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Um der Ursache der Erdbeben auf die Spur zu kommen, wird der Boden rund um die zweite Geothermie-Bohrstelle zwischen Poing und Pliening jetzt genau untersucht.

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Jetzt wird jede Schwingung gemessen

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Um den Ursachen für die Erdbeben in Poing und Pliening auf die Spur zu kommen, werden derzeit hochsensible Messungen durchgeführt. Sie sollen Aufschluss bringen über die Beschaffenheit des Bodens im Bereich der Geothermie.

Poing/Pliening – Auf einer ausgewählten Trasse zwischen Pliening und Poing werden seit Dienstag jede noch so kleinen Schwingungen im Boden, die für Menschen kaum oder gar nicht spürbar sind, gemessen. Die Untersuchung dauert bis zum heutigen Donnerstag an, teilt die Bayernwerk AG mit. Das Energieunternehmen betreibt die Geothermie-Anlage in Poing, deren zweite Bohrstelle sich auf Plieninger Flur, zwischen Poing und Pliening, befindet. Dort, wo das Thermalwasser abgekühlt zurück ins Erdreich gepresst wird, war die Hauptstörungszone der bislang drei Erdbeben. Zwei fanden im Dezember 2016 statt, das dritte im September 2017. Die genauen Ursachen konnten bislang nicht erforscht werden, Wissenschaftler schließen einen Zusammenhang mit der Geothermie nicht aus, die Beweise allerdings fehlen.

In Zusammenarbeit mit den Gemeinden Poing und Pliening sowie der Bayernwerk Natur GmbH will das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG), Hannover, den Untergrund in der Region im Rahmen eines Forschungsprojekts untersuchen, informiert das Bayernwerk in einer Pressemitteilung. „Die Untersuchungen sollen mithilfe der sogenannten Scherwellenseismik grundlegende Kenntnisse liefern, ob tief reichende tektonische Strukturen dort auch oberflächennah bis in etwa 100 Metern Tiefe mit seismischen Methoden abgebildet werden können“, heißt es. Um die Voraussetzungen hierfür auszuloten, finden nun seismische Probemessungen statt. Sollten diese erfolgreich verlaufen, soll diese Methode innerhalb eines Forschungsprojektes zur Untersuchung der Erdbeben beantragt werden.

Das Prozedere für die Probemessungen schildert das Bayernwerk wie folgt: „Entlang einer ausgewählten Profiltrasse wird eine etwa 120 Meter lange, orangefarbige Messkette ausgelegt, mit der über Sensoren kleinste Schwingungen im Boden gemessen werden. Von Zeit zu Zeit wird diese Messkette von einem Kleinbus langsam weitergezogen. In dieser Messkette befinden sich empfindliche Schwingungsempfänger im Abstand von einem Meter, um die Bewegungssignale aus dem Untergrund in schwache elektrische Impulse zu wandeln, die dann zum Messfahrzeug übertragen werden. Die Anregungen des seismischen Schwingungssignals erfolgen durch ein schubkarrenähnliches Spezialgerät, das die schwachen, kaum spürbaren Vibrationen in den Untergrund aussendet. Dieses Anregungsgerät, das auch als Wellenanreger bezeichnet werden kann, wurde am LIAG entwickelt. In unmittelbarer Nähe des Wellenanregers kann ein leichtes Brummen wahrgenommen werden. Die Schwingungen verursachen aufgrund des gewählten Frequenzbereichs und der geringen wirkenden Kräfte weder im Untergrund, noch im Gelände oder an Gebäuden Schäden. Auch gehen von ihnen keine Belästigungen durch Erschütterungen oder Lärm aus.“ Laut Bayernwerk sind die Messungen für Mensch und Natur ungefährlich.

Interessierte Bürger können die Messstrecke besuchen, um sich von dem Messvorgang einen eigenen Eindruck zu verschaffen, teilt das Unternehmen mit. Dabei sollten die hochempfindlichen Messgeräte aber nicht berührt werden. Grund: „Schon bei kleinsten falschen Berührungen könnten die Messgeräte beschädigt werden“, heißt es in der Pressemitteilung. Ein Passieren der Straße sei trotz des Messvorgangs möglich, sollte allerdings in Schrittgeschwindigkeit erfolgen, bittet das Bayernwerk.

Nach den Erdbeben im Raum Poing und Pliening haben die Bayernwerk Natur GmbH und das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik in Hannover eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit Behörden und Fachinstitutionen mehrere Maßnahmen angestoßen, um verstärkt Transparenz zur Seismik in der Region zu gewährleisten und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die Bayernwerk Natur hat eigenen Angaben zufolge mittlerweile fünf Messeinrichtungen installiert, die Geothermieanlage in Poing sei nun eine der am intensivsten überwachten.

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