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Vor einem Jahr den Dienst angetreten: Die Mitglieder der Poinger Sicherheitswacht, im Bild mit Polizeichef Helmut Hinterder (Mitte).

Bilanz nach einem Jahr

Poinger Sicherheitswacht: Dein Freund und Helfer

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Die Sicherheitswacht Poing ist seit einem Jahr im Dienst. Zwei Mitglieder berichten in unserer Zeitung von ihren Erlebnissen und Begegnungen. Oft ist es wie Streetwork.

Poing „Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Jugendlichen.“ Diesen Satz sagt nicht ein Mitarbeiter des Jugendzentrums oder ein Streetworker, sondern Robert Walbinger. Der Beamte im Ruhestand ist eines von vier Mitgliedern der Sicherheitswacht in Poing, die unter der Regie der Polizei unterwegs ist. Wenn die Sicherheitswacht Jugendliche beispielsweise am Marktplatz, am Bergfeldsee oder im Bergfeldpark kontrolliert, dann habe es noch nie Schwierigkeiten oder gar Pöbeleien gegeben, berichtet Walbinger. „Man kennt sich und es herrscht ein respektvoller Umgang“, sagt er. Zwar komme es vor, dass mal ein Platzverweis ausgesprochen und die Identität der Beteiligten festgestellt werden muss – aber selbst das geschah bislang ohne Probleme, berichtet Walbinger.

Sicherheitswacht Poing: 726,5 Einsatzstunden im ersten Jahr

„Die Sicherheitswacht ist ein Bindeglied zwischen Polizei und der Bevölkerung und hat sich bestens bewährt“, bilanziert Polizeirat Helmut Hintereder, Leiter der für die Sicherheitswacht verantwortlichen Polizeiinspektion Poing. Vor einem Jahr haben sie ihren Dienst begonnen: Gabriele Heigl, Robert Walbinger, Ralf von Schwarzer und Guiseppe Fierro wechseln sich mit den Kontrollgängen ab, sie sind stets im Zweier-Team unterwegs. Während der Woche vermehrt in den Abendstunden, an Wochenende auch tagsüber. Alle haben sich freiwillig gemeldet, für den Dienst erhält jedes Sicherheitswachtkraftmitglied eine Aufwandsentschädigung in Höhe von acht Euro pro Stunde.

Acht Euro Aufwandsentschädigung pro Stunde

Laut Hintereder absolvierte die Sicherheitswacht bislang 726,5 Einsatzstunden. 48 Mal habe sie überwiegend Jugendliche kontrolliert und deren Identität festgestellt, die verbotenerweise im Park-&Ride-Gebäude am S-Bahnhof bzw. mit Alkohol unterwegs waren, außerdem Ruhestörer und Bettler. 22 Mal musste die Sicherheitswacht Platzverweise aussprechen, drei Mal unterstützte das Team die Polizei bei einem Einsatz. Außerdem in der Jahresbilanz: 13 Einsätze, die die Sicherheitswacht an die Polizei weitergegeben hat, wie illegale Müllablagerungen an Wertstoffinseln, zugeparkte Rettungswege oder die Meldung eines Verkehrsunfalls.

Nach dem ersten Dienstjahr hat die Sicherheitswacht nun Dienstfahrräder bekommen. 

„Wir sind der verlängerte Arm der Polizei und sehen uns als Ansprechpartner für die Bürger“, sagt Robert Walbinger. Das, was früher der Dorf-Gendarm war, der zu Fuß durch den Ort ging, ist heute die Sicherheitswacht. Symbolisch gesehen, weil deren Mitglieder nicht die Befugnisse eines Polizisten haben und schon gar keine Waffe dabei. „Wir sind hauptsächlich präventiv tätig“, sagt Walbinger. Beispielsweise, wenn in einem bestimmten Gebiet vermehrt Sachbeschädigungen oder Autokratzer vorkommen, geht die Sicherheitswacht dort verstärkt Streife. Oder, in den dunklen Monaten, in einbruchsgefährdenden Gegenden. Die Einsatzgebiete legt Polizeichef Helmut Hintereder fest und schreibt einen monatlichen Dienstplan. „Die Sicherheitswacht stärkt das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger“, sagt Polizeirat Hintereder.

„Es kommt oft vor, dass wir angesprochen werden und dass uns gedankt wird“, erzählt Walbinger. Wenn die Sicherheitswachtkräfte bei Kontrollgängen offene Garagen sehen, in denen wertvolle Gegenstände lagern, läuten sie beim Besitzer und weisen darauf hin, das Tor sicherheitshalber zu schließen. „Auch helfen wir mal alten Menschen beim Tragen von Einkaufstüten.“ Die Sicherheitswacht, Dein Freund und Helfer.

Nicht nur kontrollieren, sondern auch helfen

„Aus der Bevölkerung kommen sehr viele positive Rückmeldungen“, sagt auch Gabriele Heigl. „Es gibt das Bedürfnis, uns anzusprechen, sich mit uns auszutauschen und uns auf Dinge und Vorkommnisse aufmerksam zu machen.“ Die Journalistin hat sich freiwillig für die Sicherheitswacht gemeldet, weil „ich gerne Verantwortung übernehme, in diesem Fall für die Sicherheit meiner Mitmenschen“.

Gutes Verhältnis zu Jugendlichen

Ebenso wie Walbinger berichtet auch Heigl von einem guten Verhältnis mit den Jugendlichen: „Die Gespräche verlaufen fast immer sehr angenehm – für beide Seiten. Wir versuchen, den Jugendlichen bewusst zu machen, dass die Rücksichtnahme auf andere, etwa was Lärm und Müll anbelangt, wichtig ist. Umgekehrt tut es den jungen Leuten gut, dass da jemand ansprechbar ist, und ihre Nöte anhört. Etwa, dass sie nicht wissen, wohin sie gehen, und wo sie sich treffen könnten.“ Klassisches Streetwork.

Neue Dienstfahrräder von der Gemeinde

Ihren Dienst muss die Sicherheitswacht künftig nicht mehr nur zu Fuß absolvieren, sondern auch per Fahrrad. Um flexibler zu sein, hat Bürgermeister Albert Hingerl jetzt dem Team zwei Fahrräder übergeben. „Das erleichtert die Arbeit sehr“, freut sich Polizeichef Hintereder.

Lesen Sie auch: Am Poinger Marktplatz gilt Alkoholverbot.

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