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„Weil es ein ganz wichtiges Thema ist“: Deshalb sind Eva Schott und Michael Knöferle vom Verein „Eisenteufel“ zur Auftaktveranstaltung gekommen.

Werte-Initiative

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Gegen Rassismus und Ausgrenzung: Rund 60 Besucher bei Auftaktveranstaltung zu „Poing, eine Gemeinde mit Courage“. 

Poing – Die Basis zeigt Gesicht: Gut 60 Interessierte haben am Mittwochabend an der Auftaktveranstaltung zu „Poing, eine Gemeinde mit Courage“ teilgenommen. Die einhellige Meinung in der Aula der Dominik-Brunner-Realschule: Es ist gut und wichtig, ein Zeichen zu setzen gegen Rassismus, gegen Ausgrenzung jeglicher Art. Und für Werte einzustehen. Am Ende meldeten sich circa 20 Personen, die den Prozess weiter aktiv gestalten wollen. Hierfür wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, für die sich jeder Interessierte im Rathaus melden kann.

Vereinsvertreter, Gemeinderatsmitglieder und Privatpersonen waren zur Veranstaltung gekommen. Unter anderem Eva Schott und Michael Knöferle von der Mittelalter-Schaukampfgruppe „Eisenteufel“. „Wir sind hier, weil es ein ganz wichtiges Thema ist“, sagten die beiden. Wenn der Verein bei Mittelalterfesten ist, sei Toleranz ein großes Thema; insbesondere beim Lagerleben, wo verschiedene Gruppen beisammen sind.

Bürgermeister Albert Hingerl betonte, dass es ihm nicht darum gehe, ein Zertifikat zu erhalten: „Es ist ein Prozess.“ An dem sich alle beteiligen könnten. Ein Prozess und eine Haltung aus der Mitte der Gesellschaft, nicht von oben übergestülpt.

Als Vorbild dienen die Dominik-Brunner-Realschule und die Seerosenschule, die beide die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ tragen. „Das aber ist weit mehr, als nur die Tafel am Schulgebäude“, erläuterte Realschuldirektor Matthias Wabner. „Es ist eine Aufgabe, ein Auftrag – jeden Tag.“ Beim Thema Mobbing zum Beispiel, bei Ausgrenzung von Mitschülern – auch in WhatsApp-Gruppen.

So sieht es auch Jörn Bülck, Leiter der Seerosenschule. Ihn freut es besonders, dass die Schüler sich das Thema Toleranz zu Herzen genommen haben. Und was bewegen wollen. „Unsere Schülermitverantwortung hat den Beschluss gefasst, die Gemeinde bei ihrem Projekt zu unterstützen und mitzumachen“, verkündete er in der Veranstaltung.

Dieter Finkhäuser vom Asyl-Helferkreis sieht das Vorhaben der Gemeinde (welches der Gemeinderat einstimmig beschlossen hat) skeptisch: „Der Helferkreis macht seit dreieinhalb Jahren genau diese Arbeit, ohne Getöse. War es das mit uns?“, stellte er die provokative Frage. Nein, antworteten zahlreiche andere, die sich darauf hin zu Wort meldeten. „Es geht darum, das Ganze breiter aufzustellen. Es geht nicht nur um Flüchtlinge, sondern um Ausgrenzung generell“, sagte Bärbel Kellendorfer-Schmid, SPD-Gemeinderätin und Vorstandsmitglied des Familienzentrums. Dieser Meinung ist auch Christa Bauer-Germeier, die ebenfalls im Asyl-Helferkreis engagiert ist und zudem im Weltladen in der Christuskirche: „Es geht darum, eine gemeinsame Haltung zu entwickeln.“ Hierzu gehöre auch, dass sozial schwache Poinger – egal, welcher Herkunft – nicht ausgegrenzt werden.

Dr. Rainer Koch, SPD-Gemeinderat und Präsident des Bayerischen Fußballverbandes sowie Vize des Deutschen Fußballbundes, brachte es wie folgt auf den Punkt: „Ich möchte, dass wir als ein Ort mit Werten dastehen.“ Eva Schott von „Eisenteufel“, die als Kindergärtnerin arbeitet, ergänzte: „Vor allem ist es wichtig, Kindern diese Werte zu vermitteln.“ Wie Toleranz, Hin- statt Wegsehen, gutes Miteinander.

Unter dem Titel „Poing, eine Gemeinde mit Courage“ soll eine Arbeitsgruppe ab Anfang nächsten Jahres den Prozess weiter entwickeln. Ausdrücklich nicht von der Gemeinde bestimmt, wie Bürgermeister Albert Hingerl bekräftigte.

Möglichkeiten gebe es einige, erläuterte Nicola Hieke. Die Leiterin der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus im Bayerischen Jugendring wird das Projekt begleiten. Als mögliche Ideen zählte sie Veranstaltungen und Konzerte unter einem gemeinsamen Motto (das „Poing, eine Gemeinde mit Courage“ sein könnte) auf. Dass Poing überhaupt diesen Prozess starte, sei ungewöhnlich und vorbildlich. „Normalerweise werden Kommunen aktiv, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.“ Nach fremdenfeindlichen Demonstrationen oder Übergriffen zum Beispiel. „Es ist sehr gut, dass Poing agiert, und nicht erst reagiert“, so Hieke.

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