Polizei Symbolbild
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In Poing suchte die Polizei nach der Ursache mehrerer Schüsse.

„Knallerei“ sorgt für Schrecken

Schock-Moment in der Nacht: Bewohner durch Schüsse geweckt - Ursache kurios

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Schreck-Moment in Poing: In der Nacht zum Dienstag wurden mehrere Anwohner durch Schüsse geweckt.

  • In der Nacht auf Dienstag wurden in Poing Bürger durch Schüsse aufgeschreckt
  • Die Polizei suchte fieberhaft nach der Ursache.
  • Schließlich konnte Entwarnung gegeben werden.
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Poing - Mehrere Poinger Bürger sind in der Nacht von Montag auf Dienstag hochgeschreckt, weil sie Schüsse gehört haben. Auf der Internetseite der Privatinitiative „Weltstadtvorstadt mit Herz“ meldeten sich mehrere Leute, schnell entspann sich eine Diskussion über mögliche Ursachen. Eine Vermutung: Um Tiere bei der Feldernte zu schützen, werden Warnschüsse abgegeben. Bei der Polizeiinspektion Poing gab es in der Nacht zahlreiche Anrufe, berichtet der stellvertretende Dienststellenleiter Manfred Winter. Auch hier habe man zunächst nicht gewusst, was dahinter steckt.

Poing: Schüsse in der Nacht - Zahlreiche Anrufe bei der Polizei

Am Dienstagvormittag sagte Winter am Telefon unserer Zeitung: „Jetzt haben wir den Grund gefunden: eine Vogelvertreibungsanlage einer Gärtnerei südlich von Poing.“ Florian Böck, Juniorchef der gleichnamigen Großgärtnerei südlich von Angelbrechting, bestätigte gestern auf Anfrage: „Ich habe seit Montag eine Vergrämungsmaschine.“ In der ersten Nacht habe allerdings die Zeitschaltuhr nicht funktioniert, weshalb es zu mehreren Knallgeräuschen gekommen sei. „Eigentlich habe ich das Gerät auf von 7 bis 21 Uhr eingestellt.“ Das Schreckschussgerät, das mittels Luftdruck mehrmals (je nach Einstellung) am Tag knallt, sei genehmigungsfrei, so Böck.

Ich habe etwa 500 Saatkrähen, die mir bis zu 70 Prozent meiner Ernte kaputtmachen

Florian Böck, Juniorchef der Großgärtnerei Böck

Dies bestätigt Michael Ottl aus dem Landratsamt Ebersberg, er ist Büroleiter von Landrat Robert Niedergesäß: „Waffenrechtlich ist das Gerät nicht relevant.“ Auf eigenem Grundstück sei dies erlaubt und tagsüber kein Problem. Nachts aber schon, aus Lärmschutzgründen: „Wenn es weiterhin nachts knallt und es zu Beschwerden kommt, müsste die Untere Immissionsschutzbehörde tätig werden.“

Defekt an Schreckschuss-Anlage: Poinger schrecken aus Schlaf

„Ich habe etwa 500 Saatkrähen, die um meinen Komposthof kreisen und die mir bis zu 70 Prozent meiner Ernte kaputtmachen“, sagt Gärtnerei-Chef Florian Böck. Die Vögel würden frisch eingesetzte Erdpresswürfel ausgraben auf der Suche nach Würmern. Dadurch, so Böck, gingen Salat, Kohl und Co. kaputt. Um dies zu verhindern, habe er das Knallgerät besorgt und zwischen Angelbrechting und Poing aufgestellt. Regelmäßig werde er das Gerät versetzen.

Die Saatkrähe

Saatkrähen suchen mit Vorliebe auf Feldern nach Essbarem. Auf der vielfältigen Speiseliste stehen Insekten, Regenwürmer, Schnecken, Getreidesamen oder Feldfrüchte.

Schreckschussgeräte zur Vergrämung von Wild und Vögeln auf landwirtschaftlich genutzten Flächen werden insbesondere beim Weinbau eingesetzt. Das Grundprinzip: Tieren, in Böcks Fall Krähen, es möglichst ungemütlich zu machen, indem man sie nicht in Ruhe lässt. Der Fachausdruck hierfür: Vergrämung.

Krähen können für Feld- und Gartenbesitzer zu einer echten Plage werden.

Vogelscheuchen statt Schreckschuss-Waffe? Krähen sind zu schlau dafür

Mit den Krähen habe er seit längerem ein großes Problem, berichtet der Gärtnereichef. Im Frühjahr seien die Felder noch mit Vlies gegen Frost abgedeckt gewesen, dies habe auch vor Vögel geschützt. Jetzt aber sei es zu heiß, Vlies auszubreiten, erläutert Florian Böck. Die gute alte Vogelscheuche, sagt er, würde die Vögel nur für ein, zwei Tage verunsichern: „Saatkrähen sind sehr schlaue Tiere, Vogelscheuchen sind für die nach drei Tagen uninteressant.“

Während des Lockdowns zu Beginn der Corona-Pandemie fehlten der Gärtnerei Böck insbesondere bei der Tomatenernte Helfer. Kurzerhand ergab sich eine Zusammenarbeit zwischen den Friseursalons von Kathrin und Johannes Mittermeier, deren Friseurinnen und Friseure bei der Ernte halfen. Tomaten statt Haare schneiden.

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