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Abschied nach 18 Jahren: Michael Krach (re.) mit Bürgermeister Thomas Stark. 

Nach 18 Jahren im Dienst

Der Berufsjugendliche: Poings erster Jugendreferatsleiter geht in Ruhestand

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Mit 18 Jahren ist man volljährig, nach 18 Jahren kann man auch in den Ruhestand gehen: Michael Krach hat‘s getan. Er hat Poings Jugendreferat aufgebaut und geleitet. Ein Rückblick. 

Poing – Zarte 45 Jahre jung war Michael Krach, als er im Dezember 2002 sein Amt in der Gemeinde Poing antrat: Als Leiter des ersten kommunalen Jugendreferats im Landkreis Ebersberg. Die Jugendarbeit bündeln und in eine Hand legen, Schulsozialarbeit umsetzen, das Jugendzentrum auf Vordermann bringen – drei von vielen Aufgaben, die die Verwaltung und der Gemeinderat an das neu geschaffene Referat gestellt hatten. Die erste Zeit war es eine One-Man-Show, mit Krach in der Haupt- und allen Nebenrollen. Nach und nach kamen weitere Mitarbeiter hinzu, es gab viele Erfolge und einige Rückschläge – jetzt ist der „Berufsjugendliche“, wie er in Poing insbesondere vom ehemaligen Bürgermeister Albert Hingerl und von Gemeinderatsmitgliedern gerne genannt wurde, in den Ruhestand gegangen. „Berufsjugendlicher“ war stets anerkennend gemeint, weil er tatsächlich ein Ohr und Herz für Kinder und Jugendlich sowie für Eltern hatte. Man darf sagen: Was besseres hätte der Gemeinde Poing nicht passieren können. Nachfolgerin im Team, das im Laufe der vergangenen 18 Jahre auf 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsen ist, ist seine bisherige Stellvertreterin Jacqueline Schmidt.

„Von einer anfänglichen One-Man-Show hat Michael Krach letzten Endes den drittgrößten personellen Fachbereich geschaffen“, lobt Poings Bürgermeister Thomas Stark. Zu den Jugend- und Schulthemen sind im Laufe der Jahre Kinder und Kindertagesstätten hinzugekommen sowie zuletzt auch die gemeindliche Seniorenarbeit. Weshalb der Fachbereich heute „Kinder, Jugend, Familie, Senioren, Schule und Bildung“ heißt, dem auch die Gemeindebücherei zugeordnet ist.

Michael Krach war vor seiner Zeit in Poing Geschäftsführer des Kreisjugendrings Fürstenfeldbruck, davor wiederum betreute er in Karlsruhe zehn Jahre lang vorwiegend arbeitslose Jugendliche.

„Jugendarbeit hält jung“, sagte der Diplom-Sozialpädagoge vor 18 Jahren bei seinem Dienstantritt in Poing. Warum er mit 45 Jahren eine neue Herausforderung gesucht habe? „Dass eine Kommune den Mut hat, derart in die Jugend zu investieren, hat mich beeindruckt“, antwortete er damals. Gemeinde und Gemeinderat hatten hierfür insgesamt vier neue Vollzeitstellen geschaffen. Rückblickend sagt der 63-Jährige heute: „Ich hatte ein tolles Team, und die Zusammenarbeit mit Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderat war immer sehr gut.“

Zum Abschied hat Bürgermeister Thomas Stark nun aufgelistet, was in der Amtszeit von Krach geschehen ist, Stark spricht gar von „Meilensteinen“: Kita-Ausbau an der Sudetenstraße, Kirchheimer Allee und im Zauberwinkel mit den Trägern Kinderland und Familienzentrum Poing; Erweiterungsbau an der Anni-Pickert-Schule; Aufbau der Mittagsversorgung mit der Kolpingfamilie Poing; Bau der Skateranlage; Mitwirkung beim Bau der Dominik-Brunner-Realschule; Einführung des Waldkindergartens; Ersatzneubau der Karl-Sittler-Grundschule; Ersatzneubau des katholischen Kindergartens am Endbachweg; Einführung des Poinger Jugendbusses; Vereinsförderung in Poing; gemeindliches Ferienprogramm; Umzug der Gemeindebücherei in die Marktstraße.

Poing: Jugendzentrum in ruhiges Fahrwasser

Darüber hinaus hat Michael Krach das Jugendzentrum in ein neues, ruhiges und ordentliches Fahrwasser gebracht – weg vom Party-Ort mit teilweise hemmungslosen Alkoholexzessen hin zum Treffpunkt mit zahlreichen pädagogischen Angeboten für alle Kinder und Jugendliche. Natürlich weiterhin mit Festen und Konzerten, aber unter bestimmten Regeln. Die waren dringend notwendig. „Die Jugendlichen müssen wissen, dass sie im Jugendzentrum abhängen, Freunde treffen können. Aber sie müssen auch wissen, dass sie sich hier nicht alles erlauben können.“ Für manche Jugendliche mag es ein harter Schnitt gewesen sein, aber er tat der Gemeinde und dem Gros der Kinder und Jugendlichen gut.

Kommunikation mit Kindern, Jugendlichen, Eltern

Vor 18 Jahren sagte Michael Krach: „Es gibt in Poing Probleme, die gelöst werden müssen.“ Dazu gehörte auch die Tatsache, dass die Anni-Pickert-Mittelschule (damals: Hauptschule) vom Jugendamt des Landkreises als „Brennpunktschule“ eingestuft war. Dem ist schon lange nicht mehr so. Mit Schulsozialarbeit, Jugendsozialarbeit und mit Streetwork hat die Gemeinde in der Ära von Michael Krach gezeigt, dass es wichtig und gut ist, mit Kindern, Schülern und Jugendlichen zu kommunizieren, ihnen zuzuhören. Ihnen Hilfen und Perspektiven zu bieten. Manche Jugendliche sind im Laufe der Jahre selbst zu Jugendbetreuern geworden.

Poing: Lob für Krach im Gemeinderat

Obwohl Michael Krach seit ein paar Tagen nicht mehr im Dienst, sondern im Ruhestand ist, hat er am Dienstagabend noch mal ein Lob bekommen: Als die Verwaltung in der Haupt- und Finanzausschusssitzung des Gemeinderates die Kita-Plätze für das Kita-Jahr 2020/21 präsentierte und einmal mehr verkünden konnte, dass der Bedarf von Poinger Eltern/Kindern zu 100 Prozent gedeckt ist, meldete sich Herbert Lanzl (CSU) zu Wort. Dass die Gemeinde seit vielen Jahren in Sachen Kinderbetreuung so gut aufgestellt sei, sei auch ein Verdienst von Michael Krach. „Sagt ihm das bitte weiter“, so Lanzl in Richtung Bürgermeister Thomas Stark und der neuen Jugendreferatsleiterin Jacqueline Schmidt.

Nachfolgerin: Jacqueline Schmidt

Im September könnte Lanzl (oder wer auch immer das tun möchte) dies und anderes Michael Krach persönlich sagen. Wegen Corona war eine gebührende Abschiedsfeier nicht möglich, aber: „Zur Eröffnung des Neubaus der Anni-Pickert-Schule werde ich vermutlich noch mal nach Poing kommen“, sagt der 63-Jährige, der mit seiner Frau in Unterföhring lebt. Dort hat er am gestrigen Mittwoch, als unsere Zeitung ihn am Handy erreichte, gerade an zwei Vespa-Rollern herumgeschraubt und fit gemacht für eine Ausfahrt. Vespa, Sonne, Sommer, den Fahrtwind in den Haaren, das Gefühl von Freiheit – so fühlt sich Jugend an. Und der Ruhestand.

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