+
Ohne Feier wird die neue Fuß- und Radunterführung am Montag eröffnet.

Wegen Corona

Poings neue Bahnunterführung: Eröffnung ganz nüchtern

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
    schließen

Nach etwa 30 Jahren Wartezeit wird am Montag die neue Fuß- und Radunterführung am S-Bahnhof Poing eröffnet. Einfach so nebenbei, ohne Feier. 

Poing – Die Musikkapelle Poing hätte von Süd nach Nord und zurück marschieren und spielen können, gefolgt von einer Traube von Menschen. Ein Festzug durch die neue Unterführung am Poinger S-Bahnhof, die insbesondere von vielen Kommunalpolitikern als DAS Bindeglied zwischen Alt- und Neu-Poing, zwischen Süden und Norden deklariert wird. Auf beiden Seiten Imbissbuden und, warum nicht, ein ganzes Festwochenende, mit dem die Verbindung zwischen den beiden Ortsteilen gefeiert wird. Tja. All das könnte man sich in der Fantasie ausmalen und hätte es vielleicht in der Realität tatsächlich auch auf die Beine stellen können, aber: Wegen Corona ist nichts dergleichen möglich. Nicht einmal ein symbolischer Schnitt durch ein Absperrband. Am Montag, 27. April, wird die neue Fuß- und Radunterführung freigegeben. Einfach so. Ab Mittag, heißt es aus dem Rathaus. „Eine offizielle Einweihung wird angesichts der aktuellen Lage nicht stattfinden“, teilt die Gemeinde mit.

Spötter könnten jetzt sagen: So nüchtern und trostlos, wie die Unterführung momentan aussieht (fast kein Grün, keine Farben), passt diese Form der Eröffnung ja. Dennoch: Sie hätte schon ein großes Fest verdient gehabt. Gut 30 Jahre lang hatten die Gemeinde Poing und die jeweiligen Bürgermeister und Gemeinderäte über deren Bau diskutiert und mit der Deutschen Bahn AG gestritten. Pläne wurden erarbeitet und wieder verworfen, Zuständigkeiten bei der Bahn immer mal wieder verändert, Ansprechpartner für die Gemeinde kamen und gingen. Mit dem Bau aber ging jahrelang nichts vorwärts. Als im Juni 2018 der Spatenstich erfolgte, glich das fast schon einem Wunder. Aus Dankbarkeit, dass es mit dem Bauwerk doch noch was wird in diesem Leben, ist Bürgermeister Albert Hingerl zu Fuß nach Altötting gepilgert.

9,5 Millionen Euro kostet die neue Unterführung, die nun Alt- und Neu-Poing barrierefrei verbindet. Zu den Bahnsteigen selbst aber kann man von der Unterführung aus noch nicht so einfach gelangen: Die Bahn, die hierfür verantwortlich ist, hat angekündigt, erst nächstes Jahr den Poinger S-Bahnhof barrierefrei gestalten zu wollen. Obwohl die Gemeinde angeboten hatte, dies gleichzeitig mit der Unterführung, quasi in einem Aufwasch, zu erledigen. Aber die Bahn hat halt ihre eigenen Zeitpläne.

Die neue Unterführung selbst, deren Bauherrin nicht die Bahn, sondern die Gemeinde ist, war zu Beginn der Planungen viel breiter vorgesehen, als sie jetzt geworden ist. Aus Kostengründen. Auch über Möglichkeiten, in der Unterführung einen Kiosk einzubauen oder Schaukästen, war zu den Anfangszeiten gesprochen worden.

Am Montag wird sie sang- und klanglos eröffnet. Die große Feier könnte ja nachgeholt werden, wenn die Deutsche Bahn den barrierefreien Ausbau erledigt hat, für den sie zuständig ist. Vorausgesetzt, dieser erfolgt auch noch in diesem Leben.

Im nächsten Schritt nach der Eröffnung müssen sich die Gemeinde und der Gemeinderat überlegen, wie der ehemalige Parkplatzbereich auf der Südseite des Bahnhofs umgestaltet wird. Hier, so erste Ideen, könnte ein Parkdeck bzw. ein Parkhaus errichtet werden. Ebenso zur Diskussion stehen die Umgestaltungen der Bahnhofstraße im Süden und des Marktplatzes auf der Nordseite. Spätestens, wenn all dies abgeschlossen ist, muss ein großes Fest her.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare