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Kinder müssen in verschimmeltem Zimmer schlafen: Großfamilie sucht verzweifelt nach größerer Wohnung

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Von: Raffael Scherer

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Eine Frau im kleinen Kinderzimmer.
Drei Kinder schlafen gleichzeitig in einem Zimmer. Das geht gar nicht, findet die Freundin der Familie Wiltrud de Haan. © J. Dziemballa

Weil es in der Zweizimmerwohnung schimmelt und zu wenig Platz für sieben Menschen ist, sucht die Poinger Großfamilie nach einer größeren Wohnung. Bisher erfolglos.

Poing – Seit sie vor zwölf Jahren ihren Mann heiratete, lebt die Sudanesin A. in Poing. Weil Nachwuchs auf dem Weg war, zog das Paar dort um, in eine Zweizimmerwohnung. Mittlerweile hat die 37-Jährige fünf Kinder, zwischen drei Wochen und zwölf Jahren alt. Drei von ihrem ersten Ehemann, zwei von ihrem neuen Partner, den sie bald heiraten will.

Die Zweizimmerwohnung platzt aus allen Nähten: „Die Kinder brauchen mehr Platz, denn die Kleinen weinen und schreien, während die Größeren lernen und sich konzentrieren wollen“, sagt die Frau. Während des ersten Lockdowns saß die damals noch sechsköpfige Familie in den beiden Zimmern mehrmals in Quarantäne: „Das war das pure Chaos“, erinnert sie sich. An zielgerichtetes Homeschooling von mehreren Kindern an einem einzigen Tisch war nicht zu denken.

Poinger Großfamilie auf Wohnungssuche: Kinder müssen in verschimmeltem Zimmer schlafen

Eine Frau deutet auf Schimmel an der Decke.
Immer wieder versucht die Familie gegen den Schimmel in der Wohnung vorzugehen. Mit mäßigem Erfolg. © J. Dziemballa

Als wäre der Platzmangel noch nicht schlimm genug, hat sich in dem Schlafzimmer der drei älteren Kinder Schimmel an der Decke gebildet. Der Vermieter habe ihnen gesagt, dass das A.’s eigene Schuld sei. „Aber das stimmt nicht, sie lüften so oft es geht und behandeln die Stellen regelmäßig“, erwidert ihre Poinger Freundin Wiltrud de Haan. „Und ich finde es Wahnsinn, dass die drei Kinder in einem Zimmer schlafen müssen, in dem es schimmelt.“

De Haan und A. hatten sich 2019 auf dem Weg zum Rathaus kennengelernt. Als A. sie nach dem Weg fragte, kamen die beiden ins Gespräch. Zukünftig trafen sie sich zum Ratschen, ließen ihre Kinder miteinander spielen und de Haan half der Sudanesin immer wieder beim Ausfüllen diverser Anträge: „Die sind sogar als Muttersprachlerin oft schwer zu verstehen“, sagt die Poingerin. A.’s Verwandtschaft ist überall im Ausland verteilt: „Deshalb versuche ich ihr irgendwie zu helfen, denn ich weiß, da ist sonst niemand“, sagt de Haan, die sich für die Familie verantwortlich fühlt.

Poinger Großfamilie auf Wohnungssuche: Vermieter wollen keine Großfamilien

Nun versucht sie seit zwei Jahren, der Großfamilie bei der Suche nach einer größeren Wohnung in Poing zu helfen. Schließlich sind die Kinder dort aufgewachsen und die Anbindung ist laut A. „einfach am besten“. Eine Vierzimmerwohnung – für die Familie der Traum von mehr Bewegungsfreiheit.

Das größte Problem bei der Suche: die Familiengröße. „Viele Vermieter winken gleich ab, wenn klar wird, dass in eine Vier-Zimmer-Wohnung eine siebenköpfige Familie einziehen soll“, so die bisher schmerzliche Erfahrung. Der generell schon knappe Wohnungsmarkt in der Gemeinde macht es der Familie nicht einfacher. So musste der Ex noch über ein halbes Jahr nach der Trennung bei A. wohnen, weil er keine neue Wohnung fand. „Und jeder, der sich schon einmal getrennt hat, weiß, dass das eine blöde Situation ist“, sagt de Haan.

Poinger Großfamilie auf Wohnungssuche: Landratsamt spendet mehr Anteilnahme als Hoffnung

Es sei bereits schwer genug, überhaupt eine Wohnung mit vier Zimmern oder mehr zu finden. Und dann müsste diese auch noch vom Geld des Jobcenters mit etwa 1600 Euro warm im Monat bezahlbar sein, so de Haan. Für eine Vollzeitmutter wie A. beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Dementsprechend frustrierend waren die diversen Absagen von Immobilienmaklern und Vermietern.

Auch vom Landratsamt kam bisher Anteilnahme statt praktischer Hilfe: Die Familie stehe zwar auf einer Warteliste für eine Sozialwohnung recht weit oben, aber viel Hoffnung hätten ihr die Mitarbeiter im Landratsamt dennoch nicht machen können, fasst die Poingerin zusammen.

Poinger Großfamilie auf Wohnungssuche: Hoffnung auf „wahres Weihnachtswunder“

Für die Wohnungen im Lärchenwinkel, die gerade gebaut werden, wird sich die Familie ebenso bewerben, aber auch hier sind die Chancen gering: „Eine Sachbearbeiterin meinte bereits, wir sollten uns überlegen, ob sich A. vielleicht allein, ohne ihren Freund, als sechsköpfige Familie bewirbt, um die Chancen auf eine Wohnung zu erhöhen“, sagt de Haan und schüttelt fassungslos den Kopf.

Der Lebenspartner wohnt bei Regensburg und arbeitet als Lagerlogistiker in der Nähe Poings. Am liebsten würde er durchgehend bei ihnen wohnen, aber auch seine derzeitige Ein-Zimmer-Wohnung ist keine Alternative. De Haans Wunsch: „Wir hoffen einfach, dass es irgendwo einen Menschen mit Herz gibt, der sagt: ,Ich sehe, was das für eine tolle Familie ist und was für eine schwierige Situation die da haben und ich mache das möglich, dass die hier einziehen können.’“ Das wäre für sie ein „wahres Weihnachtswunder“.

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