1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg
  4. Poing

Ein Mensch Poinger Geschichte: Zum Tode von Leslie Schwartz

Erstellt:

Von: Armin Rösl

Kommentare

null
Überlebende des Todeszuges (v.li.): Leslie Schwartz, Max Mannheimer und Stephen Nasser bei der Gedenkfeier am 27. April 2011 in Poing. © Gemeinde Poing

Leslie Schwartz überlebte den Todeszug Ende des Zweiten Weltkriegs in Poing. Vor zehn Jahren traf er hier die Familie seiner damaligen Retterin. Jetzt ist Schwartz mit 90 gestorben.

Poing – Zehn Jahre, nachdem er in Poing seine Retterin gefunden hatte, ist der Holocaust-Überlebende Leslie Schwartz nun, am 12. Mai, im Alter von 90 Jahren in seiner Heimat Miami (USA) gestorben. Er war Ende des Zweiten Weltkriegs einer von rund 3600 überwiegend jüdischen Häftlingen, die anlässlich der Auflösung der KZ-Außenstelle Mühldorf im sogenannten „Todeszug“ waren. Dieser transportierte die Gefangenen nach Seeshaupt, in Poing stoppte der Zug. 

Poing: Nazi-Schergen schossen auf flüchtende KZ-Häftlinge

Beim Versuch zu fliehen, wurden zahlreiche Häftlinge von SS-Schergen getötet. Schwartz und So berichtete unsere Zeitung vor zehn Jahren. weitere fanden Unterschlupf auf einem Bauernhof, der an der heutigen Poinger Hauptstraße lag und 1972 abgerissen wurde. „Dies ist die Frau, die mir Milch und ein Butterbrot gegeben hat“, erinnerte sich Leslie Schwartz, als er ein altes Foto der Bäuerin sah. Mitgebracht hatte es im Jahr 2020 deren Tochter Marianne Maier, mit der sich der Holocaust-Überlebende in Poing getroffen hatte.

null
So berichtete unsere Zeitung vor zehn Jahren. © Repro: rm

Wiedersehen nach Zeitungsbericht

Über unsere Zeitung hatte Leslie Schwartz nach dem Bauernhof, nach der Bäuerin gesucht. Nach jener Frau, die ihm, der damals 15 Jahre alt war, das Leben gerettet hat. Wenige Tage nach dem Bericht meldete sich Marianne Maier. Schwartz war eigens von Amerika nach Poing gekommen. Jeden Tag, erzählte er damals, jeden Tag seines Lebens habe er an Poing und an diese Frau, seine Retterin, gedacht. Irgendwann, so habe er sich vorgenommen, wolle er an jenen Ort zurückkehren. Vier Tage war er damals, im Sommer 2010, auf Spurensuche in Poing.

Zurück am Ort grausamer Erinnerungen

Marianne Maier zeigte Leslie Schwartz das Hochzeitsfoto ihrer Eltern, er erkannte die Frau wieder und erzählte von jenem 27. April 1945: Viele Flüchtlinge, allesamt ausgehungert, waren aus dem Todeszug auf den

null
So berichtete unsere Zeitung vor zehn Jahren. © Repro: rm

Bauernhof gelaufen auf der Suche nach Essbarem. Sie fanden Kartoffeln, die Bäuerin machte Butterbrote und gab ihnen Milch. Vermutlich ohne zu wissen, dass sie sich damit selbst in Lebensgefahr bringen würde. Kaum hatten sich die Flüchtigen einigermaßen satt gegessen, fielen Schüsse und die ausgemergelten Gestalten wurden von den SS-Schergen in den Zug zurückgetrieben. Bei der Schießerei bekam der damals 15-jährige Leslie Schwartz einen Kopfschuss ab, berichtete er: „Hinter dem Ohr kam die Kugel rein und vorne wieder raus.“

Zeitzeuge und Mahner

Schwer verletzt musste er wieder in einen der Viehwaggons, wo auch sein Freund Max Mannheimer (damals 25 Jahre alt) war. Beide kamen am Ende der Fahrt am folgenden Tag nach Tutzing am Starnberger See, wo sie von den Amerikanern befreit wurden.

Seit 2010 hat Leslie Schwartz immer mal wieder Poing besucht. Er hat in Schulen (sowohl in Poing als auch am Franz-Marc-Gymnasium Markt Schwaben) als Zeitzeuge seine Erlebnisse geschildert und leistete als Mahner unermüdlich Aufklärungsarbeit. Er war Gast bei Gedenkveranstaltungen am Mahnmal in Poing, das auf der Südseite des S-Bahnhofs steht. Bei einem dieser Besuche sagte er: „In the end besteht unsere Aufgabe darin, eine bessere Zukunft zu schaffen und den jüngeren Generationen Grund zur Hoffnung zu geben.“ Schwartz ist ebenso wie der 2016 verstorbene Max Mannheimer, nach dem das Bürgerhaus benannt ist, ein Teil von Poings Geschichte.

Auch interessant

Kommentare