenes Werkzeug, darunter zwei Drehregler für Schweißbrenner und vier Rückschlagventile. Das Equipment sollte nur einem Zweck dienen: der Sprengung von Geldautomaten.

Das Amtsgericht Ebersberg hatte Clancy N. im August vorigen Jahres wegen der versuchten Beihilfe zur Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Doch er legte Berufung ein. Nun wurde der Fall noch einmal vor dem Landgericht München II aufgerollt.

800 Euro für eine Fahrt von Utrecht nach Poing

Clancy N., der in Curaçao geboren wurde, und zuletzt in Rotterdam wohnte, schilderte dem Richter seine damalige Situation. „Ich war arbeitslos, hatte kein Geld und musste im Supermarkt Essen stehlen“, sagte er. Da habe er jemanden getroffen, der ihm das Angebot machte, „dass ich Lachgasflaschen von Utrecht nach München bringen soll“. Er habe sich die Flaschen nicht angeschaut und nicht gewusst, dass es sich um Sprengmaterial handelte, beteuerte er. Für die Fahrt sollte er insgesamt 800 Euro bekommen. „Ich habe auf der Straße gelebt, hatte kaum etwas zum Essen und hatte keine Einsicht in das, was ich gemacht habe.“

Der Vorsitzende Richter Johannes Feneberg merkte an, dass das Sprengen von Bankautomaten in den Niederlanden noch viel gängiger sei als in Deutschland. „Man könnte also davon ausgehen, dass der Transport von Gasflaschen dafür vorgesehen ist.“ „Wenn die sagen, dass es Lachgas ist, dann muss ich es glauben. Ich kenne den Unterschied nicht“, antwortete der Angeklagte.

Komplette Sprengausrüstung im Auto - Nur der Zünder fehlt

Ein Polizist von der Kriminalpolizei in München berichtete, dass man im Auto von Clancy N. eine „komplette Sprengausrüstung“ fand, nur die Zündvorrichtung war noch nicht dabei. Aber ein Timer, Werkzeug, Handschuhe, Gasleitungen. Im Navi des Autos war eine Adresse in Poing eingegeben. Sie führte zu einer Wohnung, die der Besitzer regelmäßig über das Online-Portal Airbnb einige Wochen an „Leute aus den Niederlanden“ vermietete. Nachdem Clancy N. verhaftet worden war, wurde er offenbar schnell von seinen Auftraggebern vermisst. Denn er bekam eine SMS aufs Handy: „Wo bleibst du? Die Jungs aus Utrecht warten auf dich.“

Der Polizist sprach auch über die Sprengserie, die es bereits in München und Umgebung gab. So wurden etwa in München und Ottobrunn Geldautomaten gesprengt und 160 000 beziehungsweise 350 000 Euro erbeutet. Ein Haupttäter wurde bereits zu zwölfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Weitere Prozesse stehen bevor.

Geständnis bringt Strafmilderung ein

In seinem letzten Wort gestand der Angeklagte, dass er „tatsächlich eine Straftat“ begangen habe. „Aber das kam nur durch die schlechte Situation, in der ich mich damals befand.“ Seitdem er festgenommen wurde, habe sich sein Leben geändert.

Tatsächlich änderte das Landgericht München II das Urteil aus Ebersberg ab. Der Niederländer bekam ein halbes Jahr Rabatt. Nun lautet das Urteil auf zwei Jahre und vier Monate Haft. Die wesentlichen Abweichungen zur Verhandlung am Amtsgericht: Nun lag ein Geständnis vor; außerdem erkannten Richter Feneberg und seine Beisitzer nicht so eine hohe kriminelle Energie wie das Amtsgericht. Allerdings liege ein „massives Eigentumsdelikt“ und hohe Gefährlichkeit vor sowie die Beteiligung an einer hochprofessionellen, arbeitsteiligen kriminellen Organisation. Deshalb gab es auch keine Bewährung. „Von Kurierfahrten sind Sie hoffentlich geheilt“, sagte der Richter.

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