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Pfarrerin spendet Haare: Schnipp-schnapp weg für einen guten Zweck

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Von: Armin Rösl

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Vorher, nachher: Laura Heitkamp (li.) und Pfarrerin Johanna Thein mit Friseurmeisterin Vera Scherpf. © Johannes Dziemballa

Poings evangelische Pfarrerin Johanna Thein und Studentin Laura Heitkamp haben 37 bzw. 47 Zentimeter ihrer Haare abschneiden lassen - als Spende für Perücken für krebskranke Kinder.

Poing – Es dürfte ungefähr drei, vier Jahre her sein, schätzt die Poingerin Laura Heitkamp, als sie zum letzten Mal beim Friseur gewesen war. Johanna Thein aus Ottersberg geht zwar regelmäßig, aber nur zum Spitzen und Stufen schneiden. Bis Montag. An diesem Tag treffen sich die beiden jungen Frauen, die sich von der Kinder- und Jugendarbeit bei der evangelischen Kirchengemeinde kennen, gemeinsam in der „Kleinen Haar-Galerie“ der Poinger Friseurmeisterin Vera Scherpf. Nicht zum Spitzen oder Stufen schneiden, nein!, zum Zöpfe abschneiden. Mindestens 30 Zentimeter. Diese Länge ist die Vorgabe, um Haare spenden zu können für die Produktion von Echthaar-Perücken, die für krebskranke Menschen, insbesondere Kinder, verwendet werden.

Poing: Gemeinsam zur Friseurin

Die Idee, ihre Haare zu spenden, hatte die 33-jährige Johanna Thein (evangelische Pfarrerin der Kirchengemeinde Poing-Pliening) schon länger. Durch die Internetseite www.haare-spenden.de hat sie den entscheidenden Impuls bekommen und wollte Laura Heitkamp eigentlich nur als „seelische Unterstützung“ mit zur Friseurin nehmen. Doch die 20-jährige Grundschullehramtsstudentin überlegte nicht lange und beschloss: Ich mache mit!

Von 70 bzw. 56 Zentimetern sind mehr als die Hälfte weg

Die Ausgangslage: 70 (Heitkamp) bzw. 56 Zentimeter (Thein) lange Haare. Vera Scherpf misst genau nach, dann bindet sie Zöpfe, so, wie es für die Spende notwendig ist. „Ich hatte zum letzten Mal kurze Haare, als ich 14 oder 15 war“, erinnert sich Johanna Thein kurz vor dem großen Schnitt. Bei Laura Heitkamp ist’s etwa vier Jahre her. „Ich bin total aufgeregt“, sagt die Studentin.

Europäische Echthaar-Perücken sind selten

Bevor Vera Scherpf die Schere ansetzt, fachsimpeln und feilschen die beiden Frauen mit der Friseurmeisterin

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Kurz vorm Abschneiden werden die Haare zu Zöpfen geflochten. © Johannes Dziemballa

noch um jeden Zentimeter, wie kurz die Haare tatsächlich werden sollen, damit es danach auch noch gut aussieht. Dann gibt es kein Zurück mehr: Scherpf schneidet zuerst bei Heitkamp, dann bei Thein die Haare ab. 47 Zentimeter bei der Studentin, 37 Zentimeter bei der Pfarrerin. „Woaah, das sieht ja voll gut aus!“, freut sich Laura Heitkamp. Auch Johanna Thein ist binnen Sekunden von ihren eigenen kurzen Haaren begeistert: „Das fühlt sich toll an!“

Aus Langhaar wird Longbob und Pagenkopf

Ehe es an die neuen Frisuren geht (Heitkamp bekommt einen Longbob, Thein einen Pagenkopf), berichtet Vera Scherpf, dass es Perücken aus echtem europäischen Haar nur selten gibt. Die meisten Echthaar-Perücken seien aus Haaren aus Indien gemacht. Ansonsten gibt es Perücken mit künstlichem Haar. „Europäische Echthaar-Perücken sind sehr teuer“, sagt Scherpf und nennt eine Spanne von 3000 bis 5000 Euro.

Zöpfe als Spende per Post

„Mit unserer Spende wollen wir einen kleinen Beitrag leisten, dass krebskranke Kinder ihre Würde behalten können“, sagen Laura Heitkamp und Johanna Thein. Ihre abgeschnittenen Zöpfe schicken sie per Post an die Rieswick & Partner Friseur GmbH in Velen-Ramsdorf im Münsterland. Dort werden aus eingesandten Haarspenden Perücken hergestellt. „Der Spendenempfänger zahlt für Deine Haare kein Geld“, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. Und: „Zusätzlich zahlen wir eine freiwillige Spende an eine von Dir auf dem Beipackzettel angekreuzten oder eingetragenen gemeinnützigen Organisation.“

Bitte des Ehemannes erfüllt

Nur noch föhnen, dann sind Laura Heitkamps Longbob und Johanna Theins Pagenkopf fertig. Als sie ihre Jacke anzieht, will die Pfarrerin mit einer automatischen Bewegung ihre langen Haare nach hinten über die Jacke werfen. „Oh, stimmt, da ist ja jetzt nichts mehr“, sagt sie und lacht. „Ich bin gespannt, was die Leute, die mich kennen, zu meiner neuen Frisur sagen werden“, freut sich Laura Heitkamp auf die ersten Begegnungen nach dem Friseurtermin. Thein hat ihren Mann Joachim bereits vor einiger Zeit auf die neue Frisur vorbereitet. Er habe sein Okay gegeben, erzählt sie schmunzelnd. Sein einziger Wunsch sei gewesen: Die Haare erst nach der Hochzeit abschneiden.

Wenn in Oberammergau die Passionsspiele 2020 vorbei sind, könnte es zu einer ähnlichen Haar-Spendenaktion kommen. 

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