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Im Jahre 1416 ist der „Humpelmeier-Hof“ am oberen, östlichen Ende der Hauptstraße in Poing-Süd erstmals urkundlich erwähnt worden. Heimatpfleger Peter Dreyer besitzt eine Luftaufnahme aus dem Jahr 1916, auf der der Hof (roter Pfeil) inklusive Brennerei zu sehen ist. Das Ensemble weicht jetzt der Verlängerung der Anzinger Straße sowie dem Bau eines Supermarktes und von Wohnungen.

Hof-Abriss in Poing-Süd

Das Heimatpfleger-Herz blutet

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Mit dem Abriss des „Humpelmeier-Hofes“ in Poing-Süd verschwindet ein uraltes Stück Poing. Heimatpfleger Peter Dreyer sieht eine Chance vertan.

Poing – Vielleicht ist Peter Dreyer ja nur ein hoffnungsloser Romantiker. Der das alte Straßendorf Poing noch kennt, der altes gerne erhalten möchte. Wenn jetzt mit dem „Humpelmeier-Hof“ ein uraltes und großes Anwesen in Poing-Süd abgerissen wird, dann blutet ihm das Herz. So, wie es vor einigen Jahren schon beim Abbruch des ehemaligen Liebhart’s Bräuhauses auf der anderen Seite der Straße der Fall war.

Auf dem Grundstück an der Hauptstraße, neben der Raiffeisen-Volksbankfiliale, wird zum einen die Verlängerung der Anzinger Straße in Richtung Volksfestplatz verlaufen, zum anderen wird, weiter nördlich zum Bahndamm hin, unter anderem der neue Rewe-Markt gebaut. Alles von der Gemeinde und dem Gemeinderat geprüft und genehmigt, der Baustart für beide Projekte erfolgt in den nächsten Wochen.

„Ich habe schon Verständnis dafür, dass die aktuelle Ortsentwicklung den Straßenbau notwendig macht“, sagt Peter Dreyer. Auch gegen den neuen Supermarkt und gegen weitere Wohnungen habe er prinzipiell nichts einzuwenden. Aber, fragt er, müsse deshalb gleich das komplette alte Ensemble verschwinden? Das um 1416 erstmals urkundlich erwähnt worden und seitdem an dieser Stelle ansässig sei?

Der 58-Jährige mag Romantiker sein, auf jeden Fall aber ist Dreyer ehrenamtlicher Heimatpfleger, der drei Bücher über die Geschichte Poings geschrieben und veröffentlicht hat. Das jüngste ist, in Kooperation mit dem Kulturamt der Gemeinde, vor zwei Jahren erschienen. Titel: „Poing im Wandel – Einst und Jetzt“. In diesem Buch sind historische Aufnahmen von Gebäuden des alten Poings abgebildet, daneben Fotos aus der heutigen Zeit. Einige der Gebäude gibt es nicht mehr.

Mit dem Abriss des Hofes am oberen Ende der Hauptstraße (nahe der Kreuzung zur Anzinger Straße) sieht Peter Dreyer eine große Chance vertan. „Zumindest einen Teil der Gebäude hätte man versuchen können zu erhalten“, sagt er. Sanieren und vielleicht ein Restaurant oder Café einrichten. Das, so der 58-Jährige, hätte Charme gehabt. Außerdem hätte man einen Teil der unbebauten Hoffläche als Dorfplatz gestalten können. Dreyer verweist auf Nachbarorte wie Heimstetten und Anzing, wo alte Höfe im Ortskern erhalten geblieben und umgebaut worden seien. Beispielsweise der Kramerhof in Anzing. „Es verschwindet ein altes Stück des originalen Poings“, sagt Peter Dreyer über den bevorstehenden Abbruch des „Humpelmeier-Hofes“. Der Heimatpfleger besitzt eine Luftaufnahme aus dem Jahr 1916, auf welcher das Anwesen zu sehen ist – genau so, wie es heute noch steht. Inklusive Schnapsbrennerei.

Zwar sei ihm bewusst, dass der Gemeinde die Hände gebunden seien, weil sich das Grundstück in Privateigentum befindet, dennoch bleibt Dreyer dabei: „Es ist schade, dass mögliche Chancen hergeschenkt werden.“ Chancen, alte Gebäude, oder zumindest einen Teil davon, zu erhalten und zu sanieren. Freilich, sagt er, koste das viel Geld. Aber: Man werde doch wohl träumen dürfen. Und vielleicht daran denken dürfen, dass Träume auch wahr werden können, wenn es alle Beteiligten wollen und an einem Strang ziehen würden.

Dass es möglich ist, habe die Gemeinde Poing in der jüngeren Vergangenheit bewiesen, indem sie das alte Schulhaus an der Schulstraße gekauft hat, erzählt Dreyer. Somit konnte zumindest ein kleines Stück des alten Poing erhalten bleiben. Das freut das Heimatpfleger- und Romantikerherz.

Das bei Projekten wie dem bevorstehenden Abriss des alten Ensembles an der Hauptstraße wieder blutet. So sehr, dass Peter Dreyer, der seit 1965 in Poing lebt, hart ins Gericht geht mit seiner Gemeinde. Insbesondere mit Blick auf die neue Ortsmitte mit Marktplatz auf der Nordseite des S-Bahnhofs urteilt er über das Erscheinungsbild des Ortes: „schmucklos, seelenlos“. Mit dem „Humpelmeier-Hof“ werde ein großes Stück aus Poings altem Herzen gerissen, bedauert der Heimatpfleger.

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